Frage 346, Kann man im Offset wirtschaftlich vertretbar ein helles Grau farbtongenau über eine größere Auflage drucken?

  • Meine Antwort:

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    Natürlich nicht! Wenn man mit Markenartiklern spricht. Unbunte Pastellfarben sind die gnibbeligsten Aufgaben für den Skalen - Zusammendruck, die wir kennen. Es ist klar ein Muss, sie als Sonderfarben zu drucken, wenn man kein Farbmusterbuch schaffen will.

    Im Offset arbeiten die Mechanismen, die die Tonwertzunahmen erzeugen, sehr unpräzise. Mahl mehr, mal weniger. Die Punkte der Rasterflächen schwanken in ihrer Flächendeckung innerhalb der Auflage um mehrere Prozent hin und her.

    In einer Farbfläche nur einer Skalenfarbe fällt das nicht auf. Auch im Zusammendruck ist das nicht immer gravierend.

    Doch, wenn man eine schwache Einfärbung hat, also kleine Punkte - dazu einen Zusammendruck der drei Skalen-Buntfarben mit einem wenig bunten Ergebnis, also einem Beige oder Grau, dann ist Alarmstufe 3 angesagt. Wenn man die Bögen durchblättert, findet man deutliche Farbschwankungen.

    Einem Baumarkt ist das egal. Aber die früheren Mercedes - Prospekte für Automobile hatten einen hellgrauen Hintergrund. Es wäre kommerzieller Selbstmord, so etwas beidseitig vierfarbig zu drucken und nicht mit einer fünften als Sonderfarbe.

    Ich habe sogar einen noch gnibbeligeren Fall erlebt: Rosenthal-Grau als Sonderfarbe auf den gegenüberliegenden Seiten auf hochwertigem Bilderdruckpapier aus Bergisch Gladbach, damals der Mercedes für Papier. Für ein Rätsel wurden die Bögen zusammengeklappt und am Rande verleimt. So konnte ein eingestanztes Fenster aufgeklappt werden und etwas zeigen. Der freigelegte hellgraue Hintergrund im Fenster wurde vom Marketing tatsächlich reklamiert wegen Farbtonabweichung. Dabei war auf beiden Bogenseiten der selbe Farbansatz Hellgrau verwendet worden. Ursache war hier die "Zweiseitigkeit" eines erstklassigen, hoch gestrichenen Papiers. Ich habe das damals klar für eine Schikane des Auftraggebers gehalten.

  • Ist der Preis für eine 5. Farbe so hoch das sich Kunden dazu entscheiden es in 4C zu drucken?

    Ist bestimmt auch abhängig davon ob es eine 4-Farben ist oder man mindestens 5 Werke zur Verfügung hat, oder?

    Vollflächen mit hellen Grautönen machen übrigens auch keinen Spaß ;). Find ich zumindest an meiner Maschine sehr wasseranfällig, da sieht man jeden Streifen oder Fleck.

  • Von der Kostenrechnung ist es kein großer Unterschied, aber in der Anschaffung der Maschine natürlich schon. Je nachdem wie oft so etwas benötigt wird, muß es sich ja auch rechnen. Wobei ich selber mir nie nur eine einfache Vierfarben kaufen würde. 5 mindestens + Lack. Alles andere können einfach zu viele.

  • Sehr schönes Thema.

    Unser Auge ist evolutionsbedingt darauf entwickelt Grautöne sehr genau zu unterscheiden.

    Wie eng die Toleranzen wirklich sind lässt einen Blick auf den Lab Farbkreis mit markierten MacAdams Ellipsen erahnen.

    Dort ist gut zu erkennen, dass Farborte mit hoher Buntheit sehr grosse Toleranzen haben. Das heisst, Abweichungen von den Sollorten werden empfindungsmässig als Gleich erkannt.

    Wie klein die Ellipsen werden je näher man sich einem unbunten Farbort nähert, lässt erahnen wie kritisch es ist diesen zu produzieren.

  • Die besten Jobs, sind ja immer die….Visitenkarten zig Namen a100 ! Graue Fläche Skala aufgebaut, auf irgendeinem Sündhaft teueren exotischen Bedruckstoff, wo die Frage auftaucht……wieviel Bogen soll ich mehr bestellen, da weiß man, wo die Reise hingeht!😅

    Eine Woche später stellt der Kunde fest….. ein Name vergessen! Eilig natürlich!

    Am besten, noch mit Passer geprägt 😉

  • Sicher, es kommt so häufig nicht mehr vor! Aber von diesen „Klassikern“ aus dem Drucksal, kann ich so einiges berichten 😉!

    Wenn man das große Glück hat, die 4c aufgebauten als erster druckt, mag das ja noch alle schön sein….aber wehe, es kommt ein unveränderter Nachdruck🥴