Beiträge von inkman

    Hallo Thomas,


    das müssten besser unsere Forumsfreunde aus der Praxis beurteilen. Zu meiner Zeit war immerhin HEXACHROME wohl im Etiketten - und Kleinpackungen - Druck mit Sammelformen und 6 Werken schon mal auch außerhalb der Werbedarstellung vertreten.


    Und vor zwei Jahren hat mich jemand um nähere Informationen über FMsix gebeten. Interesse gibt es wohl hin und wieder. Vielleicht kann uns hier jemand helfen?


    Viele Grüße & ciao

    Bernd

    Einfachste Antwort wäre "Farbraum- Erweiterung". Das ist aber zu platt.

    Natürlich gibt es Zwänge zu zusätzlichen Skalenfarben, wenn bestimmte Motive farbtonmäßig nicht erreichbar sind. Aber ehe man auf ein zusätzlichen Werk kommt, reizt man doch erst alle anderen Möglichkeiten aus, siehe auch Fragen 53 und 114.


    Die Firma PANTONE hat einmal versucht, eine Skala aufzubauen, die möglichst viele Töne des damaligen PANTONE- Fächers hinreichend brauchbar trifft. Und nach der eigenen Darstellung kam sie auf einen Satz von 6 Farben, mit denen man auf 90 % Treffer kam, PANTONE HEXACHROME. Man dachte sich, dass es z. B. beim Druck von Verpackungen und Etiketten oft Fächertöne gab. In solchen Druckereien gab es auch häufiger Maschinen mit 6 Werken. Mit denen konnte man entweder zwei PANTONE- Töne zusätzlich zur Skala erreichen, oder mit dem speziellen Farbensatz praktisch beliebig viele auf einem Bogen. Damit gab es einen wirtschaftlichen Grund für ein solches besonderes Skalensystem.


    Einen rein theoretischen Ansatz verfolgte einst Harald Küppers mit einem Siebenfarben - Druck. Er war eifriger Verfechter der UCR (under color removal, Unterfarben - Reduzierung). Um die Farbschichtdicke möglichst weit zu reduzieren (Ablegen, Trocknung ...) suchte er sich 7 Farben inklusive Schwarz aus, die es erlaubten, praktisch nie mehr als zwei Buntfarben übereinander zu drucken. Die Idee ist theoretisch brillant, hatte aber verständlicherweise keine echte Verbreitung gefunden.


    Dann gab es noch eine Reihe anderer Ideen:


    FMsix von M.Y. PrinTech B.V. in NL verwendete Normfarben und dazu zwei andere. Dabei kann Orange, Blau oder Grün gewählt werden - je nachdem, was besser passte.


    OPALTONE kombinierte CMYK mit RGB, also 7 Farben. Hier ist "RGB" wie auch an anderen Stellen, wo es angeblich gedruckt wird, ein Schwindel. Das RGB - System baut auf Leuchtfarben auf. Und ich habe noch keine Lämpchen gesehen, die im Offset druckbar wären. Es ist klar, was die Leute wirklich meinen. Aber da finde ich z. B. FMsix seriöser, der eine Farbphilosophie aufbaut und nicht einfach Slogans umsetzt.


    Einen noch exotischeren Ansatz verfolgte ederMCS. Sie kombinierten 4 Grund - Skalenfarben mit 3 Sekundärfarben und 6 Zwischenfarben in einem theoretischen System, aus dem sie nach Analyse der Druckobjekte nur die am besten geeigneten Farben zum Skalendruck auswählten.


    Kodak Spotless postulierte 5, 6 oder 7 Skalenfarben, um Sonderfarben zu vermeiden.


    Es gab auch Ansätze mit Effektfarben, vielleicht eine wirklich originelle Idee. EKART-WERKE hat eine eigene Skalenwelt mit Metallicdrucken aufgebaut: MetalFX.

    Auch MIPP, Metallic Integrated Process Printing, von Pantone Inc und Eckart- Werke verband den Vierfarbendruck mit Metallicpigmenten - reizvoll.


    Petzold Concept und hubergroup brachten einen sehr ehrgeizigen Namen: ECP, Exact Colour Print. Es verwendete 4 Skalenfarben mit normaler oder erhöhter Dichte plus Effektfarben.


    Es gab noch weitere. Aber nicht jede solche Orchideenblüte lebt ewig.

    Wenn man sich von der Masse absetzen will, kann man z. B. Objekte planen, die mit der Normskala nicht oder nur schwer darstellbar sind. Es mag aber auch sein, dass jemand aus Reklamegründen immerhin diesen Eindruck erwecken will. Immer wieder gibt es solche Wellen. Dann gibt es darin natürliche auch Mitläufer wie immer, die von ihren Verkäufern angestoßen werden, unbedingt auch so etwas anzubieten. Auf diesem Wege haben alle Druckfarbenhersteller mal solche Systeme "selbst entwickelt". Man muss nur ein eigenes Motiv nehmen, damit es nicht zu plump ausschaut. Solange man bei drei Buntfarben bleibt, ist es immer leicht, es bei einer Druckerei unterzubringen, die einfach mal damit werben will.


    Man kann z. B. die Pigmentierung der bunten Skalenfarben hochsetzen. Oder man kann die Farbtöne der drei Pigmente bewusst verändern. So war einmal die japanische Farbenskala ein Hype, bei der das Magenta blaustichiger war als bei uns. Das hat kalte Rottöne stärker herausgebracht als die Normskala. Lange hat sie sich nicht gehalten, weil wir in Westeuropa und USA eher warme Rottöne schätzen. Das geht bis in die Automobilprospekte, wo die Rücklichter "richtig leuchten" müssen.

    Geht man die Sache fachmännisch an, kann durchaus Bemerkenswertes herauskommen.


    Beispiele für solche Sonderskalen aus meinen Notizen sind:

    Novaspace, Novart und Novastar von Flint, Aniva von Epple, hicos von MHM, high end von SunChemical, Tempo Max+ von Sicpa und high body von Jännicke & Schneemann.

    Meine Antwort:

    Liebe Forumsteilnehmer,


    ich bereite Themen für Quizfragen vor und kann mir ja kein neues Material mehr anfertigen, weil ich im Ruhestand bin. Kann mir jemand helfen? Ich suche Fotos von Farbabstrichen zum Vergleich zweier Nassmuster in Farbton und Lasur. Benutzt einer von euch solche Techniken z. B. zum Ausmustern von Sonderfarben oder in der Eingangskontrolle? Ohne so ein Bild versteht niemand die Beschreibung dieser praktischen Prüftechnik.


    Danke & ciao

    Euer Inkman

    Es gibt Metallic-Farben, die als Pigment feinste Kupfer- oder Messingflitter enthalten. Für Mehrwegflaschen (z. B. Bier) werden die Etiketten von den Pfandflaschen nach Gebrauch abgewaschen und die Flaschen neu befüllt. So weit so gut.

    Die Waschlauge ist dabei brutal alkalisch, also eine knackige Lauge. Dabei lösen sich das Zink aus dem Messing als Natriumzinkat quantitativ und ein bisschen des Kupfers. Da diese Getränkeverlage meist klein sind und keine wirklich angemessene Abwasseraufbereitung haben, ließen sie ihre Abfälle früher von der Kommune entsorgen. Und jedes Mal, wenn so ein Abwasser ankam, gingen die Bakterien der biologischen Reinigung in die Knie.


    Jetzt kommt die logische Komponente: Die Drucker mussten eine Lösung schaffen und verlangten Farben ohne Kupfer. Mit Aluminium und Buntfarben als Ersatz war das machbar.


    Dann kam die unlogische Komponente: Die Fachpresse nahm das Thema in ihrer tief fachkundigen Art auf. Das Ergebnis war die Forderung nach „kupferfreien Farben“.

    Klar, dass ein Schlauberger mit guter chemischer Halbbildung dahinter kommt, dass auch ein paar unwichtige andere Pigmente( Blaus und Grüns, vor allem Cyans) Kupfer enthalten. Die sollten natürlich sofort raus aus den Rezepten.

    Dass dieses Kupfer (chemisch fest gebunden) unter den Waschbedingungen gar nicht in Lösung gehen konnte, war nicht wichtig; der Slogan „kupferfreie Farben“ als Umweltengel - Kriterium saß bereits fest.


    Wir haben notgedrungen Phthalocyanine ohne Kupfer ausprobiert. Auch solche Kosten trägt am Ende der Kunde, also der Drucker. Ich kürze ab: Die Sache ist bis in das industrielle Stadium gekommen und dann sang-und-klanglos eingegangen. Es blieb bei kupferfreiem Gold und Kupfer für Mehrwegetiketten.

    Hallo Firniskoch,


    ja, du hast Recht; wir geben nur noch kommerzielle Aussagen ab. Das ist aber kein neues Problem in der Branche. So ist der Deutsche Drucker schon immer eher ein Werbemedium als eine Fach-Information.


    Immerhin kann der Drucker prüfen, ob er ungewollte Schwächen einkauft: Solange diese Drucke genügend scheuerfest sind, soll es egal sein, ob die Verfilmung innig ist oder schwach. Und irgendeine Kontrolle auf Restmonomere muss der Drucker ohnehin durchführen, wenn er strahlenhärtende Produkte verarbeitet. Schließlich verantwortet er das komplette Druckobjekt.

    Viele Grüße & ciao

    Inkman

    Hallo FirnisKoch,

    das klingt in interessant. Hast du Hinweise, wieso so etwas funktionieren soll? Gilt das nur für gestrichene Papiersorten wie sonst, oder tatsächlich für recyceltes, ungestrichenes Papier?

    Ich frage, weil für mich Strahlenhärtung immer mit inniger Verfilmung verbunden ist und damit mit hoher Stabilität.

    Bei INGEDE habe ich Hinweise gefunden. Aber die Informationen von dort sind oft eher kommerziell als technisch verständlich.

    Viele Grüße & ciao

    Inkman

    Hallo Heidelbergianer,

    mit LED meinst du diese spezielle Art der UV-härtenden Farben. Ja, die Strahlenhärtenden schrumpfen praktisch nicht mehr nach dem Härten. Aber der Wegschlag des Farbtones ist sicher kein Argument, das einen Wechsel von konventionell zu UV bringt.


    Hallo Maik,

    dein Argument mit Recycling-Papier hat etwas: Strahlengehärtete Drucke sind nicht recyclebar, weil sie im Deinking auf der Faser bleiben. Wenn man also schon "umweltfreundlich" arbeiten will, gehören solche Farben nicht dazu.


    Viele Grüße & ciao

    Inkman

    Manchmal hat eine Sonderfarbe nach dem Wegschlagen einen leicht anderen Farbton als frisch nach Druck. Wenn das reklamiert wird, kann man die Auflage retten?

    Meine Antwort:

    Im Ausdruck "Streckungsmittel" steckt schon drin, welche Funktion es hat - verbilligen. Extender ist nur die neudeutsche Variante. Sie klingt für uns nicht ganz so billig. Hier werden Füllstoffe eingesetzt, also mikrokristalline Pulver, die keine eigene Funktion haben sollen, außer Volumen zu schaffen. In einigen Fällen sollen sie teure Zusätze, z. B. Pigmente, so verdünnen, dass sie deren Wirkung verstärken, obwohl sie gar nicht selbst farblich wirken. Wenn man feinkristallines Aluminium-Hydroxid z. B. zum Titandioxyd hinzusetzt, gibt es Mischungen, in denen der billige Partner den teuren tatsächlich durch bessere Verteilung mehr zur Geltung kommen lässt und ihn damit teilweise ersetzt.


    Ein Füllstoff ist in den entsprechenden Normen unter den feinteiligen Feststoffen dadurch vom Pigment abgegrenzt, dass er nicht färbt. In das Färben wird hier auch die Deckkraft eingeschlossen: Titandioxid, Bariumsulfat usw. Es gibt ganz raffiniert arbeitende Füllstoffe, die durchaus eine eigene, hochwertige Funktion bringen. Aluminium-Hydroxid ist in unterschiedlichsten Kornklassen als halogenfreier Flammschutz unterwegs. Es gibt auch Hohlkügelchen aus glasartigem Quarz, die Kunststoff - Gießteile sehr weiß und schaumig aufgeplustert machen. In der Papierindustrie wird ein fluffiges, organisch-chemisches Material eingesetzt, dass Volumen und Opazität schafft, alles mehr als nur Verbilligung.


    Wollten wir eine Druckfarbe nur mit Pigment und Bindemittel auf die norwendige Viskosität einstellen, wäre sie so farbstark, dass die endgültige Farbschicht viel zu dünn wäre für die Anforderungen unserer modernen Maschinen. In Druckfarben finden wir Füllstoffe daher zum Erhöhen der Viskosität ohne Pigmentwirkung. Im Papier bringen sie Opazität in die Masse und in den Strich (Kalziumkarbonat, China Clay, Kaolin, Bentonite, Siliziumdioxid, Aluminium-Hydroxid...).

    Hallo Boston Presse,


    die Leute von den Flüssigfarben (Tief- und Flexodruck) sagen "Verschnitt" ganz allgemein. Also denke ich, dass alle Verbraucher von Wasser- und Lösemittelfarben diesen Fachausdruck benutzen.

    Hier wäre interessant, zu wissen, was die Siebdrucker sagen. Deren Farben haben wir beim Siegwerk nicht bearbeitet. ZeroMakeReady druckt offensichtlich im Flexo.


    Viele Grüße & ciao

    Inkman

    Ein Lasurweiß zum Farbenmischen muss bei pastösen Farben die volle Viskosität einer Farbe haben, um einsatzfähig zu sein. Die hohe Lasur, also das Durchscheinen von Licht, erreichen wir mit feinstverteilter Kieselsäure (Aerosil, teuer). Verwendet man Kalkmehl oder Dolomitmehl, wird die Mischung etwas stärker deckend, aber deutlich kostengünstiger in Material und Verarbeitung. Im Fachjargon der Offsetfarben unterscheidet man deshalb zwischen hoch lasierendem Lasurweiß und ganz leicht deckendem Mischweiß.


    Den Ausdruck „Verschnitt“ benutzen die Tief- und Flexodrucker für ihre Art von Verdünnung der Farben. Bei ihnen hat er auch als Viskositätsregler zu funktionieren und nicht hauptsächlich als Aufheller.

    Wir drucken eine Fläche einmal mit einer aus Cyan und Yellow gemischten Sonderfarbe und einmal durch eine Rastermischung von Cyan und Yellow. Was kann sie unterscheiden?

    Meine Antwort:

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    Hallo Boston Presse,


    da muss ich doch mal einsprechen. Mein Modell betrifft gerade den Druck auf einen weißen Bedruckstoff wie Papier. Das nennt sich auch "optische Dichte" bei uns, nur eben im Auflicht gemessen.


    Was bedeutet bitte, der "Farbton" erhöhe sich?


    Wenn man eine Reihe von Andrucken mit steigenden Schichtdicken anschaut oder misst, verändert sich nicht nur die Intensität des Farbeindruckes, sondern auch der Farbton. Magenta wird gelbstichiger und dunkler in unserer Sprache. Dabei kann man auch umgangssprachlich sagen, es strebe Richtung Braun. Das meine ich mit Verschwärzlichung. Auch messtechnisch kann man das verfolgen.


    Wenn eine Farbschicht ideal lasierend ist und unendlich dick, kommt kein Licht mehr durch, sei es im Auflicht über Weiß oder im Durchlicht. Das meine ich mit Schwarz.

    In der geöffneten Farbdose würdest du bei perfekter Lasur die Farbe der Doseninnenwand sehen. Den Fall haben wir aber in der Praxis nicht. Also sehen wir den Farbton der Farbe mehr oder weniger hell - je nach Resten von Streukraft.

    Deshalb ist ein hochlasierendes Gelb in der Dose auch eher oliv, ein leicht deckendes leuchtend gelb.


    Verstehe mich bitte nicht falsch: Ich freue mich, wenn jemand einspricht, weil er das zeigt, was vielleicht andere auch meinen - die sich nur nicht trauen.


    Acid Green hat Recht: Das Diagramm zeigt eine Art Endwert, der irgendwo einmal bei hohen Schichtdicken zu kommen scheint. Hier ist einfach unsere Messtechnik begrenzt, weil irgendwann mit immer weniger Licht kein Messsignal mehr registriert wird. Das sieht dann so asymptotisch aus. Hier war meine Idee mit Dichte 4 schon sehr optimistisch. Ich habe dies aber ehrlich auch nie ausgelotet, weil es mir für die Praxis belanglos erscheint.


    Viele Grüße & ciao

    Inkman