Beiträge von inkman

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    Unser Ausdruck "Oberfläche" enthält eine kleine, aber praktische Lüge: Die Teilchen in einem Gas sind so dünn im Volumen verteilt, dass man als Feststoffmolekül oder als Flüssigkeitsmolekül nur selten eines trifft. Wir tun so, als sei es das Vakuum, was über unserer Flüssigkeit steht. Das macht die Modelle sehr einfach. Immerhin stimmen die Dinge, die wir damit messen noch so gut, dass sie das Typische treffen.


    Deutlich anders geht es zwischen zwei kondensierten Phasen ab (z. B. fest und flüssig, eben nicht mit Gas). Dort sagen wir deshalb Grenzfläche und Grenzflächenspannung. Und die hängen immer deutlich von beiden Kontaktpartnern ab. Es gibt also keinen Wert für Wasser, sondern einen für Wasser gegen Glas und einen anderen für Wasser gegen Kalkstein, Aluminiumoxid usw.


    Die Begriffe Phase, Oberflächen- und Grenzflächenspannungen dienen uns bei der Beschreibung von Benetzungsvorgängen. Und die sind das A und O im Offsetprozess.

    Das Beruhigende in dieser scheinbar formalen Diskussion ist, das man alle diese Dinge messen kann, sowohl in Reinsubstanzen im Labor, als auch an praktisch vorkommenden in der Technik.

    In einer Flüssigkeit, nehmen wir mal Wasser, sind alle Moleküle von gleichartigen umgeben und kuscheln miteinander, weil sie enge Anziehungskräfte untereinander besitzen. Jedes Teilchen (Molekül) hat gleichzeitig Beziehungen zu mehreren Freunden. Nur die Moleküle an den Außenflächen haben Pech: Sie müssen auf der Außenseite der flüssigen Phase mit Fremden zufrieden sein. Die sind in der Regel anders gebaut und pflegen andere Kräfte untereinander. Wenn es sich auch noch um Luft (oder ein anderes Gas) handelt, sind die Fremden auch noch kaum anzutreffen, weil gasförmige Phasen etwa 1000 mal weniger Teilchen pro Volumen haben als kondensierte. Jedes Randteilchen versucht deshalb, wieder ins Innere zu gelangen.


    Wenn keine anderen Kräfte wirken (Gravitation usw.), wird ein Wassertropfen also eine Form annehmen, die eine möglichst kleine Oberfläche besitzt, die Kugelform.

    In der Physik bedeutet gemütlich, möglichst wenig Energie für einen Zustand zu brauchen. Wenn wir einen Tropfen platt quetschen, müssen wir Energie aufwenden. Das ist z. B. der Fall, wenn wir ihn auf einer Offsetplatte flach verteilen wollen (spreiten). Wenn es sich nicht um eine vorgefeuchtete bildfreie Stelle handelt, kriecht er immer wieder zusammen und perlt ab.


    Die Energie, die nötig ist, einen cm² Wasseroberfläche zu bilden, kann man messen. Sie wird als spezifische Oberflächenenergie bezeichnet. Spezifisch bedeutet hier, pro cm² gemessen. Der Begriff ist praktisch, weil er bei gegebener Temperatur einen eigenen Wert für jede Flüssigkeit gibt. So hat z. B.reines Wasser 80 dyn*cm/cm².

    Diesen Bruch kann man kürzen zu 80 dyn/cm. Damit machen wir aus einer Einheit für Energie pro Fläche eine für Kraft pro Länge, also eine Spannung. Durch so eine reine Formalität kommt das Ding zum Namen "Oberflächenspannung".

    Ein Stoff in einheitlicher chemischer Zusammensetzung, mit bestimmtem Aggregatzustand ist eine Phase. Ein zusammenhängender Schluck Wasser ist eine Phase, auch wenn er heiß ist. Der darüber stehende Wasserdampf ist wieder eine eigene Phase.


    Zwei oder mehr Phasen können sich untereinander mischen - oder nicht.

    Wenn wir ein Mischaggregat auslegen wollen oder die Qualität einer Farbe beurteilen, ob sie grießig oder glatt ist, nützt dieser Ausdruck "Phase". Dann wollen wir z. B. wissen, wie gut eine Phase in einer anderen verteilt ist.


    Uns im Offset interessieren ein paar feste Phasen (Platte druckend / bildfrei, Walzen- und Zylinder), zwei flüssige (Feuchtmittel, Farbe) und eine gasförmige, die Luft. Deren Eigenschaften sind der Hauptschlüssel zum Verständnis unseres Druckverfahrens.

    Außerdem interessieren uns noch ein paar Mischphasen - Die verschiedenen möglichen Emulsionen aus Farbe und Feuchtmittel (Wasser-in-Öl und Öl-in-Wasser) und Luft in z. B. Dispersionslack => Schaum.

    Hier habe ich absichtlich etwas geschummelt, weil Farbe und Lack, genau betrachtet, schon Mehrphasen-Gemische sind. Allgemein werden sie als Dispersionen (hier physikalisch gemeint, nicht technisch) bezeichnet. Sie sind bei uns meist fest-in-flüssig oder auch fettig-in-wässrig (Dispersionslack).

    Was soll man unter Rubbelsilber und Rubbelweiß verstehen?

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    Die traditionellen Mineralölfarben für den Buchdruck und den Offset hatten eine ganz besondere Bindemittel - Konstruktion. Die Hartharze lösten sich nicht wirklich in den Mineralölen. Ein paar Prozent Öl quollen die Harze an. Und eine geringe Harzmenge ließ sich auch wirklich in Öl lösen. Dazwischen klaffte jedoch eine große Mischungslücke, in der das Harz kolloidal im Öl verteilt war. Diese Verteilung konnte man brechen, das Harz also ausfällen - z. B. durch Einfrieren auf -10 °C. Dann wurde ein Firnis trüb.

    Solche Bindemittel waren sehr gut für ein schnelles Wegschlagen, weil nach den ersten Ölanteilen, die wegschlugen, das Harz leicht ganz ausfiel und der Farbfilm dadurch schnell klebfrei wurde.


    Der Nachteil dieser Konstruktion war, dass unter ungünstigen Bedingungen das Bindemittel schon in der Maschine unter z. B. mechanischem Stress unverträglich werden, also auseinanderfallen konnte. Das führte dann zu unterschiedlichen Formen von Aufbauerscheinungen in der Maschine.


    Die modernen Bindemittel enthalten als Verdünner Fettsäureester, keine Mineralöle. Und diese Ester sind durch eine etwas höhere Polarität bessere Löser als Mineralöle. Damit werden die Bindemittel echte Lösungen. Und das bedeutet, dass sie sich in der Maschine allgemein toleranter und stabiler verhalten.


    Nebenbei ist auch das Wasserverhalten (Lithoverhalten) dieser modernen Farben meist ausgeglichener, weil man andere Harztypen verwenden kann.

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    Hallo Ralf76,


    Transparentweiß ist eine Farbe, bei der das Pigment farblos und hoch lasierend ist. Es ist ein Mittel, mit dem du eine Farbe farbschwächer machen kannst, praktisch ohne sie rheologisch zu verändern und ohne die Deckkraft zu erhöhen. Das Pigment ist pyrogene Kieselsäure, ein puderfeines Pulver.


    In Fällen, bei denen die Deckkraft weniger wichtig ist, verwendet man Mischweiß, das nur leicht deckend ist, dafür aber deutlich billiger. Hier ist billiges Kalziumkarbonat oder Magnesiumkarbonat als Pigment drin.


    Um eine Farbe richtig aufzuweißen, setzt man Deckweiß ein, eine mit Titandioxid pigmentierte Farbe.


    Wenn man aus einer Farbe das Pigment herauslässt, erhält man einen Drucklack. Der ist dann niedrig viskos und verflüssigt so die Farbe nach dem Einmischen.


    Ich hoffe, das hilft dir.

    Viele Grüße & ciao

    Inkman

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    Im Prinzip ja. Es ist ja alles so gemeint. Und die Dinge, die ich aus eigener Praxis kenne, dürften ziemlich gründlich überprüft sein.


    Wie bei jeder Veröffentlichung sollte jedoch der kritische Fachverstand des Lesers immer als Filter davor geschaltet sein. So eine Darstellung im Internet macht sich leicht. Und wer gibt sich hier schon die Mühe, vor dem Hochladen seinen Text erst durch andere Fachleute prüfen zu lassen? Diese Quizfragen schreibe ich spontan.

    Meine Skripte an der Uni habe ich früher mehreren Fachleuten gegeben, die Interesse geäußert hatten. Sehr viele Antworten bekam ich leider nicht...


    Wenn man sich ein so gründlich und mit viel Fachverstand geschaffenes Werk anschaut wie das Handbuch der Printmedien von Kipphan et al, dann muss man doch staunen, dass trotzdem auch darin einige falsche Beschreibungen stehen.


    Deshalb bin ich jedem dankbar, der mich auf Fehler in meinen Publikationen hinweist.

    Gerade erst bin ich selbst auf einen sehr alten gestoßen: Ich hatte den Begriff Remission für veraltet gehalten, und gemeint, alle sollten jetzt auch „diffuse Reflexion“ sagen: Die Physiker benutzen „Remission“ nicht, sondern nur „gerichtete“ und „diffuse Reflexion“. Ich habe jetzt gemerkt, dass unter Technikern die „Remission“ durchaus gebräuchlich ist und durch einen sehr feinen Unterschied in der Definition nicht einfach abgelöst werden kann.

    Dabei habe ich gleich weiter kontrolliert und gemerkt, dass es einen Transparenzgrad überhaupt nicht gibt. Es gibt nur den Transmissionsgrad. Von der Transparenz wird kein solcher Begriff abgeleitet.

    Übrigens: Die „Reflektion gibt es nicht im Deutschen. Sie ist ein Missverständnis, das sich vermutlich aus dem Englischen „reflection“ ableitet.

    Hallo betzebub,


    das ist kein ungewöhnlicher Fall. Das Risiko eines schwachen Verbundes ist immer größer, je dicker die Farbschicht ist, weil Offsetfarbe und UV-Lack sich in ihrer Benetzbarkeit stark unterscheiden.

    Dort wird auch am wenigsten Lack angenommen, besonders bei in-line-Lackierungen.

    Aus meiner Erfahrung hilft hier am besten, nochmal mit Dispersionsprimer zu lackieren. Wenn der nicht allzu hart durchgetrocknet wird, sollte er den Verbund zum UV-Lack erleichtern.

    Unter den UV-Lacken gibt es durchaus auch solche, die sich hier gutmütiger oder schwieriger verhalten.


    Viel Erfolg & ciao

    Inkman