Trettiegel der Firma Riese & Pohl

  • Hallo zusammen,

    lang ist es her, dass ich hier aktiv war, bei uns ist privat viel passiert.


    Ich habe die Gelegenheit einen Trettiegel der Firma Riese & Pohl geschenkt zu bekommen, muss mich nur um die Spedition kümmern, die das gute Ding bis spätestens Ende Oktober auf eine Palette stellt und zu uns fährt.
    Druckformat ist 32 x 22cm.

    Was sagt ihr zu dem Stück? Kann jemand was zum Hersteller sagen? Baujahr ist wohl 1890.


    Habt ihr in Sachen Spedition einen Tipp? Das Ding steht in Hamburg und es muss nach Regensburg.


  • Hallo Melissa,


    man sollte auf alle Fälle das Anlage-/Ablagebrett und die dazugehörigen Halter abschrauben und separat auf die Palette (gut gesichert) legen. Da dies vorstehende Teile sind wir hier gern einmal mit dem Gabelstapler dagegengefahren und die gegossenen Eisenteile brechen gerne ab. Ebenso die hintere Farbwalze, als höchster Punkt, abschrauben. Ausserdem würde ich die Farbwalzen aushängen, jede gut mit Zeitungspapier umwickeln und separat legen. Gleiches würde ich mit dem Schliessrahmen machen. Hintergrund sind die Erschütterungen beim Fahren, die die Farbwalzen gerne aus den Führungen springen lassen und die dann so in der Maschine evtl. auch verkeilt herumliegen. Evtl. sind sie dann nach zwei Tagen Fahrt und dreimaligem Umladen auch kaputt.


    Die Maschine selber dürfte sich mit wenig Aufwand auf eine Europalette schieben lassen. Ich habe das selbst mit solch einer Maschine geschafft. Dort nach Möglichkeiten mit großen Schrauben an den Füssen in den hoffentlich ebenfalls vorhandenen Löchern durch das Holz befestigen. Sollte sich auf Grund der Abstandsbreite der Füße kein Brett finden, einfach ein Querbrett über die Palette legen und dieses mit anschrauben. Anschliessend die Maschine mit zwei EInweg-Spanngurten durch die Maschinenmitte an der Palette sichern. Sollten sich keine Schraublöcher in den Füßen befinden das Ganze eben mit vier Spanngurten sichern.


    Um die Maschine herum noch mittels Luftpolsterfolie eine SIcherheitszone schaffen und schlussendlich mit Stretchfolie einpacken. Fertig.


    Bei Transport über Spedition niemals angeben, dass man eine historische Druckmaschine versenden will. Die meisten Speditionen winken dann gleich ab. Dies hab ich mehrfach erlebt. Wenn man hingegen sagt man hätte ein Maschinenteil zu transportieren ist der gleiche Gegenstand plötzlich kein Problem.


    Soweit meine Erfahrungen. Alles Gute und viel Glück!


    PrintPeet

  • Hey super, danke für die Tipps!

    Ich werde beim Versender mal nachfragen, ob der eine Möglichkeit sieht das Teil schon vorher auf einer Palette zu montieren, dann wird das sicher für die Spedition einfacher, wenn die das einfach nur noch anheben und einladen müssen.

    Hast du eine Spedition deines Vertrauens, oder kannst mir Tipps geben, wie ich eine finde, die das kompetent umsetzt? Ich möchte ungern eine böse Überraschung erleben und auch nicht, dass der Verkäufer unnötig Scherereien hat damit. Die Dame gibt den Tiegel wegen eines Todesfalls ab und da hat die echt anderes zu tun, als Ärger mit dem Spediteur zu regeln :)

  • Hallo Melissa,


    falls du nicht selbst nach Hamburg fährst würde ich einfach im Internet unter Speditionen Hamburg nachsehen. Dort würde ich mir zwei bis drei heraussuchen und allen die gleichen Daten schicken.


    Zunächst: Länge des Gesamten, Breite des Gesamten, Höhe des Gesamten (inkl. Palette), Gewicht des Gesamten (vermutlich nur zu schätzen), und als Artikel eben Maschinenteil.


    Da die meisten Speditionen heute innerhalb eines Verbundes operieren gibt es häufig nicht mehr den einen Dienstleister der die Ware von A nach B fährt. DIe von dir angefragte Spedition fährt die Palette die ersten 300 km, dann übernimmt Spedition 2 die zweiten 300 km und Spedition 3 die restlichen 300 km. Dies ist natürlich nur eine starke vereinfachte Betrachtungsweise.


    Beste Grüße und viel Erfolg, Print Peet

  • Wir hatten das Thema schon mehrfach durch mit dem Transport von historischen Maschinen.


    Eine "normale" Spedition verlädt keine Maschinen auf Palette und kommt diese auch nicht abholen, wenn die Palette nicht ebenerdig steht. Und Einbringen an den neuen Standort musst du diese schon selber, wenn der Spediteur die Palette mit dem Rolli nicht einfach durch die Türe schieben kann.


    Melissa, wo steht denn der Tiegel? Ebenerdig? In einem hindernisfreien Gewerberaum? Oder im 1. Stock mit zu schmalen Türen, ohne Lift und unzähligen Schwellen und Absätzen?

  • Hallo,


    sorry für die lange Wartezeit.


    Also der Trettiegel kann wohl ebenerdig abgeholt und hier auch wieder ebenerdig in eine Garage befördert werden. Mit einem normalen Hubwagen kein Problem. Nur das montieren auf eine Palette wird das Hauptproblem sein, da der Verkäufer das nicht machen kann und ich nicht vor Ort bin, bzw. das auch nicht ohne Hilfsmittel machen kann.

    Ich hab noch den Kontakt bekommen von dem Herren, der das damals transportiert hat. Der is nur leider in Bremen ansässig, bereits in Rente und müsste den Tiegel von Hamburg nach Regensburg schippern - das wird er wahrscheinlich nicht machen wollen.


    Puh, is doch komplizierter als ich dachte.

  • Ich würde in der Umgebung des Tiegelstandorts mal bei einer lokalen Transportfirma für Baumaterial oder ähnlichem nachfragen. Die haben entsprechende Fahrzeuge mit Autokran, Stapler usw. und Personal, welches gewohnt ist, schwere und an unzugänglichen Orten Stehendes zu verladen. Unter Umständen transportiert diese Firma den Tiegel auch an den neuen Standort und lädt in dort wieder ab.


    Natürlich kostet das eine Stange Geld. Die Billigvariante davon ist, Tragegurten kaufen, Sprinter mit Hebebühne und Rolli mieten, vier kräftige Männer oder Frauen anheuern und den Umzug selber durchführen. Wenn der Tiegel wirklich hindernisfrei steht, sollte das kein Problem sein.

  • Danke Cyberfisch für deine Einschätzung. Inzwischen muss ich mich wohl damit abfinden, dass ich mir einen Transporter mit Hebebühne leihen muss und das selber machen muss.


    Kann mir irgendwer noch helfen mit dem Schwungrad, das weg muss? Selbst wenn ich ein paar starke Männer hab, die mir beim Transport helfen, muss ich mich doch um das Schwungrad selber kümmern. Was brauch ich da normalerweise an Werkzeug? Hammer, verschiedene Maulschlüssel, Schraubenzieher, Kriechöl, ... ? Irgendwo hab ich was von Klauenabzieher gelesen - Dreiarmige, denke ich? Und das Schwungrad ist wahrscheinlich an sich schon so schwer, dass ich das nicht allein gehoben bekomme, sodern da auch auf die Hilfe der starken Männer angewiesen bin?

    Da die Presse laut Besizter schmaler wird, wenn man das Schwungrad abnimmt, muss wohl auch von der Welle ein Teil abgenommen werden können. Leider ist das auf den Fotos nicht so recht erkennbar (und neue krieg ich nicht, weil ja keiner vor Ort ist momentan).

    Oder muss ich das Schwungrad dann gar nicht von der Welle nehmen, wenn ich den Teil der Welle eh abnehmen kann?


    So absolut ebenerdig steht der Tiegel wohl vor Ort doch nicht (man muss nur oft genug nachfragen...), es sind wohl zwei Stufen rauf und runter zu meistern, die damals mit Balken als Rampe für den Hubwagen überwunden wurden. Ich hoffe, das kriegen wir dann auch so hin. Da müssen dann die Möbelpacker eben fleißig mithelfen.


    DEr Benutzer schreibt wortwörtlich: "Von der Straße vor dem Haus in Hamburg konnte der Tiegel mit dem Hubwagen über die Hauszuwegung mit 2 Treppenstufen aufwärts und nach ein paar Metern wieder 2 Treppenstufen abwärts transportiert werden. Hierzu hatte Herr Wrede 2 starke Bohlen benutzt, um die beiden Stufen rauf und runter mit dem Hubwagen zu überwinden. Der Tiegel war auf der Palette fest fixiert und hat im demontierten Zustand (Schwungrad) millimetergenau durch die Eingangstür der Werkstatt gepasst."

  • Ich würde an deiner Stelle sowieso alles abschrauben was nur möglich ist, also Farbkasten, Farbteller etc.

    Einfach alles was abgeht runter.

    Dazu alles abfotografieren, dann sollte später das zusammenbauen kein Problem sein.

    Wichtig: falls benötigt, keinen Metallhammer nehmen, wenn, dann Holz und Gummi. Gusseisen ist recht spröde wenn falsch draufgehauen wird.

    Auch ist es sehr wahrscheinlich, dass die Schrauben noch das alte Zollgewinde haben, also auf alle Fälle einen verstellbaren Schlüssel dabei haben.

    Solltest du aber das Schwungrad abkriegen kannst du den Tiegel auch in der Mitte teilen, dann reicht eigentlich auch eine stabile Sackkarre um die beiden Hälften zu transportieren.

    Schade dass du noch keine weiteren Fotos hast. Ich habe schon mehrere so ähnlicher Tiegel auseinander- und wieder zusammengebaut, aber da es einfach so viele verschiedene gab, kann ich dir ohne Fotos der Rückseite nicht genau sagen, wie das Schwungrad abgeht.

  • Gut, dann also einen Gummihammer, den hab ich. Dann würd ich noch einen normalen mitnehmen, aber den nur mit Holz dazwischen verwenden. Wenn was bricht wärs sch**.

    Und danke für den Hinweis mit dem verstellbaren Schlüssel - da hätt ich jetzt nicht dran gedacht. Aber klar, 1890 gabs noch keine DIN Normen ;)

    Darauf verlassen, dass ich das geteilt kriege werd ich mich wahrscheinlich nicht und in Hamburg einen Hubwagen mieten. Vielleicht nehm ich einfach zusätzlich noch eine Sackkarre mit.


    Zumindest hab ich jetzt die Info, dass es Löcher in den Füßen gibt, mit denen man die Maschine auf die Palette schrauben kann.


    Wie ist denn so ein Schwungrad normalerweise gesichert? Mit Stiften/Schrauben?

    Leider gibt es tatsächlich kein Foto von hinten.


    Und für die Einzelteile am besten eine große Box mit Decken einplanen, oder?

  • Vor allem nimm dir jemand mit, der irgendwie mechanische Erfahrungen hat. Was die Jungs dir hier Mal so eben als Tip geben, ist nicht Mal eben gemacht. Wenn das Schwungrad da die letzten 50 Jahre drauf sitzt, seit dem letzten Umzug kann es schon Tricky werden, da irgendwelche Splinte und Passstifte auszutreiben. Ich weiß ja nicht wie es um deine mechanischen Fähigkeiten steht, aber ich als ex instruktor, würde nicht Mal auf die Idee kommen, das ohne einen Mechaniker zu machen, der schon Mal an grafischen Maschinen geschraubt hat. Vor allem wenn du später damit arbeiten willst, muß das ja auch wieder zusammen und passen. Mal eben den Farbkasten abgebaut, da läuft die später die ganze Suppe raus, wenn er nicht wieder korrekt eingebaut wird.

  • Den Farbkasten kann man an einem Stück zusammen mit der Halterung vom Farbteller abschrauben, da muss man nicht weiter kleinteilig werden. Entweder sitzt der Farbteller so in der Halterung oder auf der Rückseite der Achse ist eine Schraube, dann kann man den rausheben. Dann kann man den Rest gut abschrauben.

    Beim Schwungrad sieht man leider nicht, wie es an der Achse befestigt ist. Wenn du Glück hast, ist es nur eine Schraube die ein Stück in die Achse reingeht, oder die Achse selbst ist irgendwo geteilt, so dass du das Schwungrad zusammen mit dem Teil rausziehen kannst.

    Zum Glück sind meiner Erfahrung nach diese Maschinen relativ simpel aufgebaut, gut abfotografieren, bei Zahnrädern vorher markieren wo welche Zähne sitzen, dann ist das zusammenbauen kein Problem.

  • Ich warne ebenfalls, ohne mechanische Kenntnisse irgendwelche relevanten Teile zu demontieren. So schwer und so breit ist die Maschine nicht. Wenn die Maschine durch die Türe geht, eventuell durch "einfädeln", kann man sich das Demontieren sparen.


    Die Türe auf den Fotos ist aus Kunststoff, wenn dies die Eingangstüre ist, ist es bestimmt nicht die Türe, durch welche vor fünfzig Jahren die Maschine eingebracht wurde. Als Hindernis sehe ich bei dieser Türe eine ziemlich hohe Schwelle.


    Ich würde versuchen, die Maschine auf vier lenkbare Schwerlastrollen zu stellen. Löcher zum Festschrauben sind in den Füssen ja vorhanden. Anschliessend stabile Rampen bauen und versuchen, durch geschicktes "Einfädeln" die Maschine durch die Türe zu schieben. Misslingt dies, kann mit dem Abbauen von Teilen immer noch begonnen werden.


    Dass man mit dem Sprinter vorfährt, die Maschine einlädt und abfährt, funktioniert kaum. Transportorganisation vom Bildschirm aus, das wird im Desaster enden. Mir scheint unerlässlich, dass man die örtlichen und maschinellen Gegebenheiten erkunden geht und anschliessend das Material und die Leute zusammenstellt, welches und welche es für den Verlad braucht. Unter Umständen kann vielleicht der Türrahmen ausgebaut werden, das muss aber von einem Schreiner gemacht werden. Und ohne mechanische Vorkenntnisse ist ein Schlosser mit umfangreichem Werkzeug unerlässlich.


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    Ein gut gemeintes Wort von mir für deine Zukunft, Melissa, als Buchdruckerin: Als Buchdruckerin reicht es nicht, das alte Handwerk zu beherrschen. Als Buchdruckerin musst du eine Allrounderin sein, die vom Farbmischen bis hin zur Maschinenreparatur alles kann. Sich auf fachkundige Hände verlassen, funktioniert für dieses altehrwürdige Handwerk immer seltener und Problemlösung auf dem Bürostuhl überhaupt nicht. Buchdruck ist eine Kunst und Kunst kommt von Können.

  • Hallo zusammen - um das Ganze abzuschließen: Ich hab nichts mehr vom Verkäufer gehört. Mehrere Anruf auf dem AB, SMS und Mails wurden nicht beantwortet. Ist zwar eine Frechheit, aber damit hat sich das Problem von selbst erledigt.

    Danke trotzdem für eure Hilfe - irgendwann wird es einen Trettiegel geben und dann kann ich eure Tipps zum Transport auf jeden Fall wieder brauchen!