Beiträge von Cyberfisch

    Hallo Christin

    Was du da hast, ist von der Bauart ein Boston-Tiegel. Das ist das gleiche Druckprinzip wie beispielsweise beim Heidelberger OHT.

    Zum Justieren des gleichmässigen Drucks dienen die fünf grossen Schrauben vorne beim geschlossenen Tiegel.

    Aaaaaaber...

    So krass, wie der Tiegel nicht parallel schliesst, wird es wahrscheinlich kein Justierproblem sein. Oder der Vorbesitzer hat mal ohne jeden Anflug von Druckerwissen tüchtig an den Schrauben rumgedreht.

    Ich vermute jedoch, es ist ein Bedienfehler von dir. Ein Designer-Druckerschurz macht halt noch keine Druckerin aus dir.

    Für mich sieht es auf dem einen Foto so aus, dass der Tiegel nicht vollständig schliesst. Vielleicht ist die Druckform zu hoch, vielleicht der Aufzug zu dick, vielleicht das Papier zu voluminös, vielleicht das Druckbild zu "schwer". ("Schwer" bedeutet, dass du zu wenig Druckkraft aufbringen kannst, um den Tiegel überhaupt vollständig zu schliessen.)

    Und dann darfst du auch nicht vergessen, dass diese kleinen Tiegel die "Kopiermaschinen" des 19. Jahrhunderts waren. Dass man 150 Jahre später auf diesen Maschinen hochwertige Drucke herstellen oder sogar Prägungen machen will, ist etwa so, wie wenn man auf einem Schifferklavier Beethovens 5. Sinfonie aufführen möchte.

    Ich empfehle dir vor weiteren Druckversuchen den Besuch eines Typo-Kurses, welche landauf, landab in Museumsdruckereien angeboten werden.

    Alle hier vorgestellten Lösungen sind teurer als ein günstiger gebrauchter A3-Zylinder. Wenn es wirklich um sehr kleine Auflagen geht, gäbe es Flachbettplotter mit Rillfunktion ohne Anleger.

    Abgesehen von den vielleicht etwas geringeren Anschaffungskosten ist das Stanzen mit OHZ und OHT der geringen Stundenleistung wegen am kostenintensivsten. Kommt dazu, dass es immer schwieriger wird, Personal zu finden, welches mit OHZ und OHT arbeiten will. Drucker-Generation "Knöpfchen drücken" will keine Hebel mehr hin- und herreissen. (Ist nicht abschätzig gemeint.)

    Am teuersten ist die Anschaffung eines Flachbettfräsers.

    In der Art der vorgestellten Morgana Colorcut gibt es auch Stanzmaschinen, die rotativ das Material stanzen, nuten und ausbrechen. Das Stanzwerkzeug sind auf Mass gefertigte Rundformmäntel, welche ähnlich einer Offsetplatte auf den Zylinder aufgespannt werden.

    Kann man mit dieser Maschine nur Offsetplatten andrucken, oder ist das Druckbett in der Höhe verstellbar, um damit zum Beispiel mit Bleisatz oder Holz- Linolschnitten zu drucken?
    In dem Fall könntest du die Anzeige auch bei Facebook auf der Freunde der schwarzen Kunst posten.

    Nette Idee, die Maschine in eine Letterpress-Maschine umzubauen. Wird aber schon deswegen nicht funktionieren, weil der Druck bei der Offset(!)-Andruckpresse über das Gummituch erfolgt. Beim Umbau auf Buchdruck müsste die Druckform also seitenrichtig sein. Damit wäre schon einmal das komplette Blei vom Druck dispendiert.

    Schon eher kann die Maschine für den Druck von Hand-Lithografien verwendet werden. Der Unterschied zu Stein-Lithografien wäre auch, dass nicht direkt vom "Stein" gedruckt wird, sondern indirekt übers Gummituch.

    Technisch müsste für Hand-Lithografien an der Maschine nichts geändert werden. Mit Fettstift kann auch jede entwickelte Offsetplatte von Hand bebildert werden. Fürs Drucken wirds jedoch mehr als ein Gautschbrief brauchen: Ganz viel Erfahrung und noch mehr Können!

    Hallo jleibnitz

    Eine bedeutende grafische Maschine des ausgehenden 2. Jahrtausends , welche du vorstellst. Für die jungen Drucker hier im Forum: Mit diesen Maschinen wurden vierfarbige Andrucke von Film-Fotolithos angedruckt, damit diese dem Kunden als Gut zum Druck vorgelegt und später beim Druck als Referenz dienen konnten. Noch Mitte 80er Jahre wurden solche Maschinen gebaut, letztmals habe ich neue automatisierte Andruckmaschinen auf der Imprinta in Düsseldorf gesehen. Spätestens ab anfangs 90er Jahre wurden Andrucke, so sie noch gebraucht wurden, nicht mehr drucktechnisch hergestellt, sondern mit Sublimationsverfahren generiert.

    Für grafische Betriebe hat deine Andruckmaschine jede Anwendung verloren. Vielleicht findet sich irgendwo ein Künstler, welcher mit der Maschine "experimentelle" Druck herstellen will. Aber man darf nicht vergessen, dass das Andrucken das eine ist, das andere ist, dass die Druckformherstellung, um überhaupt mit der Maschine zu drucken, zunehmend kompliziert und teuer wird. Filme und konventionelle Druckplatten werden zunehmend schwierig in der Beschaffung, von den passenden Belichtern ganz zu schweigen.

    Ich sehe für die Zukunft der Maschine nur zwei Varianten:

    Du wartest, bis ein Begeisterter die Maschine übernimmt, diese abbaut, transportiert, wiederaufbaut und überholt. Wahrscheinlich findest du sogar jemanden, der dir spontan noch 500 Euro bezahlen will unter der Bedingung, dass du noch zuwartest, weil er gerade keine Zeit für den Abtransport hat. Dann wartest du erstmals zehn Jahre...

    Die andere Variante, die realistische, du übergibst die Maschine der Vergänglichkeit und erinnerst dich in allen Ehren daran, dass dein Vater als Fotolithograf/Andrucker seinen Lebensunterhalt damit verdient hat.

    Lange hat das Geschäftsmodell eigentlich aller Offsetmaschinenhersteller sehr gut funktioniert, immer leistungsfähigere Maschinen auf den Markt zu bringen: Immer breiter, immer länger, immer automatisierter war die Losung. Wer als Druckerei wettbewerbsfähig bleiben wollte, musste auf diesen Zug aufspringen, um mit erodierenden Erträgen auf dem Markt bestehen zu können.

    Dieses Geschäftsmodell ist heute jedoch endgültig zum Seitern verurteilt. Im kleinen Format kommen mehr und mehr smarte Drucklösungen auf den Markt, welche keine Anschaffung von Tonnen von Stahl benötigen. Im grossen Format sind es die fallenden Auflagen beziehungsweise, dass vieles gar nicht mehr gedruckt wird. Die Nachfrage nach neuen grossen, langen Maschinen ist überschaubar geworden, zumal die versprochenen Einspareffekte mit neuen Maschinengenerationen in der Praxis oftmals nicht erzielt werden.

    Wie bei Brandeilig, da naht auch bei mir der Tag mit grossen Schritten, an dem ich den Farbspachtel endgültig beiseite legen werde. Und weil ich mein gesamtes Berufsleben in der Druckerei zugebracht habe, kenne ich noch die hohe Druckerzeit in den 80er Jahres des vorigen Jahrhunderts. Ich erinnere mich an einen Betrieb, da standen neben vielen anderen Druckmaschinen 8 OHZ, welche im Batterieverbund 4-farbige Drucke produzierten. Zwanzig Jahre später waren dort noch 4 Offsetmaschinen, 2 kleinformatige und 2 grossformatige, total 11 Druckwerke und zehn Jahre später noch 2 Maschinen mit total 12 Druckwerken. Heute steht dort kein Druckwerk mehr.

    Und genau das ist das Dilemma aller Druckmaschinenhersteller. Die zu gross gewordene Leistungsfähigkeit ihrer Maschinen frisst nicht mehr nur die Druckereien auf.

    Brauchst du vielleicht noch Schließzeug und Regletten?

    Ich denke, nicht das fehlende Material ist das Problem, sondern das fehlende Druckerwissen.

    "Schwarze Finger" ist zu empfehlen, in einer der Museumsdruckereien einen Typokurs zu belegen. Ein Metallbauer/Schweisser hat nun mal einen anderen beruflichen Horizont als ein Drucker und das ist nur mit Ausbildung zu kompensieren. Wenn ich eine Schweissanlage kaufe, bin ich ohne Ausbildung auch kein Schweisser, im besten Fall ein Brater, welchem seine Bratnähte um die Ohren fliegen.

    PS: So wie ich das sehe, hat "Schwarze Finger" mit der flugfähigen Form eine Weihnachtskarte gequetscht. Offenbar hat die Form gehalten.

    Von damals, als die europäischen Farbhersteller ihre Farben fürs Pantone-Farbsystem lizenzieren mussten, weiss ich von meinem Farblieferanten, dass dieser seine Farbrezepturen verschlechtern musste, damit diese den Pantone-Vorgaben entsprachen.

    Drum ist schon möglich, dass Rastapunkt beim Mischen mit den alten (Pantone)-Farben auf andere Ergebnisse kommt, als im Farbfächer vorgegeben.

    Ääääh, moment mal, das ist doch auch mit neuen Farben der Fall...

    @ Karsten:

    Wer... was... wo... will jemand die Kirche ums Dorf tragen...? GasettaR. fragt hier nicht nach einer Gummirolle, sondern nach einer Druckmaschine.

    @ Smuek:

    Das ist längst Vergangenheit, dass Digitaldrucke einen Speckglanz aufweisen. Tonerbasierte Digitaldrucke glänzen heute nicht wesentlich mehr als Offsetfarben auf entsprechenden Papieren. Und auch Buchdruck, dick und fett mit der Linolplatte gedruckt, wird seine glänzende Seite zum Vorschein bringen. Eigentlich meine ich, dass für den Fachmann das Fehlen des Buchdruckreliefs das auffälligste Kriterium zum Unterscheiden von Buchdruck zu Flachdruck sei.

    ...und soll man dem Fragesteller wirklich raten, die zu schmale Türe rauszustemmen, um mit einigen hundert Kilogramm Metall aufwändigst einen zu grossen Linolschnitt zu drucken, wenn es heute smarte Lösungen gibt, welche ohne Investitionen sehr gute Resultate liefert?

    Ich staune, mit welchen Ambitionen hier im Forum Fragen von Anfängern zum Drucken gestellt werden. In einem anderen Thread will der Fragesteller mit einem Löffel ein anspruchsvolles Klischee drucken und hier sieht der Fragesteller das Hauptproblem, seinen grossformatigen Linolschnitt zu drucken, in einer 1 Meter breiten Türe.

    Mit einer einfachen Stockpresse oder einer anderen Presse, auch Tiegeldruckpresse, welche ganzflächig druckt, wird der Linoldruck nicht gelingen. Entweder wird zu wenig Druck (mehrere Tonnen) aufs Druckbild übertragbar sein oder wenn doch, muss eine entsprechende Zurichtung gemacht werden: Ränder und feine Bildstellen müssen vom Druck entlastet werden, Flächen brauchen mehr Druck. Nur dass es geschrieben ist: Das ist grundlegende Druckphysik und nicht Pingeligkeit eines beleidigten Druckers.

    Für den Linolschnitt wäre eine Abzugspresse ideal mit abrollendem Druckvorgang. Je nach Sujet kann hier sogar auf eine Zurichtung gänzlich verzichtet werden. Aber wie Monstermonster schreibt, die paar hundert Kilo Gusseisen bringt man nicht durch eine 1 Meter breite Türe.

    Wie würde ich als Laie und ohne grosse Druckausrüstung den Linolschnitt drucken?

    Zuerst würde ich ein Papierformat wählen, welches auf einem üblichen Laserdrucker bedruckbar ist. Den Linolschnitt würde ich mit einer Kontrastfarbe einfärben und nach dem Trocknen scannen, eventuell in zwei Teilen. Anschliessend die Daten im Photoshop bearbeiten und auf dem Laser drucken. Bei entsprechender Virtuosität mit Photoshop muss schon ein Druckprofi genau hinschauen, ob der Linolschnitt nun rustikal im Buchdruck gedruckt ist oder eben sachfremd auf dem Laser.

    Hei, Tech-Nick, es ist dir schon bewusst, dass du hier in einem Druckprofi-Forum schreibst und nicht in Jean Pütz' Hobbytheke? Du wirst darum eher keine Antwort erhalten, wie mit einem "Löffel" (?) gedruckt wird.

    Noch einmal mein wirklich gut gemeinter Rat, keinen Druckversuch mit dem Klischee zu versuchen. Es wird dir schon nicht gelingen, die Farbe so aufs Klischee aufzutragen, dass nur die erhabenen Stellen eingefärbt sind. Bestenfalls wird dir ohne mindestens semiprofessionelle Druckausrüstung gelingen, ein unleserliches Gepflatsche aufs Papier zu bringen.

    Hallo Tech-Nick

    Was du da hast, ist eine Autotypie aus Buchdruck-Zeiten. Material Zink oder Magnesium mit Fotopolymerbeschichtung. Der materielle Wert dieses Klischees ist null, ebenso der historische Wert. Welchen ideellen Wert du diesem Relikt zuordnest, kann ich nicht abschätzen.

    Auch nur einigermassen ansehnliche Handabdrucke werden ohne entsprechende Farbe, Farbrolle und Presse nicht möglich sein.

    Mir scheint, das Zink oder Magnesium der Autotypie ist stellenweise oxydiert. Um den Verfall aufzuhalten, kannst du das Klischee allseitig dünn mit Vaseline einreiben.

    Das Sujet des Klischees ist ja nichts spezielles. Wahrscheinlich ist es die Illustration aus einem Werbeinserat. Wenn du mit Klischees experimentieren möchtest, Handabdrucke herzustellen, gibt es beispielsweise auf Ebay Klischee-Vignetten für wenig Geld zu kaufen, welche wesentlich ansehnlichere Sujets aufweisen.

    Aus- und Einbau sollte keine grosse Schwierigkeit sein, wenn man sich zutraut, die ganzen Podeste und Seitenwände selbst abzubauen.

    Den Riemen an unserer SM-52 wechseln mussten wir noch nie. Aber Oel ist vor Jahren auf den Riemen getropft, so dass der Riemen beim Maschinenstart durchgerutscht ist, was wiederum zur Folge hatte, dass die Maschine auf Störung ging und jeweils neu gestartet werden musste. Die Steuerung misst die Gradzahl zwischen Motor und Maschine, stimmt diese nicht überein, erscheint die Fehlermeldung "unerlaubte Maschinenbewegung" und die Maschine blockiert.

    Sehr wichtig ist darum, dass der Riemen nicht zu locker anliegt, aber auch nicht zu hart, was die Lager verschleissen kann. Der HD-Techniker hat damals mit einem Frequenzmessgerät die korrekte Riemenspannung eingestellt. Welche Frequenz des Riemens korrekt ist, weiss ich allerdings nicht.

    Cyberfisch hast du das gelesen? Er will nicht 2-3 Europaletten bei sich zu Hause, oder in der Nachbarschaft rum stehen haben. Über den Schüler Job könnte man ja vielleicht diskutieren, wobei ich nicht denke, dass das wirklich lohnend ist. Wenn da ein Buch pro Woche oder von mir aus auch 10 versendet werden. Er sucht einen Anbieter der das macht. Von der ganzen Finanzierung des Projektes war nie die Rede. War doch eigentlich eine einfache Frage.

    Schau, Karsten, bei uns im Grafischen gibt es immer eine technische Seite, um ein Problem zu lösen. Daneben gibt es aber auch die kaufmännische Seite, die bestimmt, wie ein Problem anzugehen ist. Bücher schreiben ist schon schwer genug, Bücher verkaufen aber noch schwieriger und von seinem Geschriebenen schlussendlich noch etwas im Portemonnaie zu spüren, ist schier unmöglich. Ich sehe es für mich als Ratgeber in einem öffentlichen Forum als Sorgfaltspflicht an, nicht gegen besseres Wissen einen Rat zu erteilen, sondern wenn nötig den technischen mit dem kaufmännischen Wegzeig zu verbinden.

    Ob der Fragesteller aus meiner Antwort eine Essenz herausfiltern kann, ist das eine. Das andere ist, dass zum Beispiel ein Forumsgast aus meiner Antwort keine falschen Schlüsse zieht, sondern Argumente erhält, mit denen er beurteilen kann, ob er sich mit dem Veröffentlichen seines Buches im besten Fall auf ein illusorisches Abenteuer einlassen will.

    ...und wenn ich jetzt ZeroMakeRedys Rat mit dem Verlagsauslieferer mit deinem Beitrag hier verbinde, ist auch dieser Rat ohne genauere Kenntnis von Cousins Projekt nicht ohne Zweifel. Bei 1 bis 10 auszuliefernden Büchern pro Woche wird der Verlagsauslieferer nach 1 bis 2 Jahren die Auslieferung stoppen und die Bücher gegen Verrechnung des Aufwandes zurückgeben. Der Keller lässt grüssen...

    Tut mir leid, Fiete, wenn meine Ausführungen nicht zur eigenen Recherche weiterhelfen konnten. Ist aber auch schwer, eine konkrete Antwort auf eine Allerweltsfrage zu liefern, wenn auch die Antwort auf die Nachfrage wollig bleibt.

    Wenn ich Fiete wäre - Pardon: natürlich Fietes Cousin - und auf alle Dienstleistungen, welche ein Verlag erbringt, verzichten könnte, würde ich für den Druck erstmals bei der nächsten Druckerei in der Stadt anfragen. Und für den Versand würde ich den Büroservice in der Nachbarschaft engagieren oder für ein älteres Schulkind einen Mittwochnachmittag-Job einrichten.

    Ja, ich bin in meinem Beitrag von einem Debutautor ausgegangen, eigentlich gilt das Geschriebene aber auch für einen bereits erfahrenen Autoren.

    KDP ist auch ein "Dienstleistungsverlag", die Alternative dazu ist jeder andere Geschäftsverlag, welcher bereit ist das Buch ins Verkaufssortiment aufzunehmen. Ob KDP oder ein anderer Verlag, der Cousin erhält damit ein Rundumwohlfühlpaket von der Bestellungsannahme bis zum Versand und dem Inkasso des Buches. Speziell an einer Verlagslösung ist, dass das Buch mit der ISBN-Nummer auf der ganzen Welt gefunden und bestellt werden kann. Der Nachteil dieser Lösung, der Autor erhält für seine Schreibarbeit ein mehr als kümmerliches Salär. Reich werden die Verlage, die allermeisten Autoren verdienen gar kein Geld. Wenn's hochkommt, bekommt der Cousin für 1000 verkaufte Bücher vielleicht 2000 Euro netto und muss dafür das Buch eventuell vorfinanzieren und die Rechte an den Verlag abtreten.

    Also, ich möchte Fietes Cousin folgende Hinweise geben für seine Buchveröffentlichung.

    Als unbekannter Autor wird der Cousin bei einem traditionellen Verlag keine Chance haben, dass diese sein Manuskript annimmt und mit Lektorat, Satz, Druck, Verstand und vor allem auch mit der Buchbewerbung in Vorkasse geht. Wie heisst es stets so oder ähnlich auf den Homepages der Verlage, neue Autoren dürfen gerne Ihre Exposees zur Prüfung einsenden, aber eigentlich sei es in den letzten hundert Jahren noch nie vorgekommen, dass ein Manuskript angenommen worden sei.

    Aber da gibt es ja noch die sogenannten "Dienstleistungsverlage" bzw. "Zuschussverlage". Bei diesen Verlagen wird es kein Problem sein, dass das Manuskript des Cousins als nicht veröffentlichungswürdig abgelehnt wird. Mit dem Abschliessen eines Rundumpakets dieser Verlage, vom Lektorat bis hin zum Versand der verkauften Bücher, hat der Autor keine Sorgen mehr. Er hat nur noch auf den Eingang seiner Tantiemen zu warten...

    Nun, das Warten dürfte etwas länger dauern.

    Wie der Name "Zuschussverlag" bereits besagt, ist das Rundumpaket nicht gratis und muss vom Autor vorfinanziert werden. Nicht nur böse Zungen sagen, dass diese Verlage nämlich nicht das Geschäft mit verkauften Büchern machen, sondern mit den Autoren. Ich weiss von einem Fall aus meiner beratungsresistenten Verwandtschaft, welche damals über 20'000 Euro bei einem solchen Verlag für die Veröffentlichung eines illustrierten Jugendromans bezahlt hat.

    An Tantiemen aus dem Verkauf ist nicht null Euro zurückgekommen, sondern null Komma nix. Ein "Zuschussverlag" macht zwar Werbung für seine Bücher auf seiner Homepage, für den Verkaufserfolg ist aber die Bewerbung des Buches mit Rezensionen, Medienartikeln usw. zwingend. Ein seriöser "Zuschussverlag" wird zwar Rezensionsbuchexemplare an die Medienredaktionen versenden, aber wie hat mir doch mal eine Kulturredakteurin eines grossen Medienhauses beschieden, dass Zusendungen von "Zuschussverlagen" unbesehen ins Altpapier gehen.

    Und jetzt, was ist Fietes Cousin zu raten, ohne dass er sich auf ein finanzielles Abenteuer einlässt und sein Buch doch veröffentlicht kriegt?

    Manchmal sind es kleine lokale Verlage, welche Manuskripte von unbekannten Autoren annehmen und diese auf lokaler Ebene verkaufen. Zum Beispiel "Ortsgeschichte" ist ein gern angenommenes Thema für solch einen Verlag. Ob Cousins Ratgeber jedoch von einem solchen Verlag veröffentlicht würde, kann ich nicht beurteilen.

    Für den Anfang empfehle ich Fietes Cousin, mal eine kleine Auflage des Buches selbst mit "Books on demand" herstellen zu lassen. 10 bis 50 Expl. kosten nicht alle Welt. Selbst beworben zum Beispiel in einem Blogg wird dies auch mit grosser Wahrscheinlichkeit die Auflage sein, welche realistischerweise verkaufbar ist.

    Aber träumen darf der Cousin allemal, der Herr Rowling der Ratgeber-Bücher zu werden.