Beiträge von Cyberfisch

    Cyberfisch hast du das gelesen? Er will nicht 2-3 Europaletten bei sich zu Hause, oder in der Nachbarschaft rum stehen haben. Über den Schüler Job könnte man ja vielleicht diskutieren, wobei ich nicht denke, dass das wirklich lohnend ist. Wenn da ein Buch pro Woche oder von mir aus auch 10 versendet werden. Er sucht einen Anbieter der das macht. Von der ganzen Finanzierung des Projektes war nie die Rede. War doch eigentlich eine einfache Frage.

    Schau, Karsten, bei uns im Grafischen gibt es immer eine technische Seite, um ein Problem zu lösen. Daneben gibt es aber auch die kaufmännische Seite, die bestimmt, wie ein Problem anzugehen ist. Bücher schreiben ist schon schwer genug, Bücher verkaufen aber noch schwieriger und von seinem Geschriebenen schlussendlich noch etwas im Portemonnaie zu spüren, ist schier unmöglich. Ich sehe es für mich als Ratgeber in einem öffentlichen Forum als Sorgfaltspflicht an, nicht gegen besseres Wissen einen Rat zu erteilen, sondern wenn nötig den technischen mit dem kaufmännischen Wegzeig zu verbinden.

    Ob der Fragesteller aus meiner Antwort eine Essenz herausfiltern kann, ist das eine. Das andere ist, dass zum Beispiel ein Forumsgast aus meiner Antwort keine falschen Schlüsse zieht, sondern Argumente erhält, mit denen er beurteilen kann, ob er sich mit dem Veröffentlichen seines Buches im besten Fall auf ein illusorisches Abenteuer einlassen will.

    ...und wenn ich jetzt ZeroMakeRedys Rat mit dem Verlagsauslieferer mit deinem Beitrag hier verbinde, ist auch dieser Rat ohne genauere Kenntnis von Cousins Projekt nicht ohne Zweifel. Bei 1 bis 10 auszuliefernden Büchern pro Woche wird der Verlagsauslieferer nach 1 bis 2 Jahren die Auslieferung stoppen und die Bücher gegen Verrechnung des Aufwandes zurückgeben. Der Keller lässt grüssen...

    Tut mir leid, Fiete, wenn meine Ausführungen nicht zur eigenen Recherche weiterhelfen konnten. Ist aber auch schwer, eine konkrete Antwort auf eine Allerweltsfrage zu liefern, wenn auch die Antwort auf die Nachfrage wollig bleibt.

    Wenn ich Fiete wäre - Pardon: natürlich Fietes Cousin - und auf alle Dienstleistungen, welche ein Verlag erbringt, verzichten könnte, würde ich für den Druck erstmals bei der nächsten Druckerei in der Stadt anfragen. Und für den Versand würde ich den Büroservice in der Nachbarschaft engagieren oder für ein älteres Schulkind einen Mittwochnachmittag-Job einrichten.

    Ja, ich bin in meinem Beitrag von einem Debutautor ausgegangen, eigentlich gilt das Geschriebene aber auch für einen bereits erfahrenen Autoren.

    KDP ist auch ein "Dienstleistungsverlag", die Alternative dazu ist jeder andere Geschäftsverlag, welcher bereit ist das Buch ins Verkaufssortiment aufzunehmen. Ob KDP oder ein anderer Verlag, der Cousin erhält damit ein Rundumwohlfühlpaket von der Bestellungsannahme bis zum Versand und dem Inkasso des Buches. Speziell an einer Verlagslösung ist, dass das Buch mit der ISBN-Nummer auf der ganzen Welt gefunden und bestellt werden kann. Der Nachteil dieser Lösung, der Autor erhält für seine Schreibarbeit ein mehr als kümmerliches Salär. Reich werden die Verlage, die allermeisten Autoren verdienen gar kein Geld. Wenn's hochkommt, bekommt der Cousin für 1000 verkaufte Bücher vielleicht 2000 Euro netto und muss dafür das Buch eventuell vorfinanzieren und die Rechte an den Verlag abtreten.

    Also, ich möchte Fietes Cousin folgende Hinweise geben für seine Buchveröffentlichung.

    Als unbekannter Autor wird der Cousin bei einem traditionellen Verlag keine Chance haben, dass diese sein Manuskript annimmt und mit Lektorat, Satz, Druck, Verstand und vor allem auch mit der Buchbewerbung in Vorkasse geht. Wie heisst es stets so oder ähnlich auf den Homepages der Verlage, neue Autoren dürfen gerne Ihre Exposees zur Prüfung einsenden, aber eigentlich sei es in den letzten hundert Jahren noch nie vorgekommen, dass ein Manuskript angenommen worden sei.

    Aber da gibt es ja noch die sogenannten "Dienstleistungsverlage" bzw. "Zuschussverlage". Bei diesen Verlagen wird es kein Problem sein, dass das Manuskript des Cousins als nicht veröffentlichungswürdig abgelehnt wird. Mit dem Abschliessen eines Rundumpakets dieser Verlage, vom Lektorat bis hin zum Versand der verkauften Bücher, hat der Autor keine Sorgen mehr. Er hat nur noch auf den Eingang seiner Tantiemen zu warten...

    Nun, das Warten dürfte etwas länger dauern.

    Wie der Name "Zuschussverlag" bereits besagt, ist das Rundumpaket nicht gratis und muss vom Autor vorfinanziert werden. Nicht nur böse Zungen sagen, dass diese Verlage nämlich nicht das Geschäft mit verkauften Büchern machen, sondern mit den Autoren. Ich weiss von einem Fall aus meiner beratungsresistenten Verwandtschaft, welche damals über 20'000 Euro bei einem solchen Verlag für die Veröffentlichung eines illustrierten Jugendromans bezahlt hat.

    An Tantiemen aus dem Verkauf ist nicht null Euro zurückgekommen, sondern null Komma nix. Ein "Zuschussverlag" macht zwar Werbung für seine Bücher auf seiner Homepage, für den Verkaufserfolg ist aber die Bewerbung des Buches mit Rezensionen, Medienartikeln usw. zwingend. Ein seriöser "Zuschussverlag" wird zwar Rezensionsbuchexemplare an die Medienredaktionen versenden, aber wie hat mir doch mal eine Kulturredakteurin eines grossen Medienhauses beschieden, dass Zusendungen von "Zuschussverlagen" unbesehen ins Altpapier gehen.

    Und jetzt, was ist Fietes Cousin zu raten, ohne dass er sich auf ein finanzielles Abenteuer einlässt und sein Buch doch veröffentlicht kriegt?

    Manchmal sind es kleine lokale Verlage, welche Manuskripte von unbekannten Autoren annehmen und diese auf lokaler Ebene verkaufen. Zum Beispiel "Ortsgeschichte" ist ein gern angenommenes Thema für solch einen Verlag. Ob Cousins Ratgeber jedoch von einem solchen Verlag veröffentlicht würde, kann ich nicht beurteilen.

    Für den Anfang empfehle ich Fietes Cousin, mal eine kleine Auflage des Buches selbst mit "Books on demand" herstellen zu lassen. 10 bis 50 Expl. kosten nicht alle Welt. Selbst beworben zum Beispiel in einem Blogg wird dies auch mit grosser Wahrscheinlichkeit die Auflage sein, welche realistischerweise verkaufbar ist.

    Aber träumen darf der Cousin allemal, der Herr Rowling der Ratgeber-Bücher zu werden.

    Um einen ernsthaften Rat geben zu können, ist folgendes wichtig zu wissen.

    Thema des Buches:
    Belletristik, Lyrik, Sachbuch, Fotoband, Zeitgeschehen usw.

    Vorfinanzierung:
    Soll der Hersteller die Buchproduktion vorfinanzieren oder übernimmt dies der Autor?

    Auflage:
    Wie hoch schätzt der Autor die verkaufbare Anzahl Bücher?

    So war es einmal in der "guten alten Zeit", dass die 1F-GTO einen Drucker und seine Familie ernährt hat.

    Meine Hochachtung dir, Derreen Print, dass dir dies weit übers GTO-Zeitalter bis zur Pensionierung gelungen ist. Geniesse deinen Unruhestand...

    Wie aber kriegt man die GTO zur Druckerei hinaus? Karstens Vorschlag mit dem Kranbau sehe ich etwas problematisch für jemanden ohne Verladeerfahrung. Wir wollen doch, dass Derreen Print seine Pension gesund antreten kann...

    GTO, Tiegel & Co. haben wir stets so aufs Palett gekriegt, dass wir eine Rampe gebaut haben: Zwei lange Schalungstafeln nebeneinander legen, mit Dachlatten abschnittweise unterstellen und alles gut untereinander und mit dem Palett verschrauben, damit beim Auflad nichts verrutschen kann. Anschliessend Maschine auf einer Seite mit einer Brechstange oder dem Wagenheber ankippen stabiles Wasserrohr drunter legen und die Maschine aufs Palett rollen. Zweites Rohr nachlegen, sobald die Maschine nicht mehr in der Waage gerollt werden kann. Mit leichtem Verkanten des nachgelegten Rohrs die Verladerichtung korrigieren. Maschine mit Seil oder Keilen vor dem Zurückrutschen sichern.

    Tipp bei GTO: Vor dem Verlad Oel aus den Seitenteilen ablassen, damit dieses nicht unkontrolliert austritt: Auf der Auslageseite die beiden Oelablassschrauben herausdrehen, Maschine mit dem Wagenheber auf die Auslageseite kippen und warten, bis das Oel herausgelaufen ist.

    Was ist denn das für ein vermurkster Tiegel? Nach der Anlage ist jetzt auch der Stapeltransport hinüber?

    Die Taststange auf dem Stapel ist über die verchromte Stange mit der Klinke verbunden, welche bei tiefem Stapel ins Ritzel des Stapeltransports einhängt und den Stapel um 1 Zahn nach oben transportiert. Ist der Stapel auf der korrekten Höhe, wird die Klinke über das Ritzel gehoben, der Stapel bleibt auf Höhe.

    Wenn der Stapel immer weiter über das Soll hinaus nach oben gedrückt wird, kann eigentlich nur sein, dass die Klinke immer ins Ritzel greift. An der verchromten Stange ist unten ein Gewinde, mit welchem die Klinke in der Höhe verstellt werden kann. Stange verkürzen oder verlängern bedeutet, die Klinke wird früher oder später übers Ritzel gehoben, der Stapel bleibt in einer tieferen oder höheren Position stehen.

    Aber eigentlich ist an dieser Stange nichts zu verstellen, ausser vielleicht zur Feinjustage der Stapelhöhe.

    Was der wirkliche Grund ist für den Fehler, kann ich nicht hellsehen. Wie dir, Rudolph, schon einmal geschrieben: Ja nicht zu viele das Problem schildernde Information, auf keinen Fall Fotos - und wenn schon Fotos, dann bitte die falschen. Und auf keinen Fall eine Rückmeldung geben, ob das Forum weiterhelfen konnte.

    Es wurde zwar auf 120 g Offsetpapier produziert. Aber dennoch wird es bei 5 Ex ganz sicherlich Digitaldruck gewesen sein. Alles andere wäre weder bei Online-Bestellung noch bei Bestellung in einer Druckerei vor Ort darstellbar.

    Da wir hier ein Druckprofi-Forum sind, habe ich gemeint, dass alle bemerkt haben, dass die Sammelform-Begründung nicht stichhaltig sein kann. Wie soll das auch gehen, Klein- und Grossauflagen, unterschiedliche Seitenumfänge und verschiedene Papiersorten vernünftig in Sammelformen zu packen?

    "Books on demand" mit rein schwarzweissem Textinhalt werden zunehmend im Inkjet gedruckt. Für farbige Fotobücher hat sich die Indigo mit Flüssigtoner als ideal erwiesen und Books-on-demand-Bücher mit gemischtem Inhalt kenne ich so, dass diese auf Rollenmaschinen mit Trockentoner gedruckt werden.

    Auf Skippers Fotos ist zu erkennen, dass seine Bücher einen gemischten Inhalt aufweisen. Mich würde nicht überraschen, wenn seine Bücher auf einer Xeikon-Rollenmaschine gedruckt wurden. Das würde auch die leichte Welligkeit der Buchseiten erklären. Das würde aber auch erklären, warum der Onliner meint, er könne die Laufrichtung des Papiers nicht wechseln. Bis eine neue Rolle auf der Xeikon geladen ist, gerade läuft, der Verzug kompensiert und die Maschine aufs neue Papier kalibriert ist, wird seine Zeit brauchen. In dieser Zeit steht auch die gesamte Produktionslinie still. "Books on demand" funktioniert so, dass "just in Time" Inhalt und Umschlag parallel gefertigt und zusammengeführt werden. Da wird nix auf Halde oder in einen Puffer produziert.

    Ich durfte vor einiger Zeit eine Fotobuch-Produktion (mit Indigo) besichtigen. Mit "Buchbinder Wanninger" hat das nichts zu tun, das ist reine Logistik, Logistik und noch einmal Logistik.... Faszinierend!

    Mit fachlich richtigem Handwerk hat eine Book-on-demand-Produktion nichts gemeinsam. Dafür sind die 5 Bücher aber auch sehr kostengünstig und mit einem sehr guten Preis-Leistung-Verhältnis versehen. Buchbinder Wanninger hatte für die Herstellung einen Tag gebraucht, ob er heute eine Rechnung von nur eine paar Euro fufzig den Büchern hätte beilegen wollen, ist auszuschliessen.

    Skipper befremdet mich schon ein bisschen, wenn er meint, das in meinem ersten Thread erwähnte Dreiecksverhältnis von Qualität, Termin und Preis umgehen zu können. Seine Erwartung nach "richtigem Handwerk" ist etwa so, wenn ich im McDonalds einen Tischkellner erwarten würde.

    Zudem macht man sich als erfahrener Drucker so langsam Sorgen um sein Gewerbe, wenn offensichtlich falsch produziert wurde und dann gesagt wird „sieht doch nicht schlecht aus“ oder „was willst Du schon erwarten“.

    Nicht aufregen, Skipper, ich habe geschrieben, dass das Buch auf dem Foto nicht schlecht aussieht. Auch wenn man hier im Forum bisweilen hellseherische Fähigkeiten einsetzen muss, Telekinese ist noch keine Fähigkeit von mir, auf Distanz das Handling deines Buchs zu beurteilen.

    Noch ein weiterer betriebswirtschaftlicher Grundsatz, auch wenn du diesen auch nicht lesen willst:

    Wer nicht zufrieden ist mit einem Anbieter, sucht einen besseren. Du hast zwar Geld bezahlt für die Vorserie, dass diese nicht brauchbar ist, ist zwar nicht gut, der finanzielle Schaden wird sich jedoch in engen Grenzen halten.

    Lehrgeld bezahlen tut weh, wie ich auch aus eigener Erfahrung weiss, aber eigentlich ist dieses Geld nicht verloren, sondern das beste Investment im Leben.

    Betriebswirtschaftlich gilt für jede Produktion, dass diese stets im Dreieck von drei Kriterien bewertet werden muss:

    - Preis (billig bis teuer)

    - Termin (schnell bis irgendwann)

    - Qualität (schlecht bis luxus)

    Das Vertrackte an dieser Dreiecksbewertung ist, dass immer nur zwei Kriterien hervorragend sein können.

    Beispiel: Ist die Qualität hervorragend und der Termin schnell, kann der Preis unmöglich billig sein. Oder: Ist die Qualität hervorragend und der Preis billig, kann unmöglich der Termin schnell sein.

    So gesehen, Skipper, hast du die Leistung erhalten, welche wahrscheinlich billigen Preis und schnelle Lieferung beinhaltet. An der Qualität musst du darum Abstriche machen, auch wenn mich dünkt, sooooo schlecht sieht das Buch auf den Fotos nicht aus.

    Nach vielen Arbeitsjahren im Rotlicht- und Grünlicht-Milieu war ich froh, als die ganzen Entwickler- und Fixierpools in der Druckvorstufe überflüssig wurden. Die logische Konsequenz, dass auch die letzten Entwicklerbäder, diejenigen für die Plattenherstellung, aus der Druckerei verbannt wurden. Der Kreis hat sich geschlossen, jetzt arbeiten wir wieder trocken, wie damals in Buchdruckzeiten.

    Natürlich sind die prozesslosen Druckplatten noch nicht perfekt. Bis zur Perfektion wird es noch viele Forschungs- und Entwicklungsjahre brauchen, genau wie bei den konventionellen Druckplatten auch, welche über Jahrzehnte zur heutigen Qualität geworden sind. Oder das Beispiel der grafischen Filme und deren Chemie. Beides war eigentlich erst zu dem Zeitpunkt perfekt, als CfF von CtP abgelöst wurde.

    In den fünf Jahren, in welchen wir prozesslose Druckplatten einsetzen, haben wir bereits vier Plattengenerationen durchlebt. Gedruckt haben alle Platten stets einwandfrei, jedoch das Entschichten war nicht immer problemlos. Das Aufrufen von himmlischen Heerscharen, abgewechselt mit dem Aufzählen von Exkrementen, war dann unausweichlich. Mit den Kodak-Platten sind wir heute sehr zufrieden, wenn diese weiter besser werden, wäre das Glück kaum mehr auszuhalten...

    Keine Ahnung, warum der Komori-Vertreter einen Washer zum Entwickeln von prozesslosen Platten empfiehlt. Wie Karsten bereits schreibt, das Feuchtwasser bleibt von der abgelösten Plattenschicht unverändert, Ablagerungen sind nicht zu finden.

    Das Ablösen funktioniert so, dass die Schicht beim Vorfeuchten angelöst wird und die Farbwalzen anschliessend die Schicht von der Platte abheben. Bei den ersten Abzügen geht die abgelöste Schicht auf die Makulatur. Ideal, wenn das Papier Maschinenformat hat und die Druckform flächig ist, aber es funktioniert auch beispielsweise bei einer A3-Maschine, auf welcher C5-Kuverts eingerichtet sind mit nur einem Druckbild von praktisch null. Auch da sind keine Ablagerungen zu finden, auch wenn das kleine Kuvertformat nicht viel Schicht abtransportieren kann.

    Maik, nach den beiden eher Negativberichten in diesem Thread würde mich sehr interessieren, welche denn deine Erfahrungen mit wasserlosem Offset sind. Nach meiner heutigen Google-Recherche funktioniert das wohl mit den Toray-Platten gut, zumindest in Nischenmärkten und in Avantgard-Betrieben.

    Wenn aber alles so super ist wie von dir in Beitrag Nr. 15 dargelegt, frage ich mich ernsthaft, ob denn die Druckereichefs allesamt blöd sind, wenn sie am Wunder dieses modernen Druckens nicht teilhaben wollen.

    Wasserlos habe ich bis jetzt nur als Nischenprodukt gekannt, beispielsweise beim Anilox-Offset oder bei den DI-Maschinen. Dass diese Maschinen jedoch wahre Wunder vollbringen, wäre mir neu.

    Meine persönliche Erfahrung mit den wasserlosen Toray-Druckplatten geht zurück auf die letzten Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts. Wir setzten diese Platten damals ausschliesslich für Copyshop-Druckaufträge ein. "Normale" Druckaufträge liefen bei uns über OHT und OHZ.

    Damals waren plüschbezogene Feuchtwerke Standard, morgens bei Arbeitsbeginn oder auch bei schwierigen Druckformen konnte es schon mal dauern, bis der Drucker in die Farbe gefunden hatte. Da schien der wasserlose Offset wie ein Geschenk Gottes zu sein, sich mit den ungeliebten Plüschwalzen nicht mehr rumschlagen zu müssen: keine Wassernasen mehr, kein Emulgieren, kein Tropfen und Schmieren.

    Mit den Toray-Druckplatten klappte es damals auch ganz gut, vorausgesetzt, man wollte damit keine grösseren Auflagen drucken. Die alltäglichen Copyshop-Auflagen waren aber in der Regel klein, tonen wegen sich erwärmendem Druckwerk eigentlich kein Problem.

    Das Problem mit den Toray-Platten war stets die Erwärmung des Druckwerks. Mit beginnendem Warmwerden der Walzen war das Grundtonen der Platte unvermeidbar. Platte putzen half nichts, im Gegenteil, die Silikon-Beschichtung der Platte war so empfindlich, dass Putzen unvermeidbar zu Kratzern führte.

    Ich nehme an, die Toray-Platten von damals sind nicht mehr mit den heutigen weiterentwickelten Toray-Platten zu vergleichen. Die Feuchtwerke von damals sind jedoch auch weiterentwickelt worden. Was damals ein Wasserschwall war, ist heute zu einem feinen Film geworden. Ich sehe den Vorteil des wasserlosen Druckens von damals heute überhaupt nicht mehr. Ohne Wasser wird zwar eine Einflussgrösse beim Drucken eliminiert, dafür muss jedoch die Einflussgrösse der Toray-Platte in Kauf genommen werden.

    Ob die Berechenbarkeit der Toray-Platten heute mit Farb- und Druckwerktemperierung gegeben ist, bezweifle ich.

    Wie die Toray-Platten heute belichtet und entwickelt werden, weiss ich nicht. Jedoch wird das Handling der Platte kaum einfacher sein als bei den modernen prozesslosen Druckplatten. Von den Plattenkosten ganz zu schweigen.

    Es mag heute Anwendungen geben, wo der wasserlose Offset unerlässlich ist. Für den normalen Offsetalltag sehe ich jedoch mit den Toray-Platten mehr ungelöste als gelöste Probleme im Drucksaal.

    Kupplungshebel abbauen

    Schwungradschutz abbauen

    Riemen abheben und neuen auflegen

    Ich denke, mit etwas mechanischen Verständnis findet man die richtigen Schrauben, welche gelöst werden müssen. Habs zwar noch nie getan, der letzte Riemenwechsel an unserem OHT wurde mit einem neuen Motor damals von Heidelberg gewechselt.

    Ich gehe einig mit Manufaktur und meine, dass Heidelberg die Tiegel bis zuallerletzt in Schwarz gehalten hat. "Die Schwarzen aus Heidelberg" war über viele Jahrzehnte zum Inbegriff für Maschinenbauqualität geworden, warum sollte Heidelberg am Schluss auf Farbtupfer setzen? Auch die "Rotaspeeds", die erste Generation von Heidelbergs Offsetmaschinen war in Schwarz.

    Farbige Varianten von Heidelberger Maschinen kenne ich vor allem bei den OHZs. Die werden auch heute noch revidiert und umgebaut und erhalten ein zweites Leben zum Beispiel als Stanz- oder Prägemaschinen. Klar, dass die revidierten Maschinen auch optisch hübsch für ihr neues Leben sein müssen. Da kommt dann neben einer teilweisen neuen Verschalung auch Farbe mit ins Spiel.

    Der rote Tiegel wird auch so eine überholte Maschine sein. Wahrscheinlich wurde ihm das Folienheissprägemodul später angebaut und um die Maschine hochwertiger wirken zu lassen, wurden die einfach zu übermalenden Teile rot gespritzt.

    Auf Maschinensucher findet man bisweilen exotische OHTs. Ich habe da schon mal einen komplett in himmelblau gehaltenen OHT gesehen. Oder auch OHTs von Schweden, welche zwar in Schwarz gehalten sind, aber wegen der dort geltenden Arbeitssicherheit einen kompletten Dachüberbau haben.

    Speedmaster, ich denke, die Wette hast du verloren. Vielleicht kannst du deinen Wetteinsatz aber etwas mindern, denn ein bisschen hast du sogar recht. Die neueren OHTs sind tatsächlich nicht komplett schwarz. Schwungradkasten und Werkzeugschublade sind zwar nicht rot, aber immerhin anthrazit, was in gewissem Sinn auch eine Farbe ist...

    ... hab Platten im Verdacht, aber halt nur Vermutung. :(

    Um auszuschliessen, dass die Platten nicht ursächlich sind, kann folgender Test gemacht werden:

    - Testform vollflächig mit typischem Problemraster belichten

    - Druckplatte andrucken, Fehler bestimmen.

    - Druckplatte ausspannen und um 180 Grad gedreht einspannen und andrucken.

    Ist der Fehler vom Druckende zum Druckanfang nicht mitgewandert, kann die Druckplatte als Problemursache ausgeschlossen werden.


    Wir wissen ja nicht, wie die Platten in King Tigers Betrieb hergestellt werden. Konventionell entwickelt kann schon die Entwicklerstation das beschriebene Problem verursachen, beispielsweise, wenn zu wenig Entwickler regeneriert wird. Oder wie Karsten, unser Weiser aus dem Morgenland - ääääh, nein, natürlich aus dem Drucksaal - meint: "Vielleicht mal einen Lappen in die Hand nehmen..." und die Entwicklerstation schrubben.