Frage 261, Faserrichtung im Papier

  • Wie und warum laufen die Fasern in Papier bei Breitbahn und bei Schmalbahn?

    Meine Antwort:

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    Bei der Herstellung von Papier auf modernen Maschinen wird der Papierbrei auf lange Endlos- Siebe aufgegeben und in rasender Geschwindigkeit weitergezogen und dabei entwässert. Er verfestigt sich so, dass er am Ende aufgerollt werden kann. Dabei richten sich die einzelnen Papierfasern in Transportrichtung (Laufrichtung des Siebes) aus.

    Wenn man aus so einer Rolle Formatpapiere schneidet, kann man sie quer oder längs schneiden.

    s. Skizze Faserrichtung Breitbahn und Schmalbahn

    Der Drucker bekommt also Bögen, deren Fasern entweder quer oder parallel zur Maschinenlaufrichtung orientiert sind. Die Bezeichnungen "Breitbahn" und "Schmalbahn" haben die Papiermacher aus ihrer Sicht gewählt, wie sie so die Bögen aus der Bahn schneiden.

    Ein Fachmann hatte mal das Papier als "faserverstärkte Luft" bezeichnet und damit gute Hinweise gegeben. Die Faserorientierung hat einen großen Einfluss auf die Verdruckbarkeit. Parallel zu den Fasern ist der Bogen steifer als quer dazu. Damit biegt sich Breitbahn besser in der Maschine um die Wicklungen.

    Im Offset kommt noch das Feuchtmittel als Einfluss dazu. Die Papierfasern können mit Wasser anquellen und pumpen sich dabei breiter. Der Bogen dehnt sich also leicht quer zur Faserlaufrichtung. Längs zur Faserrichtung tut sich praktisch nichts. Das passiert schon in den paar Sekunden in einer Druckmaschine, ist also im Nassoffset von Belang.

    Die Fachsprache gibt hier sehr verständlich die Unterschiede her: Laufrichtung und Dehnrichtung.

    s. Skizze Faserquellung

    Es ist klar, dass auch die Weiterverarbeitung wichtige Ansprüche an die Faserlaufrichtung richtet. Die können sogar so wichtig sein, dass der Drucker in den sauren Apfel beißen muss. Und am Ende hat auch der Verbraucher Ansprüche, wie ich mit Frage 205 lernen konnte.

    Die Einflüsse der Faserlaufrichtung haben auf die Verdruckbarkeit umso größere Einflüsse, je dünner ein Papier ist. Gestrichene Papiere sind schon deutlich egalisiert, weil der Strich beide Richtungen mechanisch gleicher macht. Und Karton wird durch aufeinander- Gautschen mehrerer Bahnen hergestellt; da geht der Einfluss der Faserrichtung noch mehr unter.

  • Die Faserorientierung hat einen großen Einfluss auf die Verdruckbarkeit. Parallel zu den Fasern ist der Bogen steifer als quer dazu. Damit biegt sich Breitbahn besser in der Maschine um die Wicklungen.

    Hallo Inkman,

    danke erstmal für deine regelmäßigen ausführlichen Fachbeiträge!!

    Aber das stimmt so nicht ganz, Schmalbahn biegt sich besser um die Zylinder!

    VG Basti

    Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger!!!

  • Damit biegt sich Breitbahn besser in der Maschine um die Wicklungen.

    Das müsste nach meinem Verständnis aber Schmalbahn sein oder? Bei Schmalbahn liegt ja die Faser quer zur Druckmaschinenrichtung und "biegt" sich somit besser um die Zylinder.

    Siehe Beitrag von bastlwastl der ein Tick schneller war beim tippen :)

  • Da ist ja schon alles gesagt. Je dicker das Papier/der Karton um so wichtiger wird die Laufrichtung. Sie sollte,wenn nicht die Weiterverarbeitung der Bogen etwas anderes vorschreibt, möglichst paralell zur Zylinderachse sein.

  • Servus!

    SB läuft im SW Druck am besten,das ist fakt.Um so kürzer das Bogenformat um so wichtiger die Laufrichtung,das

    wär in diesem Fall dann Schmalbahn.

    Kann aber in Verbindung mit Lack + Flächendruck oder ohne Lack im 4/0 zum Hinterkantenrollen neigen.

    Das kann im Dünndruckbereich schon vorkommen,da wär BB schon besser.

    Natürlich kommt es immer auf das Endprodukt an,daher muß man da auch an die WV denken.


    Gruß

    Maik


    Drucker aus Leidenschaft

  • Je dicker das Papier/der Karton um so wichtiger wird die Laufrichtung.

    Hallo Boston Presse,

    sagt das die praktische Erfahrung? Mir schien plausibel, dass bei steigender Dicke die Faserrichtung immer weiter in den Hintergrund rückt? Ich finde das interessant, weil ich ja nicht in eigener Praxis mit den Bögen umgegangen bin. Und zu meiner Zeit bei der Papierindustrie habe ich mich noch nicht für Biegemessungen interessiert.

    Viele Grüße & ciao

    Inkman

  • Hallo Inkmann,

    Mir schien plausibel, dass bei steigender Dicke die Faserrichtung immer weiter in den Hintergrund rückt?

    bei Tiegelpressen bzw.Autoplatine etc. trifft das evtl.zu,ebenso für Maschinen wo die Bogen planliegend durch die Maschine geführt werden. Bei Zylinderpressen wie z.b.im Offsetdruck, ist es wichtig, daß die Bogen gut an den Zylindern anliegen. Dieses ist nur bei einer Laufrichtung pararell zur Zylinderachse möglich.

  • Die Einführung der doppelten Umfangzylinder an der Speedmaster waren damals eine unglaubliche Erleichterung.Grund ist der schlanke Bogenlauf durch die Maschine. Wenn ich an meiner alten Speedmaster mit einfachen Umfang in 50x70, Karton ( so ab 250 gr) in BB drucken musste war das suchen nach Kratzer eine beliebte Aufgabe. Auch das Auslegen der störrischen Bogen war teilweise ein Spass für Jung und Alt.

    Wenn es sich dabei um Präsentationsmappen handelte,die danach am Buchdruckzylinder ausgestanzt wurden ,ging es von Vorne los. Wieder einmal hiess es Führungsschienen sauber einzustellen und aufpassen das keine Kratzer entstehen.