Komori und prozessfreie Platten

  • Hallo zusammen,

    wir erkundigen uns gerade, ob wir mit unserer 20 Jahre alten Komori auf prozesslose Offsetdruckplatten umsteigen können. Ich habe gehört, dass es hier große Probleme aufgrund der Kupferwalzen geben kann. Hat jemand Erfahrungen mit dem Thema?

    Vielen Dank im voraus!
    Andreas

  • Ja, reine Kupferoberfläche. Soll ein besseres Farbannahme - und abgabeverhalten bringen als die rilsanbeschichteten Walzen der Wettbewerber und damit zu deutlich geringerem Schablonierverhalten. Ich konnte Demos im Komori Europavertriebszentrum in NL sehen, die waren auch wirklich beeindruckend.

    Unabhängige Tests (z.b. der FOGRA oder IDD) oder Promotionsarbeiten über dieses Thema sind mir leider nicht bekannt. Vielleicht kommen ja in diesem Thread weiter Infos? Ist ein spannendes Thema.

  • Hör ich so auch zum ersten Male und frage mich auch warum das nicht woanders mal auftaucht. Zur ursprünglichen Frage, würde ich behaupten das es keine Probleme geben dürfte, da die Reiber ja nicht mit den Platten in Kontakt kommen. Oder?

  • Wir hatten Komori-Vertreter im Haus, die sagten, dass sie von der Verwendung bzw. Auswaschung einer prozesslosen Platte direkt in der Maschine abraten würden. Auch sonst konnte ich dbzgl. keine positiven Erfahrungen im Internet finden. Die Alternative wäre der Einsatz eines Washers, also einer Auswascheinheit, die an den CTP-Belichter gekoppelt wird. So wird der Auswaschprozess von der Druckmaschine weg verlagert. Hat da jemand grundsätzliche Erfahrungen auf dem Gebiet?

  • Einen washer zu benutzen, geht komplett am sinn der prozesslosen Platten vorbei. Wenn die Schicht erst runter ist, sind sie noch empfindlicher gegen Kratzer und Lichteinstrahlung. Wir in der Verpackung haben monatlich das Wasser gewechselt, danach in akzidenz alle 2 Wochen. Bei akzidenz haben wir an manchen Tagen in einer Schicht 300-400 Platten durchgeballert. 8 Farben KBA. Die Plattenbeschichtung wird eigentlich nicht über das Feuchtwerk abgelöst, sondern über die Farbe. Nach den ersten 30 Bogen ist der Prozess beendet. Deswegen ist das Anfangs schmieren ein erwünschter Effekt.

  • Keine Ahnung, warum der Komori-Vertreter einen Washer zum Entwickeln von prozesslosen Platten empfiehlt. Wie Karsten bereits schreibt, das Feuchtwasser bleibt von der abgelösten Plattenschicht unverändert, Ablagerungen sind nicht zu finden.

    Das Ablösen funktioniert so, dass die Schicht beim Vorfeuchten angelöst wird und die Farbwalzen anschliessend die Schicht von der Platte abheben. Bei den ersten Abzügen geht die abgelöste Schicht auf die Makulatur. Ideal, wenn das Papier Maschinenformat hat und die Druckform flächig ist, aber es funktioniert auch beispielsweise bei einer A3-Maschine, auf welcher C5-Kuverts eingerichtet sind mit nur einem Druckbild von praktisch null. Auch da sind keine Ablagerungen zu finden, auch wenn das kleine Kuvertformat nicht viel Schicht abtransportieren kann.

  • Spannendes Thema was früher oder später wahrscheinlich bei jeder Druckerei auftaucht aufgrund von Preispolitk der Plattenhersteller. Wie sind denn Langzeiterfahrungen mit prozesslosen Platten unabhängig vom Maschinentyp? Wie ist die Stabilität der Platten über die Auflage hinweg > unser Auflagenspektrum 50Bg.- 200.000 Bg.. Schwanken die Einstellungen für das Vorfeuchten- gibt es spürbare Chargenunterschiede? Wie wirken sich Stopper beim Anlauf aus? Was muss am Feuchtmittelzusatz geändert werden und wie wirkt sich das auf den Punktzuwachs aus?................und und und.

    Kurz und knapp: was verändert sich wirklich Alles aus Sicht des Druckers?

  • Also wir sind gerade auf die Adamas eco3 umgestiegen. Die Platten benötigen noch eine auswaschstation und verwenden eine Auswaschgummierung. Scheint ja doch noch Argumente gegen die Prozessplatten zu geben.

  • Mahut die Platten laufen eigentlich ganz normal und gut. Je nach Farbe und Substrat, hält die Platte länger oder kürzer. Genau wie bei normalen Platten auch. Eine Platte die auf dem letzten Schrottkarton läuft, wo nach 1000bg das Gummituch schneeweiß ist, mit Goldfarbe, wird nicht solange halten wie ein Prozess Cyan auf Bilderdruckpapier. Je nach Anspruch und Druckbild kann es zwischen 30-100000bg halten. 200000 habe ich mit prozesslosen Platten noch nicht geschafft. Habe aber schon 30000 BG in den Müll gedruckt, weil ich nicht gesehen habe das so'n 40% Raster immer dünner wurde. Raster hat sich aufgelöst, Vollfläche vom Farbstreifen war in Ordnung. Kein Alarm bei der Regelung. Nachtschicht halt 😜🤣 unser Vorgehen war meistens das wir nach 50-60000bg einen 2. Plattensatz hatten. Da warst du erstmal Safe, wenn du es nicht gesehen hast. Wenn ihr gute Einstellungen gefunden habt, wenn ihr damit anfangt, bleibt es eigentlich sehr stabil. Vielleicht für metallic Farben mal etwas mehr Wasser. Feuchtzusatz war bei uns von Eggen, der 12.49 hat gut funktioniert. Stopper ist das gleiche wie mit normalen Platten. Zum Punktzuwachs ist es auch wie bei allen anderen Platten. Man druckt die neue Sorte an und passt die Kurve an. Sollte man aber bei jeder Veränderung in der Vorstufe. Wenn man drauf achtet, das die nicht zuviel licht abbekommen nach dem belichten, funktionieren die wie andere Platten. Kratz empfindlicher sind sie. Rapidschwätzer und Phosphorsäure könnt ihr entsorgen, dann sind se im Arsch.

  • Nach vielen Arbeitsjahren im Rotlicht- und Grünlicht-Milieu war ich froh, als die ganzen Entwickler- und Fixierpools in der Druckvorstufe überflüssig wurden. Die logische Konsequenz, dass auch die letzten Entwicklerbäder, diejenigen für die Plattenherstellung, aus der Druckerei verbannt wurden. Der Kreis hat sich geschlossen, jetzt arbeiten wir wieder trocken, wie damals in Buchdruckzeiten.

    Natürlich sind die prozesslosen Druckplatten noch nicht perfekt. Bis zur Perfektion wird es noch viele Forschungs- und Entwicklungsjahre brauchen, genau wie bei den konventionellen Druckplatten auch, welche über Jahrzehnte zur heutigen Qualität geworden sind. Oder das Beispiel der grafischen Filme und deren Chemie. Beides war eigentlich erst zu dem Zeitpunkt perfekt, als CfF von CtP abgelöst wurde.

    In den fünf Jahren, in welchen wir prozesslose Druckplatten einsetzen, haben wir bereits vier Plattengenerationen durchlebt. Gedruckt haben alle Platten stets einwandfrei, jedoch das Entschichten war nicht immer problemlos. Das Aufrufen von himmlischen Heerscharen, abgewechselt mit dem Aufzählen von Exkrementen, war dann unausweichlich. Mit den Kodak-Platten sind wir heute sehr zufrieden, wenn diese weiter besser werden, wäre das Glück kaum mehr auszuhalten...