Frage 190, Umweltfragen: Blei

  • Was ist eigentlich mit Blei in Offset-Druckfarben?

    Meine Antwort:

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    Blei gilt als besonders giftig und gesundheitsschädlich und wird in der öffentlichen Diskussion oft und gerne angesprochen. Früher war es in Wasserleitungen, im Dachbau, im Rostschutz (Mennige) verfügbar - seit der Antike und praktisch allerorten. Inzwischen wissen wir, dass es nicht nur selbst als Substanz giftig ist („akute Bleivergiftung“ s. a. Wikipedia), sondern auch die ständige Aufnahme geringer Spuren schädlich sind: Es reichert sich im Körper über die Jahre an. Es ist als krebserregend im Tierversuch und fruchtschädigend klassiert und kann eine lange Liste von Krankheiten auslösen.

    Mittlerweile sind nicht mehr viele Bleigeräte im alltäglichen Gebrauch, so dass wir für unsere Druckprodukte als mögliche Einschlepper hauptsächlich die Druckfarben haben, vornehmlich die Pigmente. Sie gehen bei ihrer Herstellung oft durch aufwändige chemische Prozess und Behandlungen, bei denen auch solche besonderen Verunreinigungen möglich sind. Selbstverständlich wird dieser Aspekt streng kontrolliert.

    Ich habe noch erlebt, dass Bleiverbindungen als Rezeptkomponenten eingesetzt wurden, z. B. als Trockner. Als immer mehr der Risiken bekannt wurden, mussten wir Farbhersteller diese Verbindungen aus den Rezepten streichen. Das ist überhaupt ein ganzer Teil der Entwicklungsarbeit an Farbrezepturen, dass bei Bekanntwerden von Verdachten Ersatz gesucht wird. Man wartet durchaus nicht mit dem Austausch, bis Vorschriften ihn erzwingen.

    Danach war die Auskunft „nicht als rezeptmäßiger Bestandteil unserer Rezepturen“ auch nicht mehr ausreichend. Das ernste Problem sind in solchen Fällen die ungewollten Verunreinigungen, eben über zugekaufte Rohstoffe wie z. B. Pigmente. Erst mit dieser Kenntnis kann man für sein Produkt zusichern, dass bestimmte Grenzen an Bleikonzentrationen nicht überschritten werden.

    Ein rhetorisches, aber in der Presse und Politik durchaus echtes Problem ist, dass die heutige chemische Analytik uns fast immer Zahlen gibt. Wir kommen bei vielen Substanzen an die so genannten „Allgegenwarts-Konzentrationen“. Dort wird es schwierig, alle Forderungen zu erfüllen. Manchmal hilft der Austausch eines Rohstoffes auf einen gleichen aus andere Quelle mit geringeren Spuren, aber nicht immer. Deshalb sollten wir bei unseren Forderungen nach Reinheit immer auch den Fachverstand einschalten. Es genügt noch nicht mal immer, dann auch höhere Materialpreise in Kauf zu nehmen, weil es die Reinheit manchmal gar nicht gibt.

    Zugegeben, es ist auch schwer, wirkliche Grenzen für Schädlichkeit zu ermitteln und nicht einfach vorauseilend noch niedrigere Werte zu fordern. Hier müssen wir unsere Politiker an ihre Verantwortlichkeit mahnen. Denn wirklich eine Ahnung von der Sache können sie - wie auch die beteiligten Journalisten - gar nicht haben. Nehmen wir als griffiges Beispiel mal die aktuellen Schadstoff-Diskussionen um die Verbrennungsmotoren.

  • Blei ist heute als Pigment aus den Farben verbannt. Welche Verbindungen da genau genutzt wurden weiß ich nicht genau. Ein gutes Deckweiß enthielt immer ein Bleioxid (Bleiweiß) als Pigment. Als reines Deckweiß im Farbwerk hatte die Farbe im Offset keine so große Bedeutung, zum Mischen von Spotfarben wird Deckweiß jedoch immer noch gebraucht. Deckweiß mit "modernen" Pigmenten erreichen aber kaum die Deckkraft einer Farbe nach altem Rezept. Außerdem neigen die neueren Farben zum vergilben.

  • Hallo Boston Presse,

    das alte Deckweiß kann durchaus auf Bleiweiß (basisches Bleicarbonat oder Blei-Carbonat-Hydroxid) aufgebaut gewesen sein. Nach Wikipedia war es mit einfachen Mitteln, also in z. B. einer Druckerei, leichter zu dispergieren als Titandioxid. Auch sind die heutigen Deckweiß-Pigmente oberflächenbehandelt, damit sie leichter dispergierbar sind als im Originalzustand.

    Heute solle kein Drucker mehr pulverförmiges Pigment oder Füllstoffe („Bologneser Kreide“) einreiben. Dafür gibt es ausgereizte Technik beim Farbhersteller.

    Klar, Deckweiß ist beim Druck auf Papier kein großes Thema. Im Flexo- oder Tiefdruck dagegen ist es ein Tonnengeschäft, häufig z. B. im Konterdruck auf transparente Verpackungsfolien.

    Die Neigung zum Vergilben könnte ich mir nur theoretisch plausibel machen. Eine bessere Deckkraft als bei TiO2 (Rutil, nicht Anatas) kenne ich nicht. Leider habe ich über Bleiweiß keinen Brechungsindex gefunden, der uns einen Hinweis geben könnte.

    Aber wegen der Giftigkeit stellt sich die Frage so wie so nicht mehr.

    Viele Grüße & ciao

    Inkman

  • Hallo Brandeilig,

    das liegt an ihrem spezifischen Gewicht, also den kg pro Liter. Da das Pigment mineralisch ist, wiegt jeder Krümel deutlich mehr als bei den üblichen organischen Buntpigmenten oder dem Ruß. Auch Metallicfarben sind aus so einem Grund schwerer, obwohl mit Aluminium noch ein Leichtmetall als Pigment verwendet wird. Die Bronzefarben mit echter Bronze sind da noch stärkere Kaliber.

    Viele Grüße & ciao

    Inkman

  • Mein Großvater hatte Schriftsetzer gelernt. (Bleisatz). Er hat noch jeden Tag ein Glas Milch auf der Arbeit bekommen gegen dass Blei im Körper.

    Quelle Wikipedia
    Da die Lettern aus Blei bestanden, musste sehr auf Reinlichkeit geachtet werden, denn die Gefahr einer Bleivergiftung, die tödlich sein kann, war sehr groß. Bevor diese Gefahr erkannt wurde, litten viele Schriftsetzer an der „Bleikrankheit“. Viele Betriebe stellten ihren Auszubildenden kostenlos einen halben Liter Milch oder Kakao zur Verfügung, um durch das darin enthaltene Calcium der Bleikrankheit vorzubeugen.

    Grüße mac-steve

    Die besten Ideen .... sind geklaut.