Ewige Frage "Techniker oder Studium"

  • Hallo zusammen,


    kurz zu meinem beruflichen Werdegang: 3 Jahre Ausbildung als Medientechnologe Druck (klingt sehr toll :thumbdown: ) im Bereich Flexodruck. Momentan seit 1 Jahr weiterhin in diesem Betrieb tätig und voraussichtliche auch noch weitere.


    Ich weiß das Thema wurde hier schon öfters besprochen aber so richtig sicher bin ich mir immernoch nicht. Zumal die meisten Beiträge schon etwas älter sind.


    Momentan befinde ich mich in einer Zwickmühle und weiß nicht so recht weiter mit meiner beruflichen Laufbahn. Ich bin gerade 23 und würde gern jetzt anfangen mich weiterzubilden / zu studieren und nicht erst später anfangen.
    Mein aktuelles Unternehmen unterstützt die nebenberufliche Weiterbildung als Techniker. Jedoch in der Richtung "Papierherstellung und -weiterverarbeitung" (ist jetzt vielleicht nicht die genaue Bezeichnung, aber versteht jeder denke ich). Mich würde jedoch "Druck- und Medientechnik" weitaus mehr interessieren. Die Schule die das anbietet liegt jedoch 2h Fahrt von mir entfernt. Zumal ich das gerne Vollzeit, also 2 statt 4 Jahre, machen würde. Aber bei der Entfernung ist das schwer realisierbar, da fängt es schon bei der Finanzierung an und das ich doch recht Ortsgebunden bin (Wohnung, Freund, Eltern, Job hier). Ich komme übrigens aus Leipzig, die Schule wäre in Nürnberg. Fernkurse habe ich dafür noch keine gefunden und stelle ich mir auch schwierig vor.


    Zweite Möglichkeit wäre an der HTWK "Druck- und Medientechnik" zu studieren. Hier stelle ich mir dann die Frage ob das sinnvoll wäre bzw. ob dann ein Bachelor reicht oder ein Master für bessere Chancen erforderlich ist. In diesem Falle müsste ich mir schonmal keine Gedanken über eine weitere Wohnung oder etliche Fahrtkosten machen im Vergleich zu Nürnberg.


    Ich weiß die Frage "Techniker oder Bachelor-Studium ?" ist ansichtssache und schon oft diskutiert wurden. Vielleicht gibt es ja auch Leute aus meiner Region (bezweifle ich zwar) oder welche die gerade fertig geworden sind, die mir ein paar Erfahrungen davon erzählen könnten. Oder gibt es überhaupt einen "großen" Unterschied zwischen Techniker und Studium ? Ausgehend davon das beide in die Richtung "Druck-/Medientechnik" gehen.


    Danke schonmal für eure Antworten :!:

  • Du hast recht, das wurde hier schon öfters besprochen.
    Nach wie vor kann ich nicht verstehen, wieso einige Leute nicht in der Lage sind, selber eine wichtige Entscheidung für sich zu treffen.
    Was für dich das Beste ist, kannst nur du wissen. Die Vor- und Nachteile sind hier schon mehrfach durchgekaut worden.
    Die Situation in der Branche ist auch ziemlich klar.


    Die Problematik "Ortsgebunden" verstehe ich nicht. Soll doch Vollzeit laufen? Dann ist es doch egal, wo der Job ist.
    Also Umzug nach Nürnberg für 2 Jahre (sofern die das Vollzeit anbieten).
    Finanzierung mit Bafög möglich, denke ich (der Klassiker)
    Bei 2 Stunden Fahrzeit wird man auch zwischenzeitlich seine Freunde und Eltern besuchen können und umgekehrt. Ist ja quasi um die Ecke.
    Ein wenig Flexibel muß man bei höheren Zielen wohl sein.
    Denn auch nach dem Studium wirst du wohl nicht zwingend auch etwas in Leipzig finden und woandern hin ziehen müssen, wo du gefragt bist.
    Darüber würde ich mir zunächst mal gedanken machen.
    Würde ich für einen gut bezahlten Job (nach dem Studium) meine Heimat im Zweifel auch verlassen?
    Erst dann kommen weitere Überlegungen.

  • Hallo,


    für die Finanzierung ergibt sich in der Regel immer etwas.
    Für Meisterlehrgänge gibt es bspw. Meister-BAföG, das wahrscheinlich auch für Technikerlehrgänge in Anspruch genommen werden kann.
    Für ein Studium gibt es ja das "normale" BAföG.
    Hier musst du jeweils im Vorfeld abklären ob du berechtigt bist und wenn ja, in welcher Höhe.


    Wir hatten bei den Abschlussarbeiten zum Meister einige Fernkursler dabei - lass lieber die Finger davon.
    Die sahen nach den Prüfungen gar nicht glücklich aus.
    Keine Ahnung ob so etwas überhaupt noch angeboten wird.


    Ansonsten kann ich hier nur meine persönliche Meinung wiedergeben:
    Ich habe einige Jahre nach meiner Ausbildung meinen Meister gemacht und bin nach ca. 11 Jahren Druckerdasein noch an die Uni gegangen.
    Diesen Weg würde ich jetzt nicht unbedingt zum Nachmachen empfehlen, da etwas umständlich. ;)


    Allerdings würde ich vom Meister eher abraten.
    Die wenigsten bekommen danach einen entsprechenden Job - es gibt einfach mehr als genug Meister für zu wenige Stellen.


    Zum Techniker kann ich nicht viel sagen, da ich ihn nicht selber gemacht habe.
    Ich würde vermuten, dass du damit schon bessere Jobchancen hast als mit dem Meister.
    Alleine schon, weil du damit breiter aufgestellt bist.


    Wie bereits geschrieben, habe ich mich für das Studium entschieden.
    Die Jobchancen steigen, da du hier nochmals ein breiteres Spektrum an Wissen erlangst.
    Mit großer Wahrscheinlichkeit wird hier noch die Meinung vertreten werden, dass Studenten zu nichts zu gebrauchen sind (Eingebildet, keine praktische Erfahrung etc.).
    Auch wenn ich mich dabei nicht persönlich angegriffen fühle, habe ich dafür nur begrenzt Verständnis.
    Tatsache ist, dass du dich in einem DMT Studium in viele weitere Bereiche, die oft nichts mit dem Drucken selber zu tun haben, einarbeiten musst.
    Je nach Interessenlage kannst du danach auch in ganz andere Bereiche beruflich einsteigen - ein Aspekt der hier in früheren Diskussionen gerne vernachlässigt wurde.
    Beispielsweise lernt man im Studium programmieren und kann das, wenn man möchte, als Spezialisierung vertiefen.
    Oder man beschäftigt sich mit dem Aufbau von web-2-publish Systemen, dem Erstellen von eBooks, Verlagsarbeit uvm.


    Letztendlich musst du dir klar werden, was dir persönlich mehr zusagt.
    Das Studium ist für mich bislang der absolut richtige Weg gewesen, was nicht heisst, dass das für alle anderen auch so sein muss.
    Techniker- und Meisterlehrgänge sind nicht "schlechter", man muss nur wissen was man machen möchte.
    Eine Weiterbildung machen zu wollen ist auf jeden Fall zu empfehlen. :thumbup:




    p.s. Druckerpapst war schneller. :)

  • Danke erstmal für die Antworten !


    Nun der Hauptgrund wieso ich mich überhaupt weiterbilden möchte ist vorallem das ich keine Lust habe auch noch in 10 Jahren an der Maschine zu stehen und der dumme Pampel zu sein (so kommt man sich nämlich manchmal vor in meinem Unternehmen ^^ ). Vorallem aber möchte ich keine Wochenendarbeit mehr machen was auch gerne mal kurze Wechsel beinhaltet (z.B. Freitag Nachtschicht zu Sonntag Frühschicht) bzw. allgemein eher weniger Schichtarbeit machen. Nun kann man natürlich sagen "wechsel doch einfach das Unternehmen" aber das ist auch nicht so einfach. Der Verdienst ist für Ost-Verhältnisse ziemlich gut. Da machen zwar auch Schichtzuschläge, Bonuszahlungen usw. viel aus aber trotzdem, an das Geld gewöhnt man sich schnell. Ich weiß aber eben auch das man in der Branche in der Produktion wohl kaum um Schichtarbeit herum kommt.


    Ich könnte mir schon vorstellen in der Qualitätssicherung oder Druckvorstufe zu arbeiten, auch Klischee-/Plattenherstellung oder Kundenbetreuung. Da denke ich ist man mit einem Bachelor-Abschluss schon am flexibelsten. Außerdem will ich mich auch nicht nur auf Flexodruck beschränken. Die anderen Druckverfahren habe ich ja leider großteils nur theoretisch kennengelernt, weswegen ich aber auch nicht abgeneigt wäre in einer Offsetdruckerei zu arbeiten oder im Digitaldruck. Ich würde gern in der Druckbranche bleiben, wo genau ist mir dabei "egal", da wäre ich offen.


    LG

  • @ AttilaDreams


    Generell ist Dein Ansatz a) in der Branche zu bleiben und b) sich fortzubilden sehr gut.


    Fähiges Fachpersonal wird nach wie vor benötigt!


    Es gibt drei Möglichkeiten:


    - Meister (Industriemeister Printmedien)
    - Drucktechniker
    - BA Druck und Medientechnik


    Meister:


    Früher einmal ein sehr guter und anerkannter Abschluss. Im Druckbereich wurde dieser Abschluss durch die "Schaffung" des "Industriemeisters Printmedien" vollkommen entwertet. Keine praktische Prüfung mehr, nur noch knappste, übergreifende Wissensvermittlung in nicht einmal einem Jahr.


    Drucktechniker:


    Zweijähriger staatlicher Abschluss mit der Möglichkeit sich im zweiten Ausbildungsjahr zu spezialisieren. Hat einen guten Ruf. Allerdings würde ich hier nur Stuttgart oder München als Schule empfehlen. Beide Schulen sind aufgrund ihrer Größe und Tradition im grafischen Bereich (Berufsschule) wesentlich besser ausgestattet als die Schulen im Norden - wo ich jetzt mal Nürnberg hinzurechne. Gerade wenn Du die nächsten Jahrzehnte Deines Berufslebens im grafischen Bereich bleiben möchtest, sollte die Qualität der Schule und nicht die Fahrzeit nach Hause im Mittelpunkt stehen.


    BA Drucktechnik:


    Aus meiner praktischen Erfahrung her zweischneidig. Für Leute welche eine Ausbildung im Druckbereich absolviert haben, durchaus sinnvoll, allerdings hat der "Bachelor" aufgrund seiner Begrifflichkeit nicht den allerbesten Ruf. Dafür haben viele Absolventen ohne vorhergegangene Berufsausbildung in diesem Studiengang gesorgt und entsprechendes Porzellan in den Firmen zerschlagen. Beim "Master" sieht das schon wieder anders aus, allerdings bist Du dann mindestens noch fünf Jahre am Studieren. Das sollte sich nach hinten auch rechnen. Aufgrund der Ausbildungsdauer lernst Du hier natürlich am meisten.


    Fazit (natürlich subjektiv :-))


    Wenn Du nach wie vor Praxisanteile haben und nicht in die reine Theorie abgleiten möchtest, wäre eine Ausbildung zum Druck und Medientechniker in Stuttgart oder München sicher sinnvoll.


    Robert Kleist

  • Kleiner Tipp von mir zum Techniker, du kannst in Vollzeit Schülerbafög beantragen. Das musst du später, im Gegensatz zum Meisterbafög, nicht zurückzahlen. Kleiner Haken an der Sache, du darfst nur über Vermögen im Wert von 5k verfügen.

  • @Rober Kleist


    Danke für die Erklärungen der einzelnen Möglichkeiten ! Ich frage mich jetzt nur ob es einen inhaltlichen Unterschied zwischen Studium und Techniker gibt. Gebiet ist ja das Gleiche, lediglich die Zeit ändert sich was bedeutet das das Studium dann tiefgreifender ist ?


    @Lithoman


    Jap danke, darüber hatte ich mich schon mit einem Kumpel unterhalten bzw. meinte er auch das man nach 5 Jahren Berufszeit (Ausbildung inkl.) im Bafög dann auch die Eltern und deren EInkommen nicht mitberechnen muss. Ob es jetzt 5 Jahre waren oder mehr weiß ich nicht mehr genau, aber ich hab ja eh erst 4. Ich habe auch vor in meinem Betrieb nachzufragen ob sie ein Studium unterstützen würden, schließlich muss man dort ja auch Praktika absolvieren und und und.


    Ist dann Vermögen im Sinne von monatlichem Einkommen oder Kontostand gemeint ? Letzteres wäre ja ziemlich bescheuert...

  • Natürlich bedeutet Vermögen, dein gesamtes Vermögen.
    Wie viele Studienanfänger haben denn vorher 5.000 € im Monat verdient?
    Zumal dann BAföG wohl überflüssig wäre. :D


    Du solltest dir mal Infomaterial zu den einzelnen Möglichkeiten zukommen lassen, denn wir können dir die Entscheidung nicht abnehmen.
    Die musst du ganz allein fällen und dazu solltest du dich vorher persönlich darüber informieren - sonst endet das Ganze wahrscheinlich in einer Enttäuschung für dich.


    Selbstverständlich gibt es Unterschiede zwischen den Techniker-Lehrgängen und einem Studium.
    Hierzu bekommst du auch auf den jeweiligen Webseiten bereits erste Informationen.
    Die meisten Links findest du in der Linkliste hier im Forum.


    Lass dir Infos zuschicken und fahr am besten vorher einmal zu den in Frage kommenden Schulen/Unis hin um sie dir anzusehen.