Unterschiedliche proofs

  • Hallo.

    Wir haben folgendes Problem:

    Wir müssen einen Auftrag an eine andere Druckerei geben. Unser proof stimmt fast exakt mit unserem druckmuster (10 Jahre alt) farblich überein.

    Der proof der anderen druckerei weicht aber ziemlich ab. Es sind farbfelder drauf die exakt eingehalten werden müssen.

    Woran liegt die Abweichung und wie können wir diese beheben?

  • Die Kalibrierung der anderen Druckerei passt nicht zu eurer. Das kann viele Ursachen haben. Gebt euren Proof mit und das ist die Vorlage. Wenn ihr jetzt anfängt, das anzugleichen dauert es.

    Das war auch mein Gedanke. Aber wie kommen die dann an unsere werte ran? Können ja nur im druck pdf werte ändern

  • Eine andere Vermutung.

    Auf den Seiten ist ein Hintergrund Bild. Ohne Aussparung der farbfelder. Im PDF sind die Werte der farbfelder korrekt. Nehme ich mit pit stop ein farbfeld weg,habe ich die Werte vom Hintergrund Bild. ( Beispiel farbfeld M 85% Y 100% kein C und B)

    Beim belichten der Platte ist das farbfeld ausgespart.

    Ist bei denen im rip was umzustellen oder beim Schreiben des PDF was zu ändern?

    Denke mal das liegt daran

  • So wie ich das Problem verstehe, entsteht das Problem durch die Verwendung unterschiedlicher RIPs oder RIP-Einstellungen in den beiden Druckereien.


    Wer schon einmal in ein modernes RIP "reingeschaut" hat, wird unzählige Einstellmöglichkeiten finden, zum Teil bezeichnet mit Fachausdrücken, welche ein Druckvorstufenprofi nur nach eingehender Recherche versteht. Zumindest in unserem Betrieb gilt, es wird nichts an den RIP-Einstellungen geschraubt – und wenn doch unumgänglich, wird jeder Schritt protokolliert und das RIP anschliessend wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt. Beim Schrauben am RIP braucht es nicht viel, dass spezielle Einstellungen vergessen werden und Folgeaufträge von diesen ungünstig beeinflusst werden.


    Druck-PDFs sind heute zwar normiert und sollten eigentlich in unterschiedlichen Betrieben gleiche Ergebnisse liefern. Das ist aber nicht so, weil unterschiedliche RIPs die Daten unterschiedlich interpretieren. Unser vorderes in die Jahre gekommenes RIP hat beispielsweise Überfüllungswerte aus PDFs übernommen, unser jetziges RIP ignoriert diese und setzt einen eigenen Trappingwert bzw. ein eigenes Überdrucken oder Aussparen ein. (Das wird das Problem des Fragestellers sein.)


    Hier bei uns ist in der Druckvorstufe tägliches Brot, bei Wiederholaufträgen die Daten so anzupassen, dass sie trotz neuer RIP-Interpretation der früher gedruckten Auflage wieder entsprechen. Nicht immer einfach, und dem Kunden sind diese Arbeiten nur schwer zu verrechnen. Bei erhaltenen Daten sind solche Anpassungen kaum möglich, höchstens über die RIP-Einstellungen. Wenn der Kunde aber die Druckvorstufe lieber ausserhalb unserer Druckerei vergibt, sehen wir keine Veranlassung, zeitaufwändig und gratis nach besseren Einstellmöglichkeiten zu suchen. Es gilt das Gut zum Druck, die Verantwortung für die gewünschte Druckwiedergabe der Daten liegt beim Hersteller der Druckdaten.


    Mit geschlossenen Daten ein 10-jähriges Druckmuster in einem anderen Betrieb 100-prozentig deckungsgleich wiederzugeben, erachte ich als nicht möglich.


    PS: Die RIP-Profis in den Druckereien sind schon lange durch Algorhythmen ersetzt worden. Wie sollen diese jedoch wissen, was jetzt für den Kunden und den Drucker an der Maschine (!!!!!) richtig ist. Dem letzten RIP-Profi, den ich gekannt habe, ist gekündigt worden - nein, er hat im Betrieb eine neue Anstellung erhalten als Hauswart, halbtags...

  • Update.

    Es lag nicht am überdrucken.

    Der proof der anderen druckerei simuliert wohl in den rot tönen Clyan mit rein.

    Beim PDF kein cyan und schwarz drin, in deren proof ein leichter Raster in cyan oder schwarz.

    In unserem proof ist dies nicht.

  • Aaaaah, jetzt lichtes sich der Nebel langsam.


    Das Problem ist wahrscheinlich nicht beim RIP zu suchen, sondern beim Proof-Ausgabegerät.


    Unsere Digitaldruckmaschine gibt auch keine reinen CMYK-Farben aus, unabhängig, davon wie die Daten eingegeben werden. Das liegt in der Linearisierung der Maschine und kann vom Anwender nicht geändert werden.

  • hi Dirk, schau mal ob im PDF eine 5. Farbe in Pantone angegeben ist

    Nein. Ist nur 4c angelegt.

    Entscheidung war jetzt unseren proof zum Kunden und den dann zu der anderen druckerei zu schicken. Wenn im PDF kein cyan oder schwarz in den Feldern ist,kann ja auch nichts mit in den Druck davon sein. Also müsste der Druck mit unserem proof übereinstimmen

  • Entscheidung war jetzt unseren proof zum Kunden und den dann zu der anderen druckerei zu schicken. Wenn im PDF kein cyan oder schwarz in den Feldern ist,kann ja auch nichts mit in den Druck davon sein. Also müsste der Druck mit unserem proof übereinstimmen.

    Ein möglicher Weg, aber ein sehr ungewisser. Es kann alles klappen, der Kunde sieht im Endresultat keinen Unterschied zu deinem Proof und ist zufrieden.


    Ich habe aber die Gründe dargelegt, warum die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Unterschiede unvermeidlich sichtbar werden. Im Reklamationsfall beruft sich der Kunde dann auf das gesehene (falsche) Proof von dir, die ausführende Druckerei auf das dir abgegebene Proof sowie die erhaltene Druckdatei, welche fehlerfrei wiedergegeben ist, und das Einhalten der allgemeingültigen Drucktoleranzen... und du... stehst in der Mitte und badest alsdann im Kakao.


    Das offene Gespräch mit dem Kunden über das Entstehen möglicher Differenzen sehe ich hier als unumgänglich. Meine Erfahrung diesbezüglich ist, dass die meisten Kunden gegenüber Toleranzen tolerant sind und Differenzen, welche wir Fachleute als gross ansehen, vom Kunden erst wahrgenommen werden, wenn wir sie darauf hinweisen.

  • @cyberfish, was interessiert mich der Proof der ausführenden Druckerei, wenn ich als Kunde einen farbverbindlichen proof liefere? Dieser ist innerhalb der Toleranz zu reproduzieren, wie die das machen ist ihr Problem. Was habe als vorher druckende Druckerei mit den nachdrucken zu tun?

  • @Karsten, ich glaube, du hast die Sache mit dem Proof nicht richtig verstanden.


    Ein Proof ist die Vorschau der ausführenden Druckerei an den Kunden, wie seine Drucksache schlussendlich aussieht. Ein Proof hat der Kunde zu akzeptieren oder eben nicht. Wenn er den Proof nicht akzeptiert, sind in der Druckvorstufe Änderungen an der Datei zu machen und nicht an der Druckmaschine irgendwelche Werte ausserhalb der Regeltoleranz hinzumurksen, damit der Druck wie die Vorgabe des Kunden aussieht.


    Und das ist das Problem von Dirk, der nicht nachvollziehen kann, warum die selbe Datei in einer anderen Druckerei offenbar krass anders druckt.


    Wenn Dirks Problemlösung und Karstens Proof-Verständnis Schule macht, verabschieden wir uns vom modernen Drucken und haben den Kunden wieder an der Druckmaschine stehen. Ich jedenfalls will das aber nicht mehr.

  • Grundsätzlich bin ich da bei dir. Aber wenn ein wiederhol Auftrag in einer anderen Druckerei gedruckt, muß diese sich nun Mal kümmern, wie sie das hinkriegt. Ob die jetzt ihre Werte an der Maschine, in ihrer Vorstufe ändern, ist mir als erst Drucker doch egal. Ich gebe vielleicht auch noch die Parameter meines proofs heraus, dann habe ich für die Konkurrenz aber genug gearbeitet. Und natürlich gehört der Kunde an die Maschine, so bin ich Safe, wenn er unterschrieben hat. Kommt ja auch immer drauf an, was man druckt. Akzidenz 4 farbiges Prospekt, oder 8 farbige Verpackung.

  • Es kann aber doch kein anderes Ergebnis raus kommen als bei unserem proof.

    85% magenta und 65 % gelb in den Daten. Und bei dem anderen proof ist entweder schwarz oder cyan als leichter Raster im proof. Wo kein cyan oder schwarz in der Datei ist kann auch nichts rein gedruckt werden.

    Papiersimulation kann es auch nicht sein,dann wäre es im reinen gelb ja auch drin.

  • Meine Sicht der Dinge habe ich hier dargelegt, Dirk hat genügend Entscheidungshilfen hier im Forum erhalten, den für ihn richtigen Weg in dieser Angelegenheit zu finden.


    Dass die Diskussion um die Verbindlichkeit von "Proofs" nicht neu ist, zeigt die folgende Anekdote.


    Ein mir gut bekannter, aber längst verstorbener Buchdrucker, notabene mein Grossvater, hat für Nutzendrucke oder grosse Auflagen jeweils Klischees vom Satz herstellen lassen. Und wie es so ist, war auch in der guten alten Zeit nicht alles besser, manchmal waren die Nutzenklischees von der Klischeeanstalt zu spitz kopiert.


    Was tun, wenn das Druckresultat dadurch deutlich merkbar vom genehmigten Gut zum Druck abweicht? Neue Klischees herstellen? - "Kommt nicht in Frage, viel zu teuer. Viel Druck geben und satt Farbe führen, dann passt das schon", war Grossvaters Lösung.


    Die Legende meint, er habe so aus einer normalen Schrift problemlos eine halbfette machen können - und irgendwie dünkt mich, die Diskussion hier dreht sich genau um dieses Kunststück...

  • Wie gesagt für mich ist das Proof, oder alte Druckmuster welches ich an der Maschine habe farbverbindlich. Es gibt so viele Parameter und Faktoren die einen Proof beeinflussen können. Was ist denn wenn die Druckerei ihre Platten nicht selber macht, sondern von einem Dienstleister einkauft. Der wird bestimmt nicht sein ganzes System umstellen, weil aus irgend einer anderen Druckerei ein Proof kommt, der nicht zu seinem passt. Wir in der Verpackung bekommen proofs, die sind so unterschiedlich, das glaubt kein Mensch.