Frage 141, Sieben Irrtümer über den konventionellen Offsetdruck - 3 Farbe und Feuchtmittel

  • 3. Irrtum: Im Offset drucken wir mit Farbe und halten mit einer wässrigen Lösung die nichtdruckenden Stellen frei.

    Meine Antwort:

  • Hallo Inkman,

    zu folgender Aussage habe ich eine Verständnisfrage:


    Die Offsetplatte wird vor der Verwendung gummiert . D. h., eine leicht saure Lösung eines Polysaccharides (Gummiarabikum, natürlich vorkommendes Makromolekül mit sehr vielen Alkohol- und einigen Säuregruppen) wird auf die zerklüftete Oberfläche aufgezogen, haftet recht fest darauf und zieht selbst aufgrund der polaren OH-Gruppen begierig Feuchtigkeit an, sobald sie angeboten wird. Diese Gier nach Wasser (Hygroskopizität) verliert das Gummiarabikum nicht einmal beim Trocknen, wenn also eine Platte z. B. archiviert wird. Wenn im Farbwerk Farbe und Feuchtmittel aufgetragen werden, treffen sie auf den bildfreien Stellen also direkt auf eine dünne, fest haftende Wasserschicht. Und auf dieser hat das Feuchtmittel leichtes Spiel, die Farbe dagegen verloren.


    Gummiarabicum löst sich bei Einsatz von Wasser auf. Dass heißt doch, dass sich nach dem drucktechnischen Einsatz einer gummierten Druckplatte keine Gummierung mehr auf ihr enthalten ist. Wenn also eine Druckplatte archiviert wird, kann auf ihr nur noch der über den Feuchtwasserzusatz aufgetragene Plattenschutz auf der Platte vorhanden sein? Die bei der Plattenherstellung verwendete Gummierung ist somit nicht mehr existent. Was passiert also, wenn eine Druckplatte nach einem Stopper "oxidiert", bzw. tont? Es müsste also eine "Beschädigung" der wasserführenden Schicht der Druckplatte vorliegen?


    Beste Grüße vom Nordwind


  • Hallo Nordwind,


    Wenn eine gummierte Platte ins Wasserkommt, löst sich nur ein Teil des Gummiarabikum im Wasser. Es bleibt immer ein Rest, der im dynamischen Gleichgewicht zwischen Adsorption auf der Plattenoberfläche und Löslichkeit im Wasser begründet ist.

    Mit dem Lauf von mehr Wasser darüber, also in einer Auflage, wird damit immer mehr von der Gummierung abgespült. Deshalb müssen wir es im Feuchtmittel zusätzlich einsetzen, um dieses zu ersetzen.


    Dynamisches Gleichgewicht bedeutet, dauernd desorbieren ein paar Moleküle von der Platte ins Wasser, andere adsorbieren aus dem Wasser neu auf die Platte. Im Gleichgewicht geht beides gleich schnell, so dass scheinbar kein Umsatz geschieht.


    Deine zweite Frage nimmt mir ein bisschen die Pointe bei der Frage 147 weg. Du hast Recht, und ich möchte sie erst in der übernächsten Frage ausführlicher beantworten.


    Viele Grüße & ciao

    Inkman

  • 3. Irrtum: Im Offset drucken wir mit Farbe und halten mit einer wässrigen Lösung die nichtdruckenden Stellen frei.

    So pauschal sehe ich das nicht und betrifft sicher nur moderne Maschinen. Offset ist ja nur eine Kategorie des Flachdruckes. Seit Einführung "moderner" Film und Alkohol-Feuchtwerke, die in der Zwischenzeit ohne Alkohol arbeiten, sieht es allerdings anders aus. In diesen Feuchtwerken wird aus Farbe und wässriger Flüssigkeit eine Emulsion erzeugt, die dann für ein freilaufen der Platte sorgt. Die eingelagerte Feuchtigkeit wird dann an die Platte abgegeben. Durch das Rotationsprinzip gelangt über das Farbwerk aber auch Wasser in die Farbe.

    An dieser Stelle ist zu klähren ob das gewollt oder ungewollt ist oder sogar erforderlich ist. Denn sollte es nicht erforderlich sein, bertifft die Aussage: Wir druckern mit einer Emulsion, nur das Feuchtwerk und das Wasser inder

    Farbe ist dann eine ungewollte Verschleppung.

    Mein Blick in die Zukunft ist dann: Wir verzichten auf das Feuchtwerk und die Farben-Hersteller liefern uns eine fertige Emulsion.

  • Hallo zusammen,


    mein Like für jotemel war etwas schnell. Natürlich lag er falsch.

    Aber es gab mal den Versuch, das Feuchtmittel gleich beim Farbenhersteller in die Farbe einzumischen und damit ein Einkomponentenprodukt zu liefern. Die Idee war natürlich, das Feuchtwerk einzusparen.


    Aus mehreren Gründen ist die Sache gestorben: Ein paar Wochen oder Monate eine Emulsion zu lagern ist schwierig. Das Feuchtmittel ist durchaus chemisch nicht nur aktiv, sondern sogar aggressiv gegenüber Sikkativen und anderen Komponenten.


    Der Wasserlose bietet hier jklar die beste Strategie.


    Viele Grüße & ciao

    Inkman

  • Hallo Boston Presse,

    ich möchte mal salomonisch sagen, dass Trockenoffset der Oberbegriff ist. Unterteilt wird dann in Letterset und in Wasserlosen Offsetdruck. "Trocken" sind beide Verfahren und bei beiden wird das Druckbild über ein Gummituch auf das Papier übertragen. Aber es gibt keine wirklich klare Einteilung, außer dem Letterset und hier sagt Wikipedia sogar: "Fälschlicherweise wird dieses Verfahren (Letterset) oft als Trockenoffset bezeichnet. Dies ist damit zu erklären, dass der Druck über den Gummituchzylinder erfolgt und auch in einer dafür vorgesehenen Offsetdruckmaschine mit abgeschalteter Feuchtung erfolgen kann."


    Gruß Nordwind

  • Nochmals ein Gruß an Boston Presse,

    prinzipiell wäre es die optimalste Lösung, eine Platte nach Gebrauch zu gummieren. Mittlerweile gehen einige Drucker tatsächlich dazu über, die Platte nur von der Farbe zu reinigen und dann zu archivieren. OB das wirklich zielführend ist, wage ich jedoch zu bezweifeln. Es kommt vielleicht darauf an, wie lange so eine Platte dann archiviert ist. Zum anderen meinte ich bei diesem Thema auch die Tatsache, dass die Drucker ebenfalls zum Abschluss des Druckens die Platte von Farbe reinigen, kurz das Feuchtwerk aufsetzen und sie dann für die Arbeit am nächsten Morgen umgummiert stehenlassen.


    Gruß Nordwind

  • Gruß an Nordwind

    prinzipiell wäre es die optimalste Lösung, eine Platte nach Gebrauch zu gummieren

    So sehe ich das auch. In der heutigen Zeit ist es jedoch einfacher eine neue Platte zumachen und nicht mehr zu archivieren.(Kosten/Nutzen) Nach Maschinenstillstand,Pause etc.kann ich nur empfehlen die Platte zureinigen und zu gummieren. Ich würde nie eine nur gereinigte Platte ohne neue Gummierung archivieren.

  • Hallo Boston Presse,


    zum Thema "Trockenoffset" bin ich auf eine sehr interessante Erklärung gestoßen: "Das Buchdrucker-Buch". Unter Mitarbeit namhafter Fachleute herausgegeben und bearbeitet von Gewerbeschuldirektor a.D. J. Bass (1953).


    "Der Trockenoffset (Indirekter Hochdruck). Eine weitere Technik des Hochdruckverfahrens...... Diese Technik kommt fast ausschließlich für den Druck von Packungen wie Zigaretten-Kartonagen, Glühlampen- und anderen Warenumhüllungen in Anwendung......Ein mit Gummi überzogener Zylinder entnimmt die Farbe von der metallischen, leserichtigen Druckform und gibt sie im Zusammenlauf mit der Kartonbahn an deren Oberfläche ab."

    Hier wird nicht von einer runden Druckform gesprochen.


    Ein paar Seiten weiter schreibt man:

    "Der indirekte Buchdruck ist fälschlicherweise unter dem Namen Trockenoffset bekannt, doch hat er mit dem Offsetdruck nichts gemein........ Anders ist es bei den heutigen kleinen Druckautomaten. Hier druckt man von seitenrichtigen Druckformen und benötigt zur Übertragung nur einen Gummizylinder.......Man druckt von geätzten Messingklischees oder Galvanos, die entsprechend dem Zylinderumfang gebogen werden...."


    Interessant ist auch, dass hierbei ein Verfahren als Vorläufer erwähnt wird, wo ein Druckmotiv von einer gewöhnlichen Buchdruckform auf einen Gummizylinder, von diesem auf einen zweiten Gummizylinder übertragen wird und danach aufs Papier gedruckt wird. Flachsatz-Rotationsmaschine "Heureka" genannt.


    Von Letterset ist hier noch nichts verzeichnet. Ich habe diesen Begriff auch eigentlich in meiner Lehrzeit nur von den Heidelbergern gehört und hier an einer KORD-Maschine mit ebenfalls gerundeter Druckform.


    Drucken ist ganz schön kompliziert, oder? 8o


    Gruß Nordwind

  • Hallo Nordwind,

    das Buch von Bass habe ich auch und es ist besonders für historische Technik gut geeignet. Wann die Bezeichnung Letterset aufgekommen ist, kann ich auch nicht mit Bestimmtheit sagen. Als Heidelberg mit der KOR auf den Markt kam, konnte diese Offsetmaschine auch für Letterset genutzt werden. Es war eine Antwort auf den srärker werdenden Offsetdruck und war besonders für Nachdrucke interessant.Gedruckt wurde damals schon von Nyloprint

    Platten, die dann, dank der geringen Stärke, auf einen besonderen Zylinder gespannt werden konnten. Letterset ist immer noch ein aktuelles Verfahren. CD`s und DVD`s wurden z.B. im Siebdruck und auch Letterset bedruckt.