Frage 6, Papiereigenschaften: Faserrichtung

  • Zu eurer Unterhaltung und gegebenenfalls zur Diskussion stelle ich hier hin und wieder einfache Fachfragen. Wer Lust hat, kann sich nach der eigenen Beantwortung meine Lösung anschauen. Wenn jemand erweitern, korrigieren oder widersprechen will - jederzeit gerne.


    Frage:
    Im Bogenoffset werden die Papiere bevorzugt als Schmalbahn verdruckt. Wie laufen dann die Zellulosefasern, und was sind die Gründe für diese Bevorzugung?

    meine Antwort:



    Viele Grüße & ciao
    Inkman

  • Hatte letzte Woche erst " falsche" Laufrichtung .
    Auflage Sdruck lief Freitag. Wdruck Montag. 4c plus Dispolack Seidenmatt.
    Vorteil ....Lief 15000 . Auslage nix gerollt. Alles super.
    Nachteil. Montag war das Papier so verzogen das man es kaum durch die Maschine bekam und dann sogar an den Platten zergeln musste um nen sauberen Passer hinzubekommen .
    Ist also gehupft wie gesprungen.
    Nehme die Laufrichtung wie sie kommt.

  • Zitat

    Die Biegesteifigkeit des Papiers ist quer zur Faserrichtung geringer als parallel.


    inkman du bist ein Schlingel 8) ; genau anders herum verhält sich die Biegesteifigkeit zur Faserrichtung.


    Da hast Du mal wieder ein schönes Ei gelegt. Darüber kann man sich ausgiebig unterhalten.


    Bei den mechanischen Vorteilen hast Du recht, wenn man Karton druckt. Und die Übergabezylinder geschlossen sind.


    Bei dem Papierverzug hast Du Recht wenn ich dünne Grammaturen drucke und zu viel Feuchtmittel in das Papier wegschlägt. Da bekommt ich schnell Schwierigkeiten, mit dem Register, beim Widerdruck, es sei denn ich lackiere und nehme die Trocknerleistung ein wenig hoch. Um die Feuchtigkeit aus dem Schöndruck zu kompensieren.


    Eine neu Platte bringt überhaupt nichts, es sei denn ich kalibriere den Papierverzug im CtP.
    In moderne Druckmaschinen lassen sich die Druckplatten am Druckende dehnen, wirkt dem Papierverzug entgegen.


    Egal ob Breit- oder Schmalbahn, ist alles eine Frage der Einstellung, -Am Anleger- ist kein Grund für Stopper.

  • Mag sein das Laufrichtung parallel zur Zylinderachse so in den Büchern steht. Die Laufrichtung sollte sich aber immer nach dem Endprodukt richten.


    Es gibt wenige Druckprodukte bei denen die Laufrichtung keine große Rolle spielt, da kann man dann SB drucken. Es gibt aber auch Papiere, z.B. 60g SM, die stabiler in der falschen Laufrichtung sind und daher besser laufen.


    Bei falscher Laufrichtung könnte man das drucken wenn möglich so planen das es nicht unbedingt mehrere Tage steht bevor man den Widerdruck druckt.


    Bei den meisten Papieren spielt es eine untergeordnete Rolle ob man quer oder längs zur Zylinderachse druckt, Ausnahmen bestätigen die Regel.

  • Hallo L.E.O.R.,
    das ist ja interessant. Kennst du vielleicht Gründe für diese Beobachtung?
    Oder kannst du sagen, welche Probleme Schmalbahn macht und Breitbahn nicht?


    Bessere Auslage, da sich das Papier weniger bzw. gar nicht rollt.
    Passer ist besser.
    Papierlauf am Anleger bei hohen Geschwindigkeiten besser, da sich das Papier durch die Steifigkeit beim Anlegen nicht so schnell aufstaucht.


    Wenn ich die Wahl hätte würde ich immer auf BB drucken.

  • Meiner Meinung nach bestimmt das Endprodukt letztlich die Laufrichtung.Ein Beispiel:Ein A4 Briefbogen oder ein ähnliches Erzeugnis hat im fertigen Zustand immer SB.Drucke ich auf einer GTO mit 2 Nutzen muß ich BB verwenden, zu 4Nutzen bei 43x61 dann SB,bei 63x88 z.B. ist es dann wieder BB.

  • Hallo , ich schließe mich L.E.O.R und Günther1961 an.


    Bei den meisten Jobs ist BB die bessere Wahl, vor allem bei dünneren Bedruckstoffen
    mit hoher Farbbelegung und/oder Dispersionslack. Auch im Wendebetrieb lässt
    sich der Bogen besser durch die Maschine führen, ohne abzuschmieren.


    Das Papier wird bei uns meistens so bestellt das es für die Weiterverarbeitung und das Endprodukt passt.
    Auf den Druck wird selten Rücksicht genommen.


    Es wäre ja oft möglich das Endprodukt anders auf den Bogen zu stellen, so das es für alle passt.


    Gruß Basti

    Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger!!!

  • @ Basti: ich kenne dieses Thema zu gut. Es war bei uns aber auch ein langer Kampf solche Vorschläge, wie Du sie zu Recht hast, umzusetzen. Alle, die nicht selbst Erfahrung an der Druckmaschine hatten, haben mich für verrückt erklärt, das Gesetz der Weiterverarbeitung und des Endproducktes außer Kraft setzen zu wollen....., aber ich habe es geschafft!
    Wir drucken inzwischen alles, was weniger als 100 g/qm und keine Klebebindung hat, in BB. Das funktioniert großartig und es gab noch nie Beschwerden. Weder vom Kunden, noch von der WV. Darauf bin ich stolz wie Oskar...;-)
    Es gab bei uns sogar den Irrsinn, Rollenprodukte in BB drucken zu müssen und dann dazugehörende Bogenteile in SB.....


    Ein Vorteil, Papier in BB zu drucken, ist nach meiner Meinung und Erfahrung definitiv nicht zu widerlegen. Da kann eine Maschine noch so gut sein....
    Allerdings ziehe ich meinen Hut vor Druckern, die solche Papiere gut zum Laufen bringen und auch noch eine gute Auslage hinzubekommen. Das kann nicht jeder!
    Trotzdem, allein physikalisch begründet, läuft in der Druckmaschine ein dünneres Papier immer besser in Breitbahn!