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Frage 75, Trocknung der Druckbögen

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    • Frage 75, Trocknung der Druckbögen

      Welche Trocknungsarten haben normale Bogenoffsetfarben, und in welcher Zeit nach Druck bringen sie Ergebnisse?

      Meine Antwort:
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      Konventionelle Bogenoffsetfarben trocknen im Normalfall, also auf Papier oder Karton, durch Wegschlagen und durch oxidative Verfilmung.

      Das Wegschlagen geschieht sehr schnell in Sekunden bis einigen Minuten durch Absaugen von Verdünner (Mineralöl oder Fettsäureester) aus dem Druckfarbfilm in den Papierstrich. Es macht aus einem frischen, klebrigen Emulgat einen halbwegs berühr-trockenen Druck. Wartet man etwas mehr, wird er sogar schon recht fest.

      Die oxidative Verfilmung ist eine Verknüpfung von kettenförmigen Molekülen (von z. B. Pflanzenölen) durch Brücken aus Sauerstoffmolekülen. Hierzu müssen große, träge Bindemittelmoleküle (z. B. Linolensäure - Glycerin - ester) sich passend zueinander ausrichten und dann von aktivierten Sauerstoffmolekülen miteinander verbrückt werden. Der Sauerstoff kommt aus der Stapelluft. Die Aktivierung macht das Sikkativ (Trockenstoff). Das dauert mindestens Stunden - bis es weitgehend fertig ist, auch Tage.

      Wenn man also einen Bogen mattgestrichenes Papier schon nach einer halben Stunde umschlagen will, kann man nur die wegschlagende Trocknung ausnutzen. Das heißt, die Farbe - Papier - Kombination muss stimmen, und Infrarot mag helfen. Es ist gar nicht hilfreich, zusätzlich Sikkativ (Trockenstoff) in die Farbe zu mischen, weil der möglicherweise beschleunigte Prozess erst viel zu spät wirken kann.

      Die modernen Allround-Farben sind kastenfrisch, also in ihrer Verfilmungsfähigkeit = Hautbildungsvermögen gebremst. Hier blockiert ein Verzögerer das Sikkativ und hält auf diese Weise den oxidativen Prozess auf. Er muss sich während des Druckes verflüchtigen oder mit dem Verdünner wegschlagen.

      Es gibt rein oxidativ verfilmende Farben, „Folienfarben“, die nicht verzögert werden dürfen und entsprechend leicht an ungewollter Stelle Haut bilden.

      Das Gegenteil sind rein wegschlagend konzipierte Farben für Zeitungsdruck, Endlos-Formulardruck, Tabellierwerke und Besonderheiten für den Druck von Lebensmittelverpackungen. Die kennen gar keine Haut. Allerdings auch kaum Scheuerfestigkeit.

      Seit sich die Lackierwerke im Bogenoffset breit gemacht haben, können wir immer mehr Wegschlagen in die Farben bauen und brauchen weniger oxidative Verfilmung. Die komplette Verarbeitungskette profitiert davon.
    • Inkman immer wieder fachlich einwandfrei.
      Ein kleines Detail weil ich gerade vor wenigen Wochen meine Farbfreunde im Drucksaal hatte.
      Es gab Probleme bei der Trocknung.
      Wir hatten eine größere Serie an Jobs auf 150 Gramm matt ohne Lack aber hoher Farbbelegung.
      Umschlagen laut Hersteller nach 15 Minuten . Scheuerfest 10-12 Stunden.
      War dem dann auch so nachdem der Fehler (Härtegrad Wischwasser) korrigiert wurde .
      Natürlich.....irgendwelche Spezialitäten wie Heaven 42 brauchen natürlich länger . Sonst muss das nach 10-15 Minuten durch den Stapelwender.
    • Hallo Schubbeduster und Boston Presse,

      in meinem Titel habe ich ein Wort im Plural verwendet, kein Zählmaß. Dazu hätte ich noch eine Zahlenangabe geben müssen. Die Trocknung betrifft aber alle Bögen, nicht nur die 2200 Bogen der heutigen Auflage. Wenn lauter Bögen in der Druckerei herumliegen, können sie aus dem Stapel mit 1000 Bogen oder dem mit 1300 sein. Das weiß der Wind…

      Dies sage ich aus meinem hochdeutschen Sprachgefühl heraus, und das ist ein bisschen süddeutsch beeinflusst. Ich werde Boston Presse also immer wieder zum Widerspruch reizen.

      Das hat doch auch seinen Reiz, oder?

      Viele Grüße & ciao
      Euer Inkman
    • Dazu möchte ich gerne noch eimal Stellung nehmen. Der Plural bezeichnet immer mehr als eins. Ob mit einer Zahlangabe oder ohne bleibt es für mich eine Maßeinheit. Gibt es eine logische Erklährung warum sich dann das O ein Ö wandeln muß? Für mich ist der Artikel entscheidend. Da es sich hier nicht um Matematik handelt,kann auch nicht bewiesen werden wer nun Recht hat. Einigen wir uns doch darauf, daß Bogen ein Fachwort ist und auch im Plural Bogen genannt wird. So halten es alle, die im Graphischen Gewerbe gelernt haben, jedenfalls zu einer Zeit, als unsere Sprache noch einigermaßen in Ordnung war.
      Übrigens: Der Duden ist auch nicht mehr was er einmal war und unsinnige Rechtschreibreformen helfen uns da auch nicht weiter. Dazu bietet dieses Forum auch nicht die Basis. Oder hat jemand Lust über ein Versal-ß zu diskutieren?