Frage 4, Farbentrocknung

  • Zu eurer Unterhaltung und gegebenenfalls zur Diskussion stelle ich hier hin und wieder einfache Fachfragen. Wer Lust hat, kann sich nach der eigenen Beantwortung meine Lösung anschauen. Wenn jemand erweitern, korrigieren oder widersprechen will - jederzeit gerne.


    Frage:
    Kann man einen vollständig weggeschlagenen Druck als „trocken“ bezeichnen?


    meine Antwort:


    Viele Grüße & ciao
    Inkman

  • Seh ich anders.


    Richtig trocken ist ein Bogen wenn die Farbe oxitiert ist, bzw. bei UV Farben die Polymerreaktion abgeschlossen ist.


    Ist auch vom Bedruckstoff abhängig, wenn bei ungestrichenem Papier die Farbe weggeschlagen ist, heißt das nicht das sie scheuerfest ist.
    In der "Praxis" lassen wir Offsetpapier (Karton) 24 h stehen vor dem Widerdruck, damit die Farbe richtig aushärten kann.
    Wegschlagen ist nur der erste Schritt im Trocknungsprozess.


    Zum Thema Abmehlen, das Bindemittel der Farbe ist zu schnell weggeschlagen ohne die Farbpigmente auf der Bedruckstoffoberfläche zu binden. Das heißt selbst wenn die Farbe trocken ist lassen sich Pigmente von der Oberfläche verwischen.

  • Hallo Ekkmann,

    da zeigt sich gerade ein Dilemma - wenn auch kein schlimmes. Jeder versteht unter „trocken“ etwas anderes. Es kommt auf die Verwendung der Drucke an, ob sie den Ansprüchen an die Festigkeit genügen.

    Umgangssprachlich versteht man „frei von Flüssigkeit, meist Wasser“. Das gilt bei festen Oberflächen, Pulvern, Textilien usw. In Fachsprachen kann jeder definieren, was er will; er muss es nur klar sagen und mit allen anderen Fachkollegen vereinbaren. So gibt es im chemischen Labor auch „trockene Flüssigkeiten“, wie extra entwässerten Ether.

    Für Drucker habe ich mal ein paar solcher Ansprüche gesammelt:

    weggeschlagen
    verfilmt
    „durchoxidiert“ = komplett verfilmt
    durchgehärtet (Strahlenhärtung)
    berührtrocken
    klebfrei
    ablegesicher
    blockfest, nassblockfest
    haftet auf Bedruckstoff
    mehlt nicht ab = nicht übertrocknet
    nagelhart
    umschlagbar, schneidbar, falzbar
    karbonierfest
    wischfest gegen Papier
    wischfest gegen feuchten oder fettigen Finger
    scheuerfest
    siegelfest
    siegelbar
    fettbeständig
    ölbeständig
    laserdruckergeeignet, nicht thermoplastisch
    blisterfähig
    skinfähig
    folienkaschierbar
    heißfolienprägefähig
    dispersionslackierbar
    UV – lackierbar
    wasserdampfdicht

    Eine genormte Version haben wir in der Drucktechnik nicht. Es bleibt also eine lebendige Vielfalt.

    Viele Grüße & ciao
    Inkman

  • Ein wegeschlagener Druck ist nicht trocken selbst wenn sie wischfest ist.Wegschlagen kann diese Farbe nur auf ungestrichenen Papieren und kann auch dort nur eingesetzt werden.Die Farbe dringt in das Papier ein,danach beginnt ein langer Tockenprozess durch Oxydation des verwendeten Bindemittels mit dem Luftsauerstoff.Selbst nach 30 Jahren ist die Farbe in der Dose noch nicht eingetrocknet.Rein oxydativ oder UV trocknende Farben schlagen nicht weg,sondern trocknen auf der Oberfläche des Bedruckstoffes.Farben die nur wegschlagen werden heute kaun noch eingesetzt,vielfach sind solche Farben wegschlagend und oxidativ eingestellt.

  • Farben die nur wegschlagen werden heute kaun noch eingesetzt,vielfach sind solche Farben wegschlagend und oxidativ eingestellt.


    Hallo zusammen,
    Sorry, aber diese Aussage stimmt so nicht ganz.
    migrationsarme/-freie Farben trocknen nicht oxidativ, denn dann würden sie ihren Status als "lebensmittelgeeignete Farbe verlieren".
    Da diese Farbe sehr häufig, nämlich bei sämtlichen Lebensmittelverpackungen eingesetzt wird, kann man also nicht von "kaum eingesetzt" sprechen.


    MfG ELprinto

    "Ich erinnere mich am liebsten an die Zukunft." Salvador Dalí

  • Das ist richtig.
    Im Verpackungsdruck (Flexo- und Tiefdruck) werden Lösungsmittelhaltige Farben eingestetzt, welche wegschlagen und das Lösungsmittel verdampft und wird abgesaugt.


    Im gestrichenem Papier schlägt die Farbe auch weg, zwar nicht so sehr wie im ungestrichenem, trotzdem ist die Oberfläche vom gestrichenem Papier nicht komplett zu. Hängt auch von der Qualität und Hersteller ab.


    Der Strich besteht hauptsächlich aus Karolin bzw. Kreide und beides zieht das Öl mit Pigmenten ins Papier, der Harz bindet das Ganze an der Oberfläche.


    Also können wir sagen "trocken" ist ein freier Begriff in der Druckindustrie, wie inkman sehr gut erklärt hat, gibt es spezifischere Definitionen für ein Produkt.


    Schöne Fangfrage :thumbup:

  • Abend zusammen,


    ich würde das Thema gerne ergänzen und auf Inkman sein Bild, dem Offsetdruck bezogen eingehen wie auch dem Wegschlagen eine stärkere Bedeutung zuordnen.
    Unterschiede bezüglich dem Trocknen von Offsetfarben, hier kommt mehr die Farbformulierung zum tragen, Kastenfrisch oder stärker oxidativ trocknend (z.B. Folieneinstellung)


    Gestrichene Materialien erachte ich als deutlich besser und schneller bezüglich der Wegschlageigenschaften. Natürlich ist das von der Qualität des jeweiligen Striches abhängig.
    Bei ungestrichenen Offsetpapieren (PT4) findet meiner Ansicht nach kein optimales Wegschlagen statt, die Farbe stakt nur ab!!
    Eine rein wegschlagende Serie in Kastenfrischer Einstellung wird sicherlich versagen! Ich würde zu einer verstärkt oxidativen Serie raten!


    Gut gestrichene Substrate (Glanzpapiere PT1 oder Kartonsorten z.B GC1) begünstigen das wegschlagen einer Farbe, unabhängig der Farbformulierung!
    Jeder Farbe schlägt weg sofern das Substrat es zulässt! Mattgestrichenes Bilderdruckpapier ist nicht hüü ist nicht hopp! Hinsichtlich karbonieren eine Katastrophe!


    Mineralölhaltige Farbserien, der weilen sicherlich in der Unterzahl,verhalten sich schneller im Wegschlagen als Mineralölfreie Serien, ich denke da stimmen mir auch alle zu!


    Den Substratbedingungen sozusagen ist die geeignete Farbserie zuzuordnen um ein möglichst optimales Ergebnis hinsichtlich Farbtrocknung zu erhalten! Das ist aber nur der erste Teil!
    Farbtrocknung oxidativ fängst erst nach einigen Stunden an und zieht sich etwas. Beeinflusst wird dieser Prozess durch Wasseremulsion wie auch Klima im Stapel und der Farbformulierung!
    Eine Kastenfrische Einstellung wird immer das nachsehen gegen über einer semifresh oder Folieneinstellung haben!


    Sofern ein Papier ein wegschlagen gänzlich minimiert weil der Strich schlichtweg zu dünn, zu offenporig ist, kann eine FB Einstellung je höher die Farbflächendeckung ist nicht optimal durchtrocknen,
    da die Kapillarwirkung versagt und leicht flüchtige Bestandteile nicht separieren können!


    Zum Glück werden eine Vielzahl von Aufträgen aufgrund dieser Probleme überlackiert und das generelle Problem kaschiert!



    Grüße SanchoPancho:)