Beiträge von inkman

    Welchen Farbraum kann man mit ideal lasierenden Skalenfarben Cyan, Magenta und Yellow auf weißem Papier wiedergeben und welchen auf ideal schwarzem?

    Meine Antwort:Theoretisch kann man alle Farben mit Cyan, Magenta und Yellow drucken, die durch die Koordinaten der Grundfarben z. B. auf der Normfarbtafel und der sie verbindenden Begrenzungslinien umfasst werden. Leider fallen von diesen vielen Farben eine ganze Reihe weg, wenn der Bedruckstoff nicht ideal weiß und glatt ist und wenn das Druckverfahren und die Druckfarben - Reihenfolge noch einige Farbtöne ausschließen. Dadurch fehlen uns im Offset auch bei guten Papierqualitäten gerade ein paar der farbkräftigen, reinen Töne.

    Auf einem ideal schwarzen Bedruckstoff sind alle lasierenden Farben komplett schwarz, weil ja alles Licht vom Bedruckstoff unter ihnen verschluckt wird. Eine lasierende Druckfarbe würde also höchstens eine glänzende Schicht darauf abgeben. Eine Färbung kann sie nicht erwirken.

    s. a. Frage 2, 53, 114, 164, 219 und 221

    Danke, Brandeilig,

    da zeigt sich, dass die technische Entwicklung immer wieder neue, zusätzliche Wege findet. LE = Low Energy scheint eine noch deutlich weiter entwickelte Version der Quecksilber - Dampflampen von früher zu sein, die damals immerhin schon gefiltert und gekühlt wurden. Hier ist der Emitter, also die Lampe, offensichtlich grundsätzlich verbessert zu sein. Dass wir eine Weiterentwicklung heute gleich als neue Technologie bezeichnen, sei verziehen - Werbung muss auch bei uns frei erlaubt sein.

    inkman

    Was ist der Unterschied zwischen UV-Druck und LED-Druck?

    Meine Antwort:

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    Die Ausdrucksweise ist schlampig, wie häufig in der Alltagstechnik. Beim UV-Druck sollte die UV-Strahlung den Träger bebildern, nicht nur die Farbe härten. Immerhin gibt es das überhaupt, z. B. bei der fotografischen Herstellung von Platinen. Und LEDs sind Leuchtmittel; man kann sie doch nicht mit einer Strahlungsart vergleichen.

    Aber nun im Ernst. Natürlich ist in beiden Fällen Offsetdruck mit strahlenhärtenden Bindemitteln gemeint. Beide benutzen UV-Licht. In der älteren Technik kommt das UV-Licht aus Quecksilber-Dampflampen. Sie senden Strahlung ganz bandbreit von UV bis IR. Nur ein Teil der UV-Wellenlängen wird von den Photoinitiatoren aufgenommen, ist also wirksam und gewünscht. Der Rest macht nur Ärger und Kosten.

    Mit den LEDs kamen Lichtquellen auf den Markt, die sortenreines Licht, enge Wellenlängen - Bereiche aussenden. Wenn die und die Photoinitiatoren zusammen passen, hat man eine tolle Kombination, weil praktisch keine Abfallwärme entsteht. Es wird praktisch nur gewollt wirksames (aktinisches) Licht gesendet. Der Betrieb ist um Längen billiger als der von Lampen.

    Anfangs passten die verwendeten Photoinitiatoren nicht zu den verfügbaren UV - Wellenlängen. Aber mittlerweile scheint das kein Problem mehr.

    Drucken wir im Offset und härten mit UV, dann sparen wir mit LEDs die aufwändigen Kühl- und Reflexionseinrichtungen, die wir bei Quecksilber - Dampflampen brauchen. Wärmeempfindliche Substrate sind mit viel geringerem Risiko bedruckbar. Und wenn die Härtung gut funktioniert, ist das ganze neue System sicherer als das alte.

    Ein ehrgeiziger Versuch: Ich wollte einmal möglichst viele typische Fragen festhalten, die beim Bearbeiten einer Reklamation auftreten können. Diese Zusammenstellung soll helfen, typische Fragen und Beschreibungen als Bearbeitungshilfe aufzulisten. Oft kann eine systematisch und klar geführte Frage schon ein Weg zur Lösung sein.

    Die Liste ist bestimmt nicht vollständig. Wenn Interesse besteht, können wir sie als Grundlage für eine verbesserte, gemeinsame Version verwenden. Bitte melden, korrigieren und ergänzen, wo es euch sinnvoll erscheint.

    Meine Antwort: Dieser Gag ist einmal im Deutschen Drucker veröffentlicht worden. Ein Plakat zeigte einen sehr weiblichen Oberkörper mit knappem T-Shirt bekleidet. Und drüber stand "Männer, betet um Regen".

    Unter dem weißen T-Shirt war die unbedeckte Brust gedruckt worden und dann mit dem Deckweißüberdruck verborgen.

    Das Pigment für das Deckweiß hatte einen Brechungsindex vermutlich nicht weit über 1,6 wie ein Füllstoff. Und das Bindemittel ließ viele Stellen im Farbfilm als Zwischenräume für z. B. Luft frei. So lange es nur Luft war mit einem Brechungsindex von 0, war der untere Druck gut genug abgedeckt, weil der Unterschied zu 1,6 groß genug war.

    Sobald aber Wasser (Brechungsindex 1) aus dem Regen die Zwischenräume füllte, wurde der Überdruck durchscheinend - wie öliges Papier. Dann sah es so aus wie im Foto.

    Bei solchen Gagfarben darf der Kilopreis natürlich keine Rolle spielen. Aber das Beispiel zeigt, was mit ein bisschen Phantasie alles möglich ist.

    Was ist zu erwarten, wenn Y nicht 100% ig lasierend ist?

    Meine Antwort:

    Wenn Yellow als oberste Farbschicht nicht hochlasierend ist, kann man einen gelben Schimmer über dunkle Rasterpartien bekommen: Die schwache Streukraft des Yellow-Pigmentes schickt als oberste Schicht dieses gelbe Streulicht. Das sieht dann aus wie Schimmel, stört also. Man sagt auch, das Gelb schleiert.

    Warum werden dann gelegentlich (besonders im Verpackungsdruck) leicht deckende Magentapigmente bevorzugt?

    Beim Druck auf Verpackungskarton geht es oft um Power in Flächen und Schriften. Hierbei ist das Rot, also Magenta + Yellow für unseren abendländischen Geschmack eine besonders wichtige Signalfarbe. Häufig ist der Karton auch noch nicht ganz so weiß wie z. B. ein Bilderdruckpapier. Wenn man dann ein etwas gelber-stichiges und ganz leicht deckendes Magentapigment einsetzt, erscheinen diese Partien farbstärker. Da im Verpackungsdruck Flächen und Symbole wichtiger sind als perfekte Rasterbilder, ist dieser Trick oft nützlich, auch wenn wir nicht mehr ganz exakt im Standard sind.

    Früher gab es übrigens ein "Vordruckgelb". Es wurde als erste Farbe gedruckt - wahrscheinlich noch auf Zweifarben - Maschinen in zwei Gängen.

    Es ist wohl jedem klar, dass wir elektromagnetische Strahlung aus dem Bereich des sichtbaren Lichts benutzen. Die meisten werden auch wissen, dass UV zur Härtung von Bindemitteln und IR zum Aufwärmen gebraucht wird - alles elektromagnetisch. Das bedeutet, es werden Wellen ausgesendet, die sich geradlinig ausbreiten und eine elektrische und eine magnetische Komponente haben. Wir stellen sie als Sinuswellen dar, die vorwärts laufen und seitlich schwingen. Man kann sie auch als winzige Teilchen sehen, als Photonen. In jedem Fall übertragen wir mit ihnen Energiemengen auf Materie, die dann irgendetwas damit anfängt.

    Gibt es andere Strahlungsformen bei uns?

    Die Elektronenstrahlung der EB - härtenden Bindemittel besteht aus etwas ganz anderem als Photonen. In ihr werden echte Elektronen geschossen, wovon wir uns meist die Korpuskel - Version vorstellen, also kleine, geladene Kugeln. Aber natürlich können wir sie auch als Welle mit Frequenz bzw. Wellenlänge sehen - wie das in der Physik so üblich ist. Diese Wellenlängen und Frequenzen unterscheiden sich komplett von den elektromagnetischen. Hier werden Ladungen transportiert.

    Um EB - Strahlen zu erzeugen brauchen wir ganz andere Einrichtungen als für elektromagnetische. Zum Beispiel eine "Kathodenstrahl - Röhre. Das ist etwas ganz anderes als eine Lampe oder eine Röntgenröhre.

    Es gibt sogar Ionenstrahlen. Aber die benutzen wir in der Drucktechnik nicht extra.

    Die mechanischen Schwingungen gehören auch in diesen Zusammenhang. Sie sind so grundverschieden zu den Strahlungen, weil sie ein Übertragungsmedium brauchen - Luft, Wasser oder geeignete Feststoffe. Werden die Moleküle eines Mediums angestoßen, dann schwingen sie. Haben sie Nachbarn, dann geben sie den Schwingungsimpuls weiter. Das ist nicht geradeaus gerichtet, sondern abhängig, wo wir jemanden treffen. Sind viele da, also im Normalfall, gehen solche Wellen mit einer kugelförmigen Front weiter. Hier hat es sich eingebürgert, die Frequenz zu nennen, nicht die Wellenlänge.

    Bei den mechanischen (= Druck -) Wellen gibt es auch einen besonderen Bereich für uns, den wir wahrnehmen (hier hören) können. Er liegt zwischen 16 Hz und 20 000 Hz, also 20 kHz.

    Witzig ist die Sache, wenn wir mal gleiche Frequenzen nehmen. Es gibt elektrische Strahlung mit Frequenzen in diesem Bereich. Sie liegen zwischen denen für Wechselstrom (50 Hz) und Telegrafie (300 kHz). Sie können dazu dienen, ein geeignetes Gerät zur Abgabe hörbarer Töne anzuregen, eine Membran o. ä.

    Man kann sich diese Strahlung gut als Diagramm darstellen, wenn man die Wellenlängen (oder die Frequenzen, was nur die Reihenfolge und die Spreizung ändert) an einem Zahlenstrahl aufträgt und sich für die einzelnen Positionen anschreibt, was charakteristisch ist.

    Ausgerechnet um den sichtbaren Bereich herum spielen sich die interessantesten Dinge mit den Molekülen um uns herum ab. Alle Moleküle absorbieren im UV-Bereich. Dabei geht die Energie in die Bindungselektronen zwischen den Atomen. So kann sie diese anregen (zur inneren Schwingung bringen), damit sie dann mit fremden Molekülen reagieren können, z. B. mit dem Luftsauerstoff. Pigmente bleichen dann oft aus.

    Sie kann sie auch voneinander trennen, also Bindungen spalten. Es gibt ein ganzes Arbeitsfeld, der deshalb Photochemie heißt.

    Nahe (am Sichtbaren) UV-Strahlung kann auch im Molekül gespeichert und dann in sichtbares Licht oder Wärme umgewandelt werden. Dann sind sie für die Bienen schon bunt, weil die auch UV sehen. Oder die Moleküle fluoreszieren oder phosphoreszieren. Dann sind sie für uns besonders interessant als optische Aufheller oder andere Effektpigmente.

    Wird die Energieportion noch stärker (also die Wellenlänge noch kürzer ins Röntgenlicht), kann sie innere Elektronen in Atomen anregen und zu allerlei Abbauprozessen führen, meist auch mit Molekülveränderung. Deshalb sind die energiereichen Strahlen für die Biologie in der Regel gefährlich.

    Auf der längerwelligen Seite geht es weiter zum Infrarot, IR. Wir benutzen es im Trockner der Druckmaschine oder bei der Papierherstellung. Es gibt sogar Thermometer, die mit Hilfe von IR Temperaturen messen können, also nicht nur die alten Bimetallstreifen.

    Noch weiter gehen wir in die Mikrowellen, von denen man ganz bestimmte Wellenlängen benutzen kann, um ziemlich selektiv Wasser zu erwärmen. Die kennen wir von zu Hause aus der Küche.

    Ich habe einmal zusammengetragen, was ich alles fand und in ein Schema eingetragen - elektromagnetische Strahlung.jpg. Wikipedia macht es gleich viel umfangreicher.

    Was ist eigentlich mit den ganzen konventionellen Druckprodukten mit Cello, Volllackierung, Folienprägung und den ganzen Schnick Schnack!

    mit dem Vorbehalt, dass mein Wissen 20 Jahre alt ist und sich gerade solche Dinge entwickeln: Folienreste auf Druckpapier (Folienlaminierung, Cellophanierung, Folienprägung) werden beim Zerhäckseln des Altpapiers auch in Stückchen gerissen und lassen sich bei der Flotation des Deinkings austragen. Sind also kein wirkliches Problem beim Recycling der Fasern. Dispersionslacke lösen sich in der starken Lauge, die bei uns verwendet wird, stören also auch nicht.

    Es stimmt in der Tat: Im Altpapier sammeln sich die unmöglichsten Reste. Ich habe mal eine Anlage besichtigt. Da gingen die Mitarbeiter in den Pausen Münzen aus dem Müll sammeln. Das Größte war mal ein Camper - Dach. Aber dort bekam ich auch die Auskunft, dass alles sich ganz brauchbar sortieren lässt. Große Probleme machen ihnen Bandeisen und ähnliche Ferkeleien.

    Viele Grüße & ciao

    Inkman

    Hallo Colorless,

    ich habe mal nachgeschaut, was die INGEDE zur Rezyklierbarkeit hier sagt. Sie sagt hier, kurz zusammengefasst, dass man alles bei ihr testen lassen soll. Und sie testen dann und sagen, ob etwas rezyklierbar ist. Und wenn man genau die gleichen Materialien verwendet, sei das zuverlässig. Im Prinzip sind also alle Systeme möglich. Ehrlich: Mir missfällt das.

    Die schlechte Nachricht:

    Wie ich es schon von früher kenne, wird mit abenteuerlichem Halbwissen argumentiert (Mineralöl - Pflanzenöl). Das ist in unserer Branche weit verbreitet. Ich finde solche Scheinargumentationen dumm und unnötig.

    Die gute Nachricht:

    Dem einzelnen Kunden geben sie nach Tests eine Aussage, die er für seinen Fall verwenden kann. Und da die INGEDE gerade von Deinken lebt, gehe ich davon aus, dass die Leute, die deinken, tatsächlich damit leben können. Ein empirischer Ansatz also, der auf jeden Fall ein Geschäftsmodell zu sein scheint.

    Was ist mein Fazit?

    Die alten Regeln gelten natürlich nicht für jedes einzelne Fitzelchen bedruckten Papieres. Aber in der Masse haben sie eine klare Berechtigung. Ich würde mich an die alten Regeln halten, weil sie Sicherheit geben. Und wenn für eine Auflage mal ein Marketing-Kunde partout UV oder LED-UV mit Rezyklierbarkeit kombinieren will, dann eben mit INGEDE-Gutachten. Und den Abfall einer Druckerei von strahlenhärtenden Farben auf ungestrichenes Papier würde ich in den Küchenabfall zur Verbrennung geben nicht zum Deinken. Weil das immer eine gewisse Menge ist und nicht einfach untergeht wie eine Schachtel im Verbraucherabfall.

    Viele Grüße ciao

    Inkman

    Hallo Colorless,

    Ausgehärtete UV-Farben sind mittlerweile häufig sehr gut Deinkbar

    gilt das nur für gestrichene Bedruckstoffe oder etwa auch für Naturpapiere? In meiner Zeit waren alle Drucke auf gestrichenem Papier deinkbar, weil der Strich ausgeschwemmt wurde - und damit auch die Farbschicht. Bei ungestrichenem Papier und verfilmenden Farben saßen sie so fest auf den Fasern, dass sie in der Fasermasse blieben. Dabei reichte schon die oxidativer Verfilmung und die UV-Vernetzung erst recht.

    Viele Grüße & ciao

    Inkman

    Meine Antwort:

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    UV-Farben und -lacke werden gekennzeichnet als "reizend" und "sensibilisierend". Das bedeutet, sie können bei Hautkontakt zu Rötungen und Ausschlägen führen. Hier muss nicht Substanz auf die Haut geschmiert werden, ehe sie gefährlich sind, sondern es genügen Spuren z. B. auf der Kleidung. Und "sensibilisierend" bedeutet, dass eine betroffene Person anfangs nicht so sehr empfindlich reagieren muss. Die Empfindlichkeit wird von Kontakt zu Kontakt stärker, bis man gar nicht mehr in gefährdeten Bereichen arbeiten kann. Es ähnelt einer Allergie.

    Deshalb muss man sich auch vor Farbnebel schützen, Handschutz tragen usw. Sogar die Arbeitskleidung darf nicht im selben Spind gelagert werden wie die private Kleidung, weil sonst Spuren übertragen werden können.

    Bei konsequenter Beachtung der Auflagen kann man tatsächlich gefahrlos auch mit solchen Substanzen arbeiten.

    Es ist sicher jedem klar, dass das Problem an den Acrylaten liegt, die so reaktiv sind. Also sind sowohl UV- (und damit auch LED-UV-), als auch Elektronenstrahl-härtende Systeme betroffen. Und wärmehärtende, falls die einmal in unsere Industrie kommen sollten. Die Berufsgenossenschaft BG ETEM hält entsprechende Empfehlungen bereit.

    Die Diskussion zu deiner Frage 6 war übrigens relativ ähnlich und kam auch zu dem Schluss, dass man als Drucker lieber BB hat

    Da sehen wir wieder mal, wie fest einmal Gelerntes sitzt. Dann wird es sogar auch mal zäh, Neues dazu zu lernen.

    In unserer Versuchsdruckerei stand eine Heidelberg MO. Dort war die Laufrichtung einzuhalten - oder es gab laufend Stopper.

    Eigene Erfahrungen sitzen oft fester als Gelesenes. Trotzdem ist auch das sehr wichtig. Wie wir sehen. Danke für denHinweis.

    Viele Grüße & ciao

    Inkman

    Liebe Forumsteilnehmer,

    es ist eine Freude zu sehen, wie engagiert manche von euch diskutieren und damit anderen klar weiter helfen. Ich habe in diesem speziellen Fall so viel dazu gelernt. Einmal hab ich nicht die eigene praktische Erfahrung mit solchen Dingen. Andererseits ist in den Jahren nach meiner aktiven Zeit ganz offensichtlich viel Neues und auch Bahnbrechendes dazu gekommen. Besonders der Maschinenbau hat hier mitgeholfen.

    Viele von euch zeigen profundes Fachwissen, indem sie nicht nur sagen, was geht, sondern auch Erklärungen und Details dazugeben. Das bringt bei den Lesern einen richtigen Lerneffekt und hebt die Motivation, Dinge verstehen zu wollen.

    An dieser Stelle einmal ganz herzlichen Dank. Besonders, weil meine Quizfrage banaler Kleinkram war und mich die Fülle der Neuinformationen geradezu umgehauen haben.

    Dies ist auch mal wieder eine gute Gelegenheit, uns bei Acid Green für seine viele Mühe zu danken, mit der er dieses Forum verfügbar hält und immer auch noch auf den neuesten Stand bringt. So etwas gibt es im ganzen deutschsprachigen Raum nicht mehr.

    Viele Grüße & ciao

    Euer Inkman

    meine Antwort:

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    Da sich die Papierfasern auf dem Sieb der Länge nach in Laufrichtung ausrichten, biegt sich z. B. ein Papier in einer Richtung anders als senkrecht dazu. Das bedeutet, dass das z. B. für den Maschinenlauf, die Verdruckbarkeit, wichtig sein kann. Zur Prüfung gibt es ein paar einfache Tests:

    Feucht-Probe: einseitig anfeuchten, rollt sich so, dass die Fasern längs zur Rinne liegen

    Fingernagelprobe: mit Fingernagel beide Kanten abfahren: eine bleibt glatt (Fasern parallel), die andere fasert aus (Fasern senkrecht dazu)

    Reißprobe: parallel zu den Fasern reißt es glatt, senkrecht dazu grisselig

    Biegeprobe: Liegen die Fasern parallel zur Biegung, geht es leichter

    Falzprobe: Liegen die Fasern parallel zur Falzkante, ist der Falz glatter.

    Meine Antwort:

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    Im Grunde lässt sich auch eine Heatsetfarbe auf einer Bogenoffsetmaschine verdrucken. Sie wird wegen der geringeren Zügigkeit lediglich höhere Tonwertzunahmen zeigen, denkt man auf den ersten Blick.

    Man sollte aber nicht vergessen, dass eine solche Farbe normalerweise gar nicht sikkativiert ist, weil sie ja durch Verdunsten trocknen soll. Im Gegenteil, oft sind in Heatsetfarben Verzögerer enthalten, die sich nicht während des Druckprozesses verflüchtigen. Also hat selbst ein Trocknerzusatz keine Chancen.

    Außerdem finden sich zur Erhöhung der Scheuerfestigkeit dort auch so genannte Fischer - Tropsch - Wachse, benannt nach Ihrem Herstellungsprozess. Sie wirken zwar gut, stören aber eine eventuelle nachträgliche Veredelung mit z. B. Dispersions- oder UV - Lack. Nur Drucklack klebt auf diesen Oberflächen.

    Etwas weniger wichtig scheint dagegen das Aufbaurisiko an der Abrisskante auf den Folge - Gummitüchern, das durch die relativ schnell wegschlagenden Mineralöle verursacht würde.

    Man könnte also bei einer in - line - Lackierung mit z. B. Dispersionslack durchaus einmal eine Sonderfarbe im 5. Werk verdrucken, die aus der Rollenabteilung noch übrig ist.

    Meine Antwort:

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    Ja, sicher kann man das. Man kann sie immerhin beliebig erniedrigen, die Farbe also fließender machen.

    Dazu stehen entweder Mineralöle als Verdünner zur Verfügung (bzw. deren moderne Substituenten, die Fettsäureester) oder Pflanzenölderivate. Mit dem Mineralöl setzt man die Viskosität und zugleich auch die Zügigkeit deutlich herab. Mit Leinöl oder seinem chemischen Verwandten, einem Alkydharz, verbessert man das Fließen, erniedrigt also die Viskosität. Die Zügigkeit kann je nach Auswahl des Alkyds dabei etwas oder ganz gehalten werden.

    Viele Fertigprodukte enthalten beides, was nach meiner Meinung unpraktisch ist, weil der Drucker damit keine eindeutigen Maßnahmen vornehmen kann.

    Setzt man Pasten oder Gele hinzu, fällt auf jeden Fall die Zügigkeit. Ob dadurch die Viskosität wirklich etwas gehalten wird und nicht mit in den Keller geht - darüber kann man sich streiten.

    Eine Erhöhung der Viskosität erfordert entweder Füllstoffe, die erst richtig eindispergiert werden müssten. Oder man sollte Gelbildner oder andere chemische Verknüpfungssubstanzen für die Bindemittelmoleküle hinzugeben. Das wäre aber zu heikel und sollte dem professionellen Farbhersteller überlassen bleiben, weil sowohl Dosierung, als auch Reaktivität von Laien schwer einschätzbar sind.

    Meine Antwort:

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    1. Ein Rasterpunkt auf der Offsetplatte wird die Farbe nicht ganz randscharf annehmen. Er wird versuchen, mehr von der zügigen (also gut zusammenhängenden) Farbe anzunehmen, als ihm seine Fläche zugibt.

    Es gibt eine Konkurrenz der Oberflächenbenetzung. Wenn der Feuchtmittel - pH steigt, schwächt er interessanterweise die bildfreien Flächen. Damit kann sich der Rasterpunkt verbreitern, eine Rasterfläche sogar ganz zulaufen. Oberhalb von pH 5,3 (!) schon beginnt diese Gefahr - besonders im Gelb und im Magenta.

    Gibt man Kalklöser (Calgon) ins Feuchtmittel, stärkt man interessanterweise die bildfreien Flächen, und die Punkte drucken spitzer aus. Es ist also ein empfindliches, oberflächenchemisches Geschehen, das die Farbbesetzung der Rasterpunkte bestimmt.

    2. Selbstverständlich hat auch das Breitquetschen zwischen Walzen und Zylindern seinen Anteil. In der Literatur wird es gewöhnlich als einziges genannt. Nur kommt es nicht merkbar daher: Die Farbschicht ist ~1µm dick, und ein Rasterpunkt bei 60 L/cm hat etwa 80 µm Durchmesser, stellt also eine hauchdünnes Blättchen dar. Und das soll noch deutlich breiter gequetscht werden? Bei solchen Viskositäten?

    Die Unebenheiten der Plattenoberfläche sind viel stärker als die Farbschicht, 10 - 15 µm. Wenn die Oberflächen des Gummituches und dann besonders des Bedruckstoffes aber weich und zerklüftet sind, wird bei jeder Übergabe der Punkt merkbar breiter gezogen. Er wird dabei auch uneben, weil er sich den Oberflächen anpasst.

    3. Auf Bedruckstoffen, in die das Licht etwas eindringt, kommt noch eine extra Wirkung der bedruckten Rasterfläche hinzu, der Lichtfang. Er ist physikalisch vorhanden, also keine optische Täuschung. Er verstärkt die Farbwirkung einer Rasterfläche, ihre optische Dichte. Korrekt wird deshalb die optische Wirkung der Rasterfläche als Tonwert bezeichnet. Etwas missverständlich hat sich in der Literatur der Ausdruck „optisch wirksame Flächendeckung“ eingebürgert und wird als FD abgekürzt, z. B. in der bekannten Gleichung nach Murray und Davies. Die echte Flächendeckung ist selbstverständlich die geometrische, also ohne den Lichtfang. siehe auch Fragen 54 und 170 und 13

    Es wäre hier übrigens interessant, mal Plattenhersteller oder Maschinenbauer zu interviewen. Möglicherweise wird das Thema dann noch breiter.