Frage 229, Welche Farb-Schichtdicken drucken Tiefdruck, Flexo-, Hochdruck und Siebdruck typischerweise?

  • Meine Antwort:

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    Die Klassiker Tiefdruck, Flexodruck und Buchdruck haben Produkte mit - grob gesehen - vergleichbar starken Einfärbungen. Damit müssen sie vergleichbare Pigmentmengen auf den Bedruckstoff bringen wie der Offsetdruck.

    Der Buchdruck hat ähnlich aufgebaute Farben wie der Offset. Damit sind seine Übertragungsmengen auch ähnlich - um 1 µm. Aufgrund seines Spaltungsverhaltens kann er die dickeren Schichten in seiner Bandbreite leichter übertragen als der Nassoffset.

    Wenn man das Trocknungsverhalten in Tief- und Flexodruck mit wässrigen oder lösemittelhaltigen Farben berücksichtigt, sind diese deutlich niedriger pigmentiert. Sie transportieren ja zu Pigment, Bindemittel usw. noch Lösemittel oder Wasser als Flüssigkomponente. Und das muss zusätzlich zum fertigen Druckgewicht kommen. Es kann durchaus die Hälfte der Rezeptur ausmachen. Dann muss die Maschine für den gleichen Zweck die doppelte Farbmenge hinüberschaufeln. Das hat Vor- und Nachteile.

    Die Übertragungsmengen sind also deutlich höher als beim Offset oder beim Buschdruck. Und die Verfahren erlauben häufig noch höhere Schichtdicken. Das eröffnet Möglichkeiten für sperrige Effektpigmente oder ganz einfach fette Farbschichten wie beim Deckweiß-Vordruck auf transparenten Folien. Oder gehörig dicke Lackschichten.

    Immerhin halten sie sich alle im Bereich bis 2 µm auf. Darüber hinaus kann eben nur der Siebdruck. Und das kann dann locker bis 20 µm oder auch deutlich mehr gehen. Auf bunten Trinkgläsern mit Kindermotiven fühlt man das leicht mit dem Finger.

    Interessant wäre es, hier genauere Informationen über die neuen Digitaldrucktechniken zu bekommen. Der Ink Jet kämpft ja teilweise mit sehr niedrigen Schichten, also minimal kleinen Tröpfchen. Mit Sicherheit kann er auch mehr, z. B. bei Außenplakaten. Leider habe ich hier keinen Zugang, und die Fachliteratur ist hier noch karger als bei den klassischen Verfahren.

    Von Trockentonern weiß ich, dass 20 oder 25 µm "Schichtdicke" vorkommen, habe hier aber auch keine tiefgehenden Informationen.

  • Mal sehen ob ich weiterhelfen kann. Hatten das Thema Digitaldruck als Präsentation und hat mich 4 Wochen begleitet. Wir hatten zwei Systeme gegenüber gestellt. Trocken und Flüssigtoner im Labelprint. Die Schichtdicken von 20µm im Trockenbereich kommen hin. Wissenswert ist das hier das Farbpigment um die 6µm gross ist. Dies ist für Trockentoner auch eine Art Grenze. Der Grund hierfür ist da kleinere Pigmente anfangen würden zu schweben. Hier hat der Flüssigtoner die Nase vorne. Kleinere Partikel um die 3µm, die sich in einer Dispersion befinden, gewährleisten auch eine entsprechend feinere Auflösung. Kommen wir zu Schichtdicke. Das einzige System welches mit Flüssigtoner arbeitet ( und auch das Patent dafür besitzt) ist Hewllett Packard mit der Indigo. Der Prozess speziell zum Bedrucken für Kunststoffe: ElectroInk( so der Name) wird auf das heisse Blanket( Gummituch) übertragen. Flüssigkeit verdampft und nachdem alle Farben des Sujet auf dem Blanket sind wird das Druckbild mit der One Shot Technologie auf den Kunststoff übertragen. Der flüssige Film erstarrt durch den Temeperaturunterschied auf dem Bedruckstoff. Diese Methode ist notwendig da Kunststoffe nunmal nicht so oft erhitzt werden dürfen. Wenn ich mich recht erinniere können bis zu 12 Farben mit einem One Shot übertragen werden. Das bitte aber nochmal recherchieren. Wieviel es auch sein mögen das Ergbebnis mal 3 µm rechnen.

    Ganz anders aber bei Papier und im Bogenbereich an der Indigo. Habe das Druckmuster sogar noch irgendwo rumfliegen. Eins Vorweg, jeder Farbauftrag wird Klick genannt. Wir haben im Versuch eine fühlbare Struktur zu erzeugen ,Effektlack mit 50 Klicks aufgetragen. Das Ergebnis war ...... nett. Ja ....es gab einen haptischen Effekt. Aber keinen sehr guten. Den Eindruck vom Glanz würde ich als "speckig" bezeichnen und den haptischen als leicht kleberig. Also nicht sehr überzeugend, es funktiniert aber. Kleines Gimmick was ebenfalls möglich ist. Diese 50 Klicks auf den Gegendruck der Indigo aufzubringen und eine Art "Prägung" zu erzeugen. Funktioniert ebenfalls sehr eingeschränkt, nix im Vergleich zu einer richtig feinen Prägung aber Tiegel. Aber auch hier ist die Schichtdicke leicht auszurechnen.....

  • Hallo Schubbeduster,

    danke, das ist ja sehr ausführlich und gut nachvollziehbar. Ich bin immer begeistert, wenn sich profundes Wissen und praktische Erfahrung kreuzen.

    Viele Grüße & ciao

    Dein Inkman

  • Ich entschuldige mich für die Rechtsschreibung. Ich hatte gestern schon ein Glas Wein getrunken und ein wenig Eilig ?.


    Es ist mir immer wieder eine Ehre mit Dir darüber zu fachsimpeln und finde das Thema auch unglaublich spannend. Kleine Anmerkungen, die über das Thema der Farbschichtdicke hinaus gehen aber wissenswert sind.


    Lange Zeit war die angesprochene Kunststoffschicht der Indigo ein echtes Problem beim Recyceln von Papier. Erinnere mich auch noch daran das wir Makulatur im normalen Müll entsorgen mussten und nicht dem Altpapier zuführen durften.


    Dann hätten wir da noch das Unternehmen Landa. Die verspricht Schichtdicken im Nanobereich. 2020 wollten sie endlich mal liefern.


    Doch das eigentliche Augenmerk im Digitaldruck ist auf den größeren Gamut zu legen. CMYK+RGB hat einfach was und hier liegt meines Erachtens einfach die Stärke des Digitaldruck mit entsprechend niedrigen Losgrößen. Aus der Praxis kann ich sogar von Fällen berichten in denen Etiketten im Flexodruck produziert wurden. Eine undankbare Font Farbe führte zu mehreren Reklamationen. Die Auflage wurde an der Indigo produziert und problemlos reproduziert obwohl es preislich vorteilhafter gewesen wäre den Auftrag im Flexo zu produzieren.


    Als nächstes wäre da noch die Unbedenklichkeit der Farbe im Kontakt mit Lebensmitteln. Da hat der Simitri HD Toner von Konica Minolta die Nase vorne. Hier steht aber recht ausführliches Infomaterial auf der Homepage zur Verfügung.


    Da ich schon so abschweife ein kleiner Erfahrungsbericht von einem Produzenten für Lebensmittelverpackungen.


    Mit Lebensmitteln ist nicht zu spaßen und Migration der Farbe in das Produkt muss unbedenklich sein nach vorgegeben Grenzwerten. Die höchsten Ansprüche aber …. Ich wusste es nicht…. Muss aber bei Tiernahrung erfüllt werden. Ich kenne es von meinen Katzen, wenn das Futter auch nur ansatzweise anders riecht als gewohnt dann wird das verweigert. Das heißt, dass hier auch noch die Farbe den hohen Ansprüchen unserer Lieblinge genügen muss.


    Schönen Sonntag noch