Frage 212, Fachsprache 6, Rubbelfarben

  • Was soll man unter Rubbelsilber und Rubbelweiß verstehen?

    Meine Antwort:

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    Auf den ersten Blick handelt es sich um zwei Gagfarben. Sie sollen ein darunter gedrucktes Symbol zuverlässig verdecken und sich erst vom Verbraucher durch Rubbeln so weit abkrümeln lassen, dass das Symbol wieder zu Tage tritt. Wo es sich nur um Gags handelt, ist es nicht tragisch, falls man doch im Schräglicht oder irgendwie anders den Unterdruck erraten kann. Anders verhält es sich bei Rubbel - Lotterien. Dort muss die Abdeckung zuverlässig sein, und man muss klar erkennen, wenn jemand das Symbol darunter erkennbar gemacht hat. Sonst können hohe Kosten für den entstehen, der den Druckaufbau zu verantworten hat.

    Es hat einmal in den 90ern hiermit einen spektakulären Schadensfall gegeben, weil die Abdeckung nicht zuverlässig war.

    Die komplette Abdeckung braucht eine ausreichend dicke Farbschicht über dem Vordruck. Dann funktioniert Silber mit den Alu - Flittern als Pigment ganz gut. Deckweiß mit Titandioxid als Pigment ist etwas anspruchsvoller, weil es nicht undurchsichtig ist, sondern nur seinen hohen Brechungsindex anbietet.

    Das Bindemittel sollte eine Art Latex - Matsche sein, damit man den trockenen Farbfilm auch abreiben kann. Klar, das geht am besten im Flexodruck - also aus einem Lackierwerk oder gar in einem extra Lackiergang - oder für große Auflagen im Tiefdruck.

    Unglücklicherweise ist der Ausdruck "Rubbelweiß" missverständlich. Er wird auch verwendet für ein abrasives, also kratzendes Deckweiß. Mit dem kann man z. B. Konturen einer Zeichnung vordrucken. Die erkennt man zwar im Schräglicht, aber für Gags und Kinderheftchen ist es gut genug "unsichtbar".

    Reibt man dann mit einer Kupfermünze oder einem Bleistift über das Blatt, färben sich die Deckweißlinien und geben nach und nach eine Zeichnung frei. Solches Deckweiß kann man locker im Offset verdrucken, weil ja keine Latexfarbe gebraucht wird, und weil unsere Schichtdicken hierfür ausreichen. Man kann nur nicht jedes einfache Deckweiß nehmen, sondern eines mit speziell abrasivem Pigment.

    Für so ein Rubbelweiß bekamen wir einmal eine Reklamation. Der Kunde hatte den Mechanismus missverstanden und meinte, auch mit drei Schichten bekäme man das vorgedruckte Symbol nicht versteckt. Zum Glück hat er erst probiert...

  • Dann weiß
    ich wem ich dies kratzende Deckweiß zu verdanken habe und welches mir beim
    verarbeiten graue Haare hat wachsen lassen. Dies benutzten wir, um den Inhalt
    einer Broschur zu fertigen. Hier galt es einen Persönlichkeitstest frei zu rubbeln
    . Punkt 1 , er sollte leicht frei zu rubbeln sein. Punkt 2 man durfte auf Kundenwunsch hin NIX! Von der Farbe
    erkennen . Sei es schräg anschauen oder sonst wie. Also hieß es beim Drucken
    der Farbe waschen und zwar richtig. Teilweise von Hand incl. Feuchtwerk. Kurzes
    Farbwerk und dann mit UVLicht die Bogen kontrollieren . Das war die einzige
    halbwegs brauchbare Messmethode, da unser Densitometer selbstverständlich unbrauchbar
    war. Zudem war das Farb/Wasser Gleichgewicht eine Katastrophe und die Farbe
    lief dir in der Regel trotzdem dreckig. Danke Inkman ?