Frage 102, Verpackungen für Lebensmittel

  • Sind UV - Farben für den Druck von Lebensmittel - Direktverpackungen geeignet?

    meine Antwort:

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    Wenn man die Sache theoretisch anschaut, sind sie sogar optimal für Lebensmittel geeignet. Sie sollten komplett und engmaschig vernetzen, hinterher praktisch inert sein (= chemisch tot, nicht mehr anlösbar oder reaktionsfähig mit bürgerlichen Mitteln, auch nicht migrationsfähig). Damit können sie weder geruchlich noch geschmacklich störende Stoffe ans Füllgut abgeben.

    Tatsächlich funktioniert das nur unter zwei harten Bedingungen:

    1. Die verwendeten Rohstoffe müssen so reinrassig das sein, was die Rezeptabsicht besagt, dass es kaum bezahlbar würde. Von gängigen UV-Lacken kennen wir den Wäschegeruch. So etwas muss also hundertprozentig ausgeschlossen werden.

    2. Die Härtungsreaktion muss tatsächlich so gründlich verlaufen, dass von außen kein bewegliches Molekülschnipsel mehr erreichbar ist. Hierfür garantiert übrigens der Drucker und nicht der Lackhersteller. Er, der Drucker, kümmert sich ja um die Härtung. Und er hat bei den heutigen Produkthaftgesetzen keinen leichten Stand, falls einmal reihenweise Haare ausfallen...

    Lebensmittel - Direktverpackungen sind übrigens solche, die außen bedruckt sind und ohne Innenbeutel direkt befüllt werden. Eine Innenbedruckung dann, also ein direkter Kontakt von Druck und Lebensmittel ist noch eine ganz andere Liga.

  • Hallo Rockshow4u,

    Ja, ich habe Erfahrungen damit. Meine Praxis liegt allerdings ein paar Jahre zurück. Immerhin war ich u. a. in Ausschüssen und Kommissionen, kenne also die damalige Lage ziemlich detailliert.
    MGA-Farben sind mir ein Begriff. Bei Toyfarbe und Lacken für FDP musst du mir bitte helfen. Wenn Toyfarbe etwas mit der Anwendungen von Druckfarben bei Spielzeugen (Puzzles & Co) zu tun hat, sehe ich ein Feld. Bei FDP fällt mir nur das ein, was am nächsten Sonntag gewählt wird.
    Kannst du mir deine Frage ausführlicher stellen?

    Viele Grüße & ciao
    Inkman

  • Hallo,

    FDP =Food direct package.

    Zu der Frage mit der MGA- bzw Toyfarbe:

    wir verwenden auf Arbeit beide "Farbsorten", MGA für Verpackungen für Lebensmittel aber nicht für direkt Kontakt und Toyfarbe für Spielkartenhüllen. Mir wurde immer gesagt das diese Kinder zb. anlecken bzw kurz in den Mund nehmen könnten und es würde nichts passieren. Da frage ich mich warum nicht nur Toyfarbe (ist die Bezeichnung von Huber) verwenden statt MGA und Toy. Hast du da vllt eine Erklärung oder eine Vermutung?

    mfg rock

  • Hallo rock,

    nun ist es schon klarer. MGA (Huber, München) und FDP sind Markennamen von Herstellern und sollen für Lebensmittel-Direkt-Verpackungen sein. In MGA steckt „migrationsarm, geruchsarm“, also eine nähere Erklärung der Tugenden. Jeder Farbhersteller muss hier eigene Namen verwenden, auch wenn sich die Konzepte häufig ähneln.

    „Toyfarben“ scheint mir eher Jargon zu sein. In der alten Forderung für Spielzeugdrucke waren Schweiß- und Speichelechtheit die Kriterien. In der EN 71 (Europanorm) wurde mindestens noch vor einigen Jahren dafür eine Abwesenheit von bioverfügbaren (d. h. wasserlöslich) Schwermetallen gefordert. Das sollten alle Drucke gut verfilmter normaler Quickset-Farben erfüllen.

    Bei MGA und vermutlich auch FDP hat man nur eine eng begrenzte Auswahl an erlaubten Rohstoffen. Das bedeutet, dass solche Farben in der Verdruckbarkeit meist schwieriger sind als Allroundfarben.

    Viele Grüße & ciao
    Inkman