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Frage 18, Druckprinzip des Flachdruckes

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    • Frage 18, Druckprinzip des Flachdruckes

      Zu eurer Unterhaltung und gegebenenfalls zur Diskussion stelle ich hier hin und wieder einfache Fachfragen. Wer Lust hat, kann sich nach der eigenen Beantwortung meine Lösung anschauen. Wenn jemand erweitern, korrigieren oder widersprechen will - jederzeit gerne.

      Frage: Was passiert eigentlich während des Druckes auf der Offsetplatte?

      meine Antwort:
      Spoiler anzeigen
      Praktisch unsere gesamte Fachliteratur gibt hier Versionen, die hoffnungslos veraltet sind. :( Und in vielen Ausbildungsstätten wird noch immer und hartnäckig überkommener Unsinn unterrichtet. Das liegt daran, dass viele Ausbilder, sogar Hochschulprofessoren und Lehrbuchautoren, aus Bequemlichkeit ihre eigenen Kenntnisse nicht aktualisieren. X(

      Abstoßung zweier Medien, fettig und wässrig, hydrophil und oleophil - womöglich sogar hydrophob und oleophob: Alle diese „Fachausdrücke“ werden hier benutzt. Woanders mögen sie auch Fachausdrücke sein. Im Flachdruck sind sie grobe Vereinfachungen, die Fachleute nicht mehr ohne Warnvermerk verwenden sollen.

      Wie gilt es nun aktuell?

      1. Die Farbe und das Wasser stoßen sich nicht einfach ab. Sie mischen sich zwar nicht, emulgieren aber miteinander. Und die Qualität dieser Emulsion sagt, ob eine Auflage läuft oder nicht. Wir drucken also gar nicht mit Farbe, sondern mit einem Emulgat aus Farbe mit 10 - 30% ein-emulgiertem Feuchtmittel.

      2. Die Platten führen überall „Farbe“, wenn sie nicht gefeuchtet werden. Erst durch das Feuchten nehmen die bildfreien Stellen eine Wasserschicht an, und zwar ziemlich fest gebunden.

      Ihre Oberflächen bestehen gar nicht aus Aluminium. Die Aluschicht ist vom Plattenhersteller durch Eloxierung (anodische Oxidation) in eine harte, dicke und poröse, aber abriebfeste Oxidschicht verwandelt worden. Und auf dieser Oxidschicht hält sich Gummiarabikum festgekrallt, was es mit seinen vielen polaren Gruppen (Chemie) sehr gut kann. Und auch wegen der vielen polaren Gruppen klebt eine hauchdünne Wasserschicht darauf, sobald auch nur eine Maus darüber hustet.

      Während der Auflage zeigen die bildfreien Flächen also eine Wasserschicht nach oben. Und hier darf jeder einmal raten, was am besten auf einer Wasserschicht haftet. Die Messungen der Oberflächenspannung kann man sich heute ersparen, wenn sich die Frage um Tonen und Bildleistungen auf der Platte dreht.

      3. Die druckenden Flächen werden übrigens nicht sauber und exakt eingefärbt, sondern in aller Regel drängt die Farbe über die Punktränder nach außen, färbt also ein bisschen zu viel Fläche ein. U. a. deshalb hat der Nassoffset gewöhnlich eine Tonwert-Zunahme. Beim Wasserlosen läuft die Sache anders, und die Zunahme ist winzig oder gar nicht vorhanden.


      Viele Grüße & ciao
      Inkman
    • Hi inkman,

      sehr schön ausgeführt.

      Ich denke für einen Druckerlehrling sind die Begriffe oleo-/ hydrophil bzw, oloe-/hydrophob ein guter Ansatz, um überhaupt das Druckprinzip zu verstehen.

      Die Grenzflächenspannungungen zw. den zwei Substanzen und wie sie sich als Emulsion auf den Walzen im Farb- und Feuchtwerk bzw. Druckplatte auswirken; ist eher das Fach von Chemikern die Farbe und Feuchtmittelzusatz zusammenstellen.

      Eine stabile Emulsion im liegt bei 20% Feuchtmittel in der Farbe, das läßt sich nicht vermeiden.
      Und das "wir" als Drucker immer an der Schmiergrenze arbeiten, wird ebenfalls in der Ausbildung vermittelt.

      Punkt zwei: Ich denke die Alu-oxidschicht begünstigt die Elektronegativität der Aluplatte, was die hydrophilen Eigenschaften verbessert und die Kopierschicht gut verankert.

      Punkt drei: sollte in der Druckvorstufe, nach einem Andruck und Ermittlung der Tonwertzunahme kalbriert werden, d.h. der belichtete Punkt wird um die Tonwertzunahme im Druck reduziert.

      Während der Auflage zeigen die bildfreien Flächen also eine Wasserschicht nach oben. Und hier darf jeder einmal raten, was am besten auf einer Wasserschicht haftet. Die Messungen der Oberflächenspannung kann man sich heute ersparen, wenn sich die Frage um Tonen und Bildleistungen auf der Platte dreht.


      Versteh ich nicht richtig. :( Ich bitte um Aufklärung. :)

      Und hier darf jeder einmal raten, was am besten auf einer Wasserschicht haftet.


      Dreck.
    • Hallo inkman, wenn jetzt bei einer stark emulgierter Farbe die Pressung erhöht wird steigt die tonwertzunahme deutlich an.

      Wenn aber bei einer wenig emulgierten farbe die Pressung erhöht wird ist ne Zunahme kaum messbar.

      Dieser Effekt macht sich gerade bei formen bei denen auf einer seite viel und auf der anderen wenig Farbe abgenommen wird bemerkbar.

      Diese Problematik tritt natürlich nicht beim rüsten auf, sondern erst beim fortdruck wenn man durch zuviel Puder die pressung (pfuschenender weise) erhöht.

      Liebe grüße Klaus

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von burns635csi ()

    • Hallo burns635csi,

      danke für deinen netten Kommentar. :rolleyes: Und danke für diese Beobachtungen, die gut in die aktuelle Vorstellung passen. :thumbup:

      Ja, eine Farbe muss flexibel etwas mehr oder etwas weniger Wasser aufnehmen – je nach Angebot in der entsprechenden Zone. Hat sie etwas mehr einemulgiert, dann ist ihre Nasszügigkeit noch etwas niedriger als die auf anderen Bildpartien. Und dann lässt sich das Emulgat eben leichter breit quetschen, bringt also eine höhere TWZ.

      Leider kann man nicht messen, ob das schon auf der Platte passiert oder in jedem Nip ein bisschen, also auch zwischen Gummi und Bedruckstoff. Deine Beobachtung mit der Pressung spricht für den zweiten Ort. Interessant.

      Hallo Ekkmann,

      du hast recht :) damit, dass man Anfängern erst eine simple Version anbietet, damit sie etwas Griffiges haben und sich später vertiefen können. Mir wären allerdings deutsche Ausdrücke wie fettfreundlich und wasserfreundlich lieber, weil man die direkt versteht. Ich habe einmal in Wikipedia drei Modellvorschläge gemacht, wie man je nach Publikum argumentieren könnte. Es steht hier. Ich habe das damals in die Diskussion zum Artikel geschrieben, weil nach einer Überarbeitung des Hauptartikels „Offsetdruck“ dauernd „Fachleute“ wieder den alten Mist hineingeschrieben haben, bis ich die ewigen Umschreibungen leid war und aufgegeben habe. ||

      Mit der Wasserschicht nach oben meine ich eine hauchdünne Schicht von Wassermolekülen, die auf dem Gummiarabikum sitzen. Sie lassen die Oberfläche für jeden Ankömmling als Wasser erkennen. Und wenn Farbemulgat und Feuchtmittel aufgewalzt werden, konkurrieren sie um die Belegung der Plattenflächen. Da das Feuchtmittel selbst eine wässrige Lösung ist, findet sie sofort stabilen Halt auf den Wassermolekülen, die sich am Gummiarabikum festhalten. Man braucht also gar nicht das Hilfsmittel der Oberflächenspannung: die Oberflächen sind Fotopolymer oder Wasser. Das ist ein ja-nein-Fall, gar keine Abstufung nach Messzahlen.

      Du hast leider recht :) mit dem Dreck. Auch z. B. Papierfasern laufen im Feuchtmittel mit und sind voller Wasser. Bleiben sie einmal kleben, haben wir Butzen.

      Viele Grüße & ciao
      Inkman
    • Hallo Inkman, vielen Dank für die genauere Erläuterung.

      Ich meine die reduzierten Kohäsionskräfte (Oberflächenspannung) und damit verbundenen höheren Adhäsionskräfte (Grenzflächenspannung) die das Feuchtmittelzusatz bewirken, spielen schon eine große Rolle. Denn nur mit Wasser drucken fürht zu Schwierigkeiten, trotz Alu-oxitschicht und Gummierung.

      Meine Überlegung war, das sich der Feuchtmittelzusatz auch positiv auf die Grenzflächenspannung innerhalb der Emulsion auswirkt, und sie somit stabiler ist.

      Aber das wärs doch mal eine technische Erweiterung, ein Feuchtwerk das in Zonen geregelt werden kann.