In unserer Massengesellschaft wäre es unmöglich, dass der Kunde wie bei Hitlisten durch sein Kaufverhalten die Trends selbst bestimmt. Mindestens für Kleidung geht es nur mit jahrelangem Vorlauf zum Planen für die beteiligten Industrien. Wir wollen ja klare Trends und alles rechtzeitig verfügbar in unseren Geschäften.
In den 90er Jahren habe ich von einem Geschäftsfreund eine Geschichte erfahren, die mindestens in ihren Grundzügen bestimmt noch heute und noch lange gilt.
Danach haben sich auf eine Initiative der Garnindustrie Kommissionen getroffen, um zuerst die Modefarben festzulegen, die in vier Jahren von da an angesagt sein werden. Dann geht der Prozess weiter zu den Stoffproduzenten, den Konfektionsproduzenten usw. Heute sind diese "Konfektionsproduzenten" schon keine echten mehr, sondern sie planen ihre Kollektionen und vergeben die Aufträge an Billigproduzenten in Asien.
Dieser Prozess geht immer weiter und schließt dann Kragenformen, Schnitte und alles Mögliche mit ein. Deshalb braucht man die drei Jahre Vorlauf. In einem Gespräch mit solch einem Spezialisten hat mein Bekannter einmal gefragt, wie den die Modefarben der kommenden Saison würden. Die Antwort war "Das ist zu lange her. Daran erinnere ich mich heute nicht mehr."
Auf diese Weise sind übrigens auch neue Farbkombinationen per Sehgewohnheit eingeführt und am Ende von uns gerne akzeptiert worden. Zu meiner Jugendzeit war Blau und Grün absolut untragbar. Das wurde absichtlich aufgenommen und ist seither immer wieder zu finden. Oder Blau und Braun, an sich potthässlich.
Mit Sicherheit kamen auch so die ausgewaschenen Farben auf und die Ausrisse und Löcher. Wenn ich mir heute eine Markenjeans kaufen will, sehen die meisten doch aus wie die, die ich gerade für Gartenarbeiten beiseite gelegt habe.
Und jetzt zur Frage: Im Laufe dieser Prozesse werden sehr aufwendig und sorgfältig Beispielbroschüren gedruckt. Das sind Fachzeitschriften, die nur Bilder enthalten. Und in denen werden typische Beispiele für die geplante Mode eines Zieljahres in verschiedensten Varianten dargestellt. Eine Boutiquen-Kette für nicht ganz junge Damen hatte lange Jahre diese aktuellen Kombinationen als Dekoration in den Verkaufsräumen ausgehängt.
Diese Fachzeitschriften hatten spektakuläre Stückpreise. Ich hoffe, dafür haben nicht nur Kommissionen gutes Geld bekommen, sondern auch ein paar "Bildchendrucker".[/spoiler]