Frage 223, Welche Risiken gibt es für eine nachträgliche Lackierung von Offsetdrucken?

  • Meine Antwort:

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    Die bekanntesten Risiken liegen in den Echtheitsanforderungen der verwendeten Lacksysteme: Dispersion (Alkali-), Lösemittel (Sprit-, Nitro-Echtheit), UV (alle drei Standardechtheiten). Hier handelt es sich um Lösemittel- und chemische Angriffe, und die Risiken liegen in der Verfärbung der Drucke. Alte Drucke sind schwieriger als junge, weil der Bindemittelfilm schon versprödet sein kann und die Pigmente nicht mehr gut schützt.

    Die falsche Farbe kann man aber auch wegen der enthaltenen Wachse wählen. Ausgesprochene Scheuerfest-Farben können hier ein Abstoßen des Lackes verursachen. Falls noch jemand so etwas verwendet.

    Das tückischste Risiko liegt aber in der oxidativen Verfilmung der Farben. Hierbei werden halb-flüchtige Stoffe ausgeschwitzt, die sich wieder auf der Druckoberfläche niederschlagen und dann für jedes neue Kontaktmedium Benetzungsschwierigkeiten bringen. Sie entstehen erst während der Trocknung der Drucke im Stapel. Je hitziger diese vor sich geht, desto schlimmer werden sie. Viel Farbe und hohe Stapeltemperaturen begünstigen sie. Und wer seine Stapel nicht lüftet, riskiert mehr als der Fleißige.

    Ich habe mal eine Reklamation gehabt, da hatte man die Stapel fast sofort nach Druck mit Bandeisen zusammengeschnürt und zum Lackierer gefahren. Nur hatte der umdisponiert und sie noch zwei Wochen so stehen gelassen, bevor er sie in seine Maschine nahm. Das Lackierergebnis war grauenhaft. Überall da kein Lack angenommen, wo auf der Gegenseite Farbe war.