Beitrag 112, Handschriften der Drucktechniken 6. Digital: Tonerdruck

  • Bei den Toner-Druckverfahren will ich mich auf die Elektrofotografie beschränken. Im Handbuch der Printmedien sind noch mehr Verfahren angesprochen; die halte ich aber für sehr selten. Unter den Digital-Drucktechniken hat der Thermo-Transferdruck noch eine klare Bedeutung; die Fotoautomaten in den Drogerien arbeiten zum großen Teil danach. Allgemein machen es uns die Hersteller der Digital-Druckmaschinen schwer, ihre Techniken zu verstehen, weil sie nicht viel offen legen. Selbst auf Nachfragen bei Fachvorträgen habe ich keine klaren Antworten erhalten, nicht einmal zum Skalenaufbau und abdeckbarem Farbenraum. Oder zur „Farbschichtdicke“.


    Als Farbfritze verstehe ich das ein bisschen, weil auch wir wenig publizieren außer der Wunderwirkung unserer neuen Serie, denn wir leben von unseren kleinen Geheimnissen und Vorsprüngen in Details.


    Die Elektrofotografie lebt davon, dass eine Oberfläche sich elektrisch aufladen und dann durch lokale Belichtung wieder entladen kann. Die geladenen Partien ziehen Tonerteilchen an, wenn man sie darüber stäubt, die entladenen nicht. Man muss die Trommel also dort durch z. B. einen Laser belichten, wo die unbedruckten, hellen Stellen sind.




    Fotokopierer und Laserdrucker arbeiten so, dass der Toner aus Ruß oder Buntpigment mit einer Art Hotmelt als späterem Bindemittel besteht. Die Teilchen werden auf die belichtete Trommel gepudert und der nicht haftende Anteil wieder abgezogen. Damit bleibt ein Staubdreck als Handschrift um Druckelemente über, weil diese Trennung mit Hilfe der Elektrostatik inzwischen zwar erstaunlich gut, aber nicht perfekt funktioniert.


    Der anhaftende Tonerteil wird auf den Bedruckstoff gepresst, bleibt weitgehend drauf haften und wird anschließend an einer etwa 200°C heißen Fixierwalze aufgebügelt.


    Mit leichtem Bürsten und einer Komplettbelichtung wird die Trommel wieder gereinigt, egalisiert und kann neu aufgeladen und bebildert werden. Diese Verfahren verwenden den staubförmigen Trockentoner so zu sagen in Luft verteilt.


    Ein besonders pfiffiges Verfahren (Indigo) verwendet das gleiche Prinzip, nur mit einem Tonerpulver, dass in einer komplett unpolaren Flüssigkeit verteilt ist, Markenname "Electro Ink". Dadurch, dass der Toner befeuchtet ist, staubt er nicht - und druckt randscharf auch bei kleinsten Elementen. Mit diesem Flüssigtoner kann man noch schärfere und präzisere Bilder drucken als im Offset. Der Nachteil des Verfahrens liegt in der unpolaren Trägerflüssigkeit. Sie lässt den Toner nicht auf jedem Material haften. Man muss Bedruckstoffe also ggf. speziell vorbehandeln.