Danke DomRo95 für diese Anregung: Was bedeuten Rasterfeinheit, Rasterfrequenz, Rasterweite?
Meine Antwort:
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Bei Druckrastern gibt es Angaben darüber, wie fein ein Raster aufgebaut ist. Sie beziehen sich nur auf periodische Raster (autotypische, AM-, amplitudenmodulierte), weil bei stochastischen Rastern (Zufallsraster, nicht periodische, FM-, frequenzmodulierte) keine Regelmäßigkeit vorliegt, die eine solche Messung der Feinheit ermöglichte.
Korrekt sind die Ausdrücke Rasterfeinheit und Rasterfrequenz. Sie bezeichnen die Anzahl der Punkte bzw. Linien (je nach Messmethode, jedoch mit gleicher Bedeutung), die man pro Längeneinheit messen kann. Der Ausdruck „Rasterweite“ ist ebenfalls im Gebrauch, bedeutet aber wörtlich etwas anderes, eher das Gegenteil. Hier schlabbert das Handbuch der Printmedien mal wieder, Wikipedia dagegen ist korrekt.
Man kann unter dem Mikroskop oder der Lupe abzählen, wie viele Rasterpunkte oder -linien auf einem Millimeter liegen, wenn man den Raster sich gerade vornimmt. Das Ergebnis kann man z. B. als 80 Punkte pro cm angeben. Aus messhistorischen Gründen hat sich eingebürgert, „Linien“ pro cm zu schreiben, weil die Messung ursprünglich mit bestimmten Linienmustern ausgeführt wurde. Hier bedeuten also „Punkte“ und „Linien“ das gleiche. Mal wieder typisch für Technik und Fachausdrücke.
In Kontinentaleuropa und der weltweiten Naturwissenschaft messen wir im SI - System, geben also „Linien pro Zentimeter“ (L/cm) und „lines per centimeter“ an. Amerikanische Technik und ihre Produkte können das immer noch nicht und verwenden ihre alten Zollmaße „lines per inch“, lpi, auch „dots per inch“, dpi. Auch hier beschreiben lines und dots das gleiche, also für uns Rasterpunkte.
Ein amerikanisches Inch misst 2,54 cm. Damit kann man leicht umrechnen: Ein Raster mit 80 L/cm hat 203 lpi bzw dpi.
In der Druckpraxis messen wir mit einem Rasterlinienzähler. Der hat eine trichterförmig aufgefächerte Linienschar. Legt man sie auf eine Rasterpartie und dreht sie in verschiedene Winkel, bekommt man in bestimmten Stellungen ein Moirè mit einer Art Kreuz um die gesuchte Rasterfrequenz. Man wählt die feinste so angezeigte, weil ein 80 er Raster auch bei 40 und 20 L/cm eine Periodizität hat und ein Moirè bringt.
Zum Auflösungsvermögen s. Frage 60.