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Frage 97, Karbonieren

    • Frage 97, Karbonieren

      Erklären Sie den Unterschied zwischen Karbonieren und Karbonisieren.

      meine Antwort:
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      „Karbonisieren“ leitet sich von Karbon = Kohle ab und bedeutet „ verkohlen, zu Kohle machen“, also z. B. so hoch erhitzen, dass sich die organischen Bestandteile zersetzen und Ruß hinterlassen. Im grafischen Vokabular hat dieses Wort nichts zu suchen.

      Vom „Karbonieren“ spricht man hingegen, wenn eine Bogenseite wie nach dem Einlegen von Kohlepapier auf die Oberseite des darunter liegenden Bogens durchschreibt oder dort abfärbt, wo lokal Druck ausgeübt wird.

      Karbonieren ist die Fehlerscheinung, wenn ein Druck von einer Bogenseite auf die gegenüberliegende durch Drücken übertragen wird. Passiert das im Stapel frisch schon ohne Druck, nennen wir es Ablegen.

      Das Karbonieren ist nur bei getrockneten Drucken ein Problem, weil keiner mehr Farbschwächen erwartet. Beim Schneiden und in der buchbinderischen Weiterverarbeitung tritt es geradezu typischerweise auf.

      Je nach Gewaltanwendung kann man jeden, auch noch so alten Druck, zum Karbonieren bringen. Es gibt ohne Lackierung also gar keine „karbonierfreien“ Drucke.
    • Vor sehr langer Zeit habe ich in einer großen Formular-Druckerei gearbeitet. Einige Formulare wurden auf der Rückseite mit einer schwarzen
      Karbonfarbe aber auch Heißkarbon bedruckt, die dann ein durchschreiben ohne zusätzliches Kohlepapier (oder Blaupapier) ermöglichte. Dieser Vorgang wurde Fachsprachlich als "karbonisiern" bezeichnet. Den Ausdruck "Karbonieren" kenne ich nicht. Den beschriebene Vorgang, bei dem
      Teile eines Druckes auf der Rückseite des Bogens erscheinen kenne ich unter "abschmieren bzw."abliegen". Wenn der Buchbinder durch zu frühes schneiden oder zu hohen Pressdruck meine Drucke versaut, sollte man sich um einen fähigeren Mitarbeiter bemühen.
      Anmerken möchte ich noch, daß Fachsprache regional sehr unterschiedlich ist.
    • Hallo Silent74 und Boston Presse,

      ja, eine Scheuerfest-Farbe wird vermutlich immer stärker oxidativ verfilmen als eine Quickset-Farbe und nicht nur einfach mehr Wachs enthalten. Danach sollte sie auch karbonierfester trocknen. Ob das viel ausmacht, ist allerdings offen.

      Die Sache mit der Fachsprache ist ein interessantes Thema. Ich merke ja, dass wir zwei da teils unterschiedliche Ansichten haben. Das ist bezeichnend nicht nur für technisch arbeitende Fachleute.
      Wir haben ein paar Ausdrücke, die in Normen enthalten sind und daher Klarheit geben. Beispiel ist Tonwertzunahme anstelle Punktzuwachs usw. Andere sind nirgendwo festgehalten. Die Praxis fragt nicht erst, sondern redet einfach drauflos. Regional gibt es sicher auch noch Gewichtungen.

      Alle Fachsprachen verwenden Worte, die aus der Umgangssprache entlehnt sind mit eigener Definition. Wenn wir z. B. von einer unbunten Farbe sprechen, macht das für einen Automechaniker wenig Sinn. Unglücklicherweise meinen viele Fachleute, dass sie die richtige, nicht eine eigene Bedeutung benutzen. Das betrifft viele Drucker genauso wie Chemiker oder Ärzte. Sie sind sich nicht bewusst, dass es verschiedene Sprachen sind.

      Ein Beispiel aus dem Offset: Wenn jemand früher von einem „herkömmlichen Feuchtwerk“ sprach, musste ein Fachmann richtig überlegen, was er meinte. Bei uns heißt das Ding „konventionelles Feuchtwerk“ und wird dann sofort verstanden.

      Ich bin ja als Chemiker unter die Drucker gefallen. Deshalb fielen mir diese Unterschiede leicht auf. Aber solche Ausdrücke, die für meine Arbeit nicht zentral waren, habe ich auch nur so vage aufgenommen, wie sie mir begegnet sind. Beispiel: „Passer“ und „Register“.

      Viele Grüße & ciao
      Inkman
    • Hallo Inkman,
      daß wir nicht immer einer Meinung sind ist ja bekannt.
      Die Fachsprache ist schon eine Sache für sich.Tonwerzunahme und Punktzuwachs sind für mich ebenso zwei unterschiedliche Aussagen
      wie Passer und Register. Eine Tonwertzunahme im Druck setzt z.B.keinen Punktzuwachs im Bild voraus. Registerfehler ist immer ein Maschinenfehler
      der Passerfehler liegt oft in der Druckvorstufe oder z.B. bei Papierdifferenzen vor. Im Grunde ist es egal ob die Drucke karbonieren oder abliegen (ablegen ist in der Fachsprache schon besetzt), sie sind Müll. Karbonieren höhrt sich jedoch wesentlich intelligenter an. Zu den Feuchtwerken möchte ich nichts sagen oder kennt noch jemand Dalgreen-Werke?
      Die Fachsprache ist halt auch im Wechsel.


      Gruß
      Boston Presse