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Bierdeckel stanzen am OHT

    • Bierdeckel stanzen am OHT

      Hallo zusammen

      Ich habe eine Frage zum korrekten Stanzen am OHT. Die Ausgangslage ist: gedruckt vor-/rückseitig auf Bierdeckelkarton, Passer gut. Die Stanzform ist alt, an einer Stelle löst sich der Auswerfgummi, ich klebs jeweils an. Mit Stanzblech und Messingmarken gestanzt. Lange Nadeln genommen, damit der Karton schön hält. Papier wurde von Lieferant auf Drucknutzen geschnitten. Nun ists so gewesen, dass es nicht immer an der genau gleichen Stelle gestanzt hat, Abweichungen bis max. 1mm. Immer ähnlich, aber ich konnte kein System erkennen. Mal drei gut, eine nicht, mal 10 gut, drei nacheinander nicht etc. Was können hierfür die Gründe sein?
      Die gedruckten Stellen habe ich stichpobenmässig überprüft, da gabs keine Abweichungen.

      Hier meine Fragen dazu:
      Hat das was mit der Dicke von Bierdeckelkarton (1.15mm) und Stanzblech zu tun, ist also alles eigentlich zu hoch, und Karton kann nicht mehr richtig geschoben werden?
      Oder wird der Karton aus einem anderen Grund nicht immer passgenau geschoben?
      Hat das was mit der alten Stanzform und dem Auswerfgummi zu tun?

      Oder anders gefragt: Wie geht ihr vor, wenn ihr eine solche Arbeit machen müsst? Was gilt es zu beachten, welche Probleme können auftauchen? Zudem: Das Design beinhaltet auf beiden Seiten einen Kreis, das erlaubt natürlich überhaupt keinen Spielraum. Aber ca. zwei Drittel kamen gut, resp. so auf den halben Millimeter gut, azeptabel finde ich. Aber was ich eben nicht versteh ist, warum es diese Verschiebungen gab. Habe ein Foto angehängt zur Illustrierung.

      Und grad eine weitere Frage: Ich hab das Original-Handbuch für OHT. Aber gibt es irgendeine Schriftsammlung mit Problemen und Lösungsvorschläge? Alt oder neu? So Checklistenmässig, wo man die Ursache suchen könnte?

      Merci vielmals für eure Tipps und Einschätzungen.

      Monica
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    • Hallo,

      grundsätzlich kann mann solche Materialstärken nur am Gallytiegel oder Brückenstanze stanzen da die Aufzugstärke am Bostontiegel (OHT) 1,2 mm beträgt; 0,6 mm Materialstärke sind nach meiner Erfahrung das Maximum. Damit dürfte dein Material einschließlich Stanzblech zu stark sein. Hast du evtl. bei den verlegten Bogen einen Abdruck (der Seitenmarke) an der Materialkante?
      “Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.” (Voltaire)
    • Hallo,
      grundsätzlich ist stanzen von Bierdeckeln möglich. Der beschriebene Fehler kann mehrere Ursachen haben.
      Der Karton ist eigentlich zu dick, aber beim Drucken kann ich auch ohne Aufzug,bzw.nur mit Straffen arbeiten.Keine Probleme.
      Nun muß jedoch ein Stanzblech verwendet werden und die benutzbare Materialstärke wird deutlich eingeschränkt.
      Ich gehe eimal davon aus, daß die Drucke registerhaltig gefertigt wurden, dieses ist als erstes zu prüfen.

      Stanzblech zu dick oder liegt nicht plan auf, der Karton klemmt dadurch im Greifer und wird nicht richtig ausgerichtet.
      Auf keinen Fall eine Zurichtung unter dem Stanzblech, nur hinter der Form. Greiferabstand zum Tiegel prüfen.
      Registerfehler untere Markenschiene
      Registerfehler Seitenmarke, sollte bei Karton auf großen Greiferraum stehen, der Bogen kann sonst zurückspringen.
      Sind die Bierdeckel auf der gleichen Maschine gedruckt auf der auch jetzt gestanzt wird?

      Jetzt den Fehler eingrenzen und beseitigen. Maschine langsam laufen lassen.
    • Hallo,

      Boston Presse hat es ja schon sehr gut erklärt, alles seine Richtigkeit,
      du schreibst du bekamst die Bierdeckel vom Lieferanten geschnitten auf Format
      entsprechend gehe ich davon aus dass sie vorgedruckt wurden und in der Druckerei geschnitten wurden
      wenn beim drucken der Bogen nicht korrekt gezogen wurde und oder an der Schneidemaschine
      unterschiedlich geschnitten wurde hast du diesen Effekt auch, alles Bedarf der Überprüfung

      Gruß, Nob
      NUR ein Drucker kann was ein Drucker kann
    • Dazu habe ich noch einen Nachtrag.
      Zweiseitiger, deckungsgleicher Druck ist auf dem OHT nur bei sehr genau geschnittenen Bogen möglich, in diesem vorliegendem Fall die Kreise von Vorder und Rückseite. Jede Seite für sich betrachtet, ist jedoch standgerecht bedruckt.
      Die Ursache liegt bei der Seitenmarke, die beim Umschlagen der Bogen ihre Position nicht verändern kann. Alle Schnittdifferenzen machen sich
      dann bemerkbar. Diese Tatsache sollte schon bei der Vorlagenerstellung berücksichtigt werden, ebenso ob der Bogen umstülpt oder
      umschlagen werden soll.
    • Hallo zusammen

      Herzlichen Dank für eure Antworten und Bemühungen. Super, dass es dieses Forum gibt. Hab grad einige Anschlussfragen:

      @Schubbeduster:
      "Wenn die Vordrucke schon wackeln": Du meinst, wenn es eben beim Drucken schon Verschiebungen gab? Oder was meinst du mit wackeln?

      @Bostontiegel:
      "Registerfehler untere Markenschiene": Du meinst, dass evt. der Karton rausspringt aus den Messingmarken? Hierzu habe ich mir überlegt: So wie ich es gelernt habe, setzt man nur eine Nadel auf der linken (vom Drucker aus gesehen) Seitenmarke, nicht aber auf der rechten Seite (Kapital?). Könnte es bei dem dicken Karton sein, dass der Bogen, da zusammen mit Stanzblech eben hoch, auf der Kapitalseite rausspringt? Darf/soll man da mit einer ganz niedrigen Nadel arbeiten?
      Registerfehler Seitenmarke: Die Seitenmarke (um 1mm verstellbar) sollte also in innersten Position sein (glaub 7.5. anstatt 6.5mm Greiferraum)?


      @Norbert1062:
      "beim drucken der Bogen nicht korrekt gezogen wurde": Was heisst das in Nicht-Druckersprache? :)


      Die Bogen wurden vom Papierlieferanten geschnitten. Ich habe vorgängig überprüft. Es war schon so, dass es Abweichungen von bis zu 0.5 mm gab. Ich habe vor dem Drucken eine Schablone gemacht mit den korrekten Abständen Vor- und Rückseite. Nadelprobe nach dem Drucken. Der Passer schien mir bis auf einige Zehntelmillimeter in Ordnung zu sein. Beim Drucken hat es die Positionen auch nicht verschoben.

      Zum Schneiden: Wie geht ihr denn vor? Ich konnte bisher keine Grossbogen bestellen, da keine grosse Schneidemaschine. Aber auch wenn ihr vorschneiden lässt: Schneidet ihr vor dem Stanzen jeweils noch nach? Ich gebe zu, punkto Schneiden muss ich noch viel lernen, die Komplexität wird glaub unterschätzt...

      Nochmals ganz lieben Dank euch allen!
      Monica, begeisterter Lehrling der Schwarzen Kunst ;)
    • Boston Presse schrieb:

      Dazu habe ich noch einen Nachtrag.
      Zweiseitiger, deckungsgleicher Druck ist auf dem OHT nur bei sehr genau geschnittenen Bogen möglich, in diesem vorliegendem Fall die Kreise von Vorder und Rückseite. Jede Seite für sich betrachtet, ist jedoch standgerecht bedruckt.
      Die Ursache liegt bei der Seitenmarke, die beim Umschlagen der Bogen ihre Position nicht verändern kann. Alle Schnittdifferenzen machen sich
      dann bemerkbar. Diese Tatsache sollte schon bei der Vorlagenerstellung berücksichtigt werden, ebenso ob der Bogen umstülpt oder
      umschlagen werden soll.
      Sorry, ich dachte, ich könnte direkt antworten.
      Ich dachte eben, dem könne ich mit der Schablone entgegenwirken. Ich versteh das noch nicht so ganz, aber ich meine, an der langen Kante gedreht, also gestülpt (?) zu haben? Das Klischee musste ich nicht umdrehen, aber in der rechts-/links-Achse in der Form entsprechend anpassen. Okay, diesem Thema muss ich mich schleunigst annehmen :P .
    • um zu prüfen ob die Differenzen vom Tiegel kommen brauchst du ja nur 20-30 Stück stanzen und dann die Deckel ausdrücken, den Abfall nehmen und prüfen ob der Kreis immer den gleichen Stand hat.

      In der Schneidemaschine gibt es beim Messer eine glatte und eine abgeschrägte Seite. Wenn man nun den Bogen aufschneidet wird er zwangsläufig einmal mit der glatten und einmal mit der abgeschrägten Seite geschnitten. Das kann man auch sehen in dem man sich die Schneidseiten mal anschaut, da erkennt man einmal eine glatte Seite und eine aufgeraute Seite im Stapel.
      Dies führt zu den Schneidedifferenzen von 0,5 mm.

      Dies kann man natürlich vermeiden indem man die Nutzen ausschließlich mit der glatten Seite schneidet.

      Selbst wenn der Druck und das Stanzen exact sind kommt es durch falsches schneiden zu Differenzen von über 1mm bei dieser Pappe.
      Beispiel wenn man mit der glatten und abgeschrägten Seite schneidet: vorschneiden der Druckbogen zu 6 Nutzen ca. 0,5 mm Papierdifferenz. Dies ist nicht ganz so schlimm da man ja noch eine Druckanlage hat, es bleiben aber Differenzen weil man die Bogen nicht exact an der Schneidemaschine anlegen kann.
      Endschneiden der Druckbogen zu Einzelnutzen ca. 0,5 mm oder mehr
      Wenn man dann noch die einzelnen Nutzen übereinander legt nochmals Differenzen.

      Hoffe du kannst damit was anfangen, wie du schon selber geschrieben hast wird das schneiden ziemlich unterschätzt.
    • Zum Schneiden:
      Ich bestelle Großbogen Bis max 70/100 da ich auch nur eine kleine (80 cm) Schneidemaschine habe.Immer auf ein scharfes Messer achten,stumpfe messer ergeben Schnittdifferenzen. Karton sehr sorgfältig vor dem Schneiden aufstoßen.
      Umschlagen bedeutet, daß der Bogen für den Schön-und Widerdruck die gleichen Vordermarken, beim OHT also die untere Markenschiene, benutzt.
      Der Bogen wird dadurch aber rechts bzw.links angelegt,da ein Wechsel der Seitenmarke, auf die gleiche Seite wie beim Schöndruck, nicht möglich ist.
      Umstülpen: Der Bogen wird für den Widerdruck so gedreht,daß die Ausrichtung des Bogens, mit der Seitenmarke, auf der gleichen Bogenkante bleibt.
      Die Schittdifferenzen wirken sich also horizontal oder vertikal aus.
      Um die Sache komplett zu machen gibt es noch Umdrehen. Diese Methode benutze ich oft bei kleinen Auflagen Geschäftskarten, um nur ein Klischee
      für einen Nutzen zu fertigen aber den Karton für zwei Nutzen zu schneiden.Druckseite bleibt auch beim zweiten Durchgang die gleiche,der Karton wird um 180 Grad gedreht.
      Ein bedruckter Bogen der noch gestanzt werden soll, möglichst nicht vorher schneiden, es gibt immer Schnittdifferenzen!
      Seitenmarke=größter Rand nach außen, Rändelschraube eingedreht.
      Untere Markenschiene: Die linke Marke trägt die Nadel, die Länge sollte nur bemessen sein,daß der Bogen gut aufgefangen wird und nicht überspringt.
      Was meinst Du mit "Ich dachte eben, dem könne ich mit der Schablone entgegenwirken."?
    • Hallo zusammen

      Wiederum vielen Dank für eure Antworten, thomas.drucker und Boston Presse. Ich werde die genannten Tipps und möglichen Fehlerquellen nun mal durchgehen.

      @Bostonpresse: Mit Schablone entgegenwirken: Ich konnte wegen dem Format des Einzelnutzens nicht genau seitenmittig drucken und wusste, dass ich beim Umstülpen den geänderten Abstand vom Rand auf der Rückseite beachten musste. Ich habe also eine Art Schablone gemacht mit den eingezeichneten Abständen auf der Vor-und Rückseite. Und dachte eben, dass ich so Druckdifferenzen horizontal und vertikal vermeiden kann.

      Also, als nächstes gilt es, im Atelier mal in Ruhe zu pröbeln etc.

      Euch allen gutes Arbeiten und auf ein nächstes Mal ;)
      Monica