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Frage 79, Lichtechtheit 1

    • Frage 79, Lichtechtheit 1

      Wodurch kann man verhindern, dass Drucke mit der Zeit ausbleichen?

      Meine Antwort:
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      Die Zerstörung der Pigmente am Licht wird durch einen kombinierten Angriff von Licht und Luft verursacht. UV und sichtbares Licht aktivieren bestimmte Bindungen, weil sie sie energetisch anregen. Dadurch steigt die Reaktivität dieser Moleküle. Der Sauerstoff unserer Atmosphäre kann nun angreifen und chemische Umsetzungen auslösen, die meist zur Entfärbung oder Vergilbung führen.

      Damit ist offensichtlich, dass wichtige Drucke entweder im Dunklen gelagert werden sollten - oder unter Luftausschluss. Beides wird praktiziert. Gerade durch eine dicke UV-Lackschicht (Barrierelack) auf dem Druck kann man das Ausbleichen so wirksam verhindern, dass Großplakate mit garantierten Standzeiten von 12 Monaten inzwischen Routine sind. Zum Vergleich: Ein normaler Vierfarbendruck nach PSO im Offset hat als Außenplakat etwa eine Standzeit von 4 Wochen, bis es zu sichtbaren Verfärbungen kommt.

      Ein Buchumschlag sollte nicht durchgängig auf Seiten und Rücken gleich eingefärbt sein. Im Regal werden die Seiten von benachbarten Büchern abgedeckt - und der Rücken bleicht aus.

      Auch für Fotoausdrucke auf Ink Jet - Druckern steigt der Anspruch an Lichtechtheit. Dort tritt man sozusagen die Flucht nach vorne an. Man gibt als Farbmittel nicht mehr molekular gelöste Farbstoffe hinein, sondern mikrokristalline Pigmente. Diese gröberen Teilchen brauchen einfach länger als einzelne Moleküle, bis sie bis auf ihren Kern abgebaut sind. Allerdings scheinen die Papiermacher hier auch wirksam zum Schutz beitragen zu können: Es gibt längere Standzeiten für unsere allgemein eher schwachen Tintenstrahldrucke zu Hause.

      Bei Plakaten muss eine Farbveränderung mit der Standzeit nicht nur durch das Licht ausgelöst werden. Verwendet man bestimmte Kleber (alkalische, also laugenhafte), so können sich alkalischwache Pigmente nach und nach zersetzen, weil sie durch den Regen mit der Lauge reagieren können.
      Weiß jemand von euch, ob diese alkalischen Kleber heute noch in Gebrauch sind?
    • Hallo Colourman,

      du siehst das richtig: Außer bei Buchdruck- und Offsetfarben gibt keiner Angaben über die Lichtechtheit. Das hat Gründe.

      Beim Toluoltiefdruck (Illustrationstiefdruck) interessiert es wenig und würde häufig unnötig zahlenmäßige Schwächen zeigen.

      Beim Verpackungstief- und -flexodruck werden die relevanten Echtheiten oft sogar auftragsspezifisch zum Farbansatz geliefert. Ich meine, Lichtechtheit sei da eher ein Nebenthema.

      Beim Digitaldruck gibt es meines Wissens überhaupt nix. Dort haben die Hersteller der Maschinen jede für sich ein eigenes System aufgebaut. Die sind von einer Standardisierung wohl noch meilenweit entfernt. Das dürfte auch durch die Vielfalt an Farbtypen und Bedruckstoffen verursacht sein. Bei den Druckertinten garantieren jetzt die Papierhersteller (!), wie lange selbst gedruckte Fotos halten. Es gibt also durchaus wesentliche Einflüsse auf die Lichtechtheit außer nur durch die Farbe.

      Viele Grüße & ciao
      Inkman