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Frage 71, Farbannahme 3

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    • Frage 71, Farbannahme 3

      Welches gedankliche Modell liegt der Brunner - Formel für Farbannahme zu Grunde?

      Meine Antwort:
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      Auch das System Brunner verwendet eine Art Tonwert, den es aus den drei Dichtemessungen D12, D1 und D2 berechnet. In Densitometern finden wir diese Formel:

      Farbannahme nach Brunner



      Dabei ist der Ausdruck „Farbannahme“ etwas irritierend. Es wird nämlich ein prozentualer Tonwert errechnet. Man vergleicht die Messung im Zusammendruck mit einem fiktiven Vollton aus beiden vollen Farbschichten (D1 + D2 anstelle desVolltones in der Murray-Davies-Gleichung). Die zweite Farbschicht wird als ein Raster betrachtet, etwas ähnlich dem Perlfaktor von A. Ritz.

      Wenn man einen Gebrauchswert sucht, findet man gegenüber der einfachen Formel von Preucil fast nur Nachteile. Man verwendet die gleichen Messungen, keine genaueren. Man hat eine komplizierte Rechnung durch die Übersetzung inTonwerte. Und wenn man sich die Funktion grafisch veranschaulicht, differenzieren die erhaltenen Werte kaum zwischen mehr oder weniger dicken oberen Farbschichten.

      Als Vorteil wird angeführt, dass der Drucker in der ihm gewohnten Sprache bleibt, weil er einen Tonwert vor sich hat. Spricht man jedoch mit Druckern im Alltag, so wird meist noch immer der veraltete Ausdruck „Flächendeckung“ benutzt, vermutlich weil er leichter etwas figürlich Vorstellbares hergibt als der
      Tonwert. Griffigkeit sieht anders aus.

      Ein Vergleich der drei Auswerteverfahren mit gravimetrischen Messungen einer Andruckreihe vom Prüfbau, also gewogenen Laborandrucken, zeigt, dass nach Preucil Abweichungen bis 15 % im vorliegenden Fall erhalten werden. Der Perlfaktor gibt bei gar keiner zweiten Farbschicht immerhin auch eine Null. Dann springt er aber schnell hoch und nutzt nur die obersten 40 % der Skala zur Differenzierung. Bei System Brunner verlassen wir nun endgültig das Gebiet figürlicher Vorstellung, weil ohne zweite Farbschicht bereits 40 % vorliegen sollen. Zur Differenzierung unterschiedlicher Farbannahmen werden dann nur die obersten 20 % genutzt. So eine Berechnung müsste erst eine physikalische Daseinsberechtigung beweisen, wenn jemand sie benutzen wollte.



      Sie hat ihren Platz im gesamten System Brunner, weil sie dort definiert wurde. Dort wird sie vermutlich in einer Berechnungskette eingesetzt und wird schon ihre Funktion erfüllen. Aber herausgelöst für jemanden, der sich einen Eindruck machen will, ob eine Bildstörung nun an der Farbannahme liegt, gibt diese Gleichung dem Benutzer wenig Hilfe.
      Das Komplettsystem Brunner wird ganz offensichtlich in der Praxis erfolgreich eingesetzt. Zu erwarten wäre, dass darin jetzt farbmetrische Daten verwendet werden, auch wenn es um Farbannahme geht, weil solche Messungen heute leicht und detailliert zu erhalten sind.