80g Papier klebt beim Druck der Rückseite

  • Hallo alle zusammen,


    ich bin neu hier und freue mich dieses Forum gefunden zu haben.


    Kurz zu mir: ich bin kein gelernter Drucker, sondern habe mir aus der Not heraus das Drucken fast selber beigebracht. Bin nun seit 1,5 Jahren dabei. Mein Mentor, welchen ich bei Problemen erreichen konnte, steht mir leider nicht mehr zur Verfügung daher hoffe ich und bitte um eure Hilfe. Ich drucke an einer Miller TP94/4c Bj. 1989.


    Nun zu meinem Problem: ich muss Flayer auf einem geglätteten 80g Papier (86 x 61cm) drucken und dabei stoße ich auf folgendes Problem. Beim Druck der ersten Seite ist alles ok, aber nach dem Umschlagen und Druck der zweiten Seite kriege ich keinen gescheiten Papierlauf zustande. Das Papier klebt aneinander und dadurch gibt es ständig Stopper und Doppelbogen. Ich habe dadurch schon etliche Gummitücher ruiniert da sich das Papier bei falschem Einzug zerknittert und starke Einrücke auf dem Gummituch hinterlässt.


    Fals es etwas zur Sache tut: in der Halle sind es ca. 16 grad - wie hoch die Luftfeuchtigkeit ist weiß ich nicht. Dazu benutze ich seit neusten das Puder von wifac - Star Powder 200. Dieses ist wirklich seeeehr fein.


    Ich freue mich über alle Vorschläge.

  • Hallo, zuerst mal alles Gute zum Neuem Jahr!
    16 Grad ist schon relativ kühl. normalerweise wären so ca. 23 Grad und eine relative Luftfeuchte von 50% optimal, weiß nicht ob Du das erreichen kannst.
    Ich denke mal die Frage ist ob das Papier im Stapel zusammenklebt, ist es statisch, hat die Farbe abgezogen? Liegt das Papier plan oder recht wellig da?
    Vielleicht hilft es wenn Du das Papier bevor Du es in die Maschine, in den Anleger stapelst, sehr gut und gewissenhaft durchlüftest und auflockerst, sodaß sich die eventuell zusammenklebenden Bogen voneinander lösen.
    Wie man den Saugkopf bei dieser Druckmaschine einstellt kann ich Dir leider nicht so genau schreiben, da mir hierfür die nötige Erfahrung fehlt. Ich habe mehr auf Heidelberg SM 52 und GTO mit Einzelbogenanleger gearbeitet.
    Es gibt auch noch einen Antistatikspray und ähnliches um die eventuelle statische Aufladung zu bekämpfen.


    Vielleicht helfen ja meine Tipps, gutes Gelingen!

  • Vielen Dank schon mal für die Antwort! Wegen der Raumtemperatur kann ich leider nichts machen. Die Heizkörper sind schon voll aufgedreht, aber mehr als 15-16 Grad werden nicht erreicht. Ich weiß, dass es für eine Druckerei ziemlich schlecht ist, daher mag ich auch den Sommer :) Wegen abdruckender Farbe ist der Stapel nicht verklebt. Das Papier liegt relativ Plan. Ich bin auch der Meinung, dass es etwas mit der statischen Aufladung zu tun hat. Könnte es aber sein, dass es auch am Puder liegt?


    Ein Antistatikspray steht bei mir im Schrank. Wie genau kann ich ihn gebrauchen um das Problem zu bekämpfen? Soll ich beim Rütteln der Bögen sprühen oder dann auf den fertigen Stapel?


    Noch so eine Frage an alle: verwendet ihr irgendwelche Messgeräte um die Luftfeuchtigkeit und Papier-Stapelfeuchtigkeit zu messen? Wenn ja, welche?

  • Grundsätzlich habe ich immer alles unternommen um die statische Aufladung schon im Vorfeld zu eliminieren, doch wenn´s einmal soweit ist...den Anleger mit Antistatikspray einsprühen, ebenso das gestapelte Papier und vielleicht den Gegendruckzylinder mit Plattenreiniger (diese weiße-milchige Flüssigkeit die man benötigt um kleine Kratzer von der Druckplatte zu entfernen) einreiben, bei den Viertelbogenmaschinen hat mir das immer wieder geholfen.
    Danach den Papierlauf genau einstellen, Maschine vielleicht nur so schnell laufen lassen wie es das Papier verträgt, es geht eben nicht immer die Höchstgeschwindigkeit. Ich denke die Zeit die du möglicherweise durch den langsameren Maschinenlauf verlierst kompensierst Du andererseits wieder indem Du eben nicht immer Gummitücher wechseln mußt. Das geht ins Geld und kostet Zeit.
    Nochmal mein Rat den Papierlauf vor dem eigentlichen Auflagendruck GANZ GENAU einstellen und alles GENAU justieren. Dauert vielleicht eine Zeit, doch es schont Deine Nerven und auch die der Maschine :thumbup:;)
    Ich habe eigentlich nie die Kollegen verstanden die immer alles auf einmal gemacht haben: Während des Auflagendrucks die Farbe gestellt, Anlage- Auslage eingerichtet, Passer justiert. Hat immer so ausgesehen als ob die so schnell wären, doch die fertige Auflage hast nicht kontrollieren dürfen und auch die verrauchten Zigarettenpackerln...

  • Hi,


    ich würde auch auf die rel. Luftfeuchte tippen.
    Bei 16°C wird sie wohl so grob geschätzt bei 75-85% liegen. Je kälter, desto höher die rel. LF!
    Da dieses Papier beim Schöndruck schon etwas feucht wird (fährst du eine hohe Feuchtung??) und kalandriertes Papier wenig Feuchtigkeit aufnehmen kann und jetzt noch die hohe Luftfeuchte dazukommt, wird jetzt die statische Aufladung zum Feind. (Alles nur Vermutung ;) )


    Versuche also die statische Aufladung zu reduzieren wie ExDrucker schon schrieb.


    Was man evtl. auch McGyvern könnte wäre am Anleger diese Luftentfeuchtungsbeutel mit Granulat aufzuhängen. Gibt es in verschiedenen Größen. :/ aber kein Gewähr ob es funktioniert



    Grüße

    Wer in einem gewissen Alter nicht merkt, dass er hauptsächlich von Idioten umgeben ist, merkt es aus einem gewissen Grunde nicht!!!

  • Hallo alideis
    Also ich tippe auch auf das Statikproblem. Wenn Du nur 15-16 Grad im Drucksaal hast, wirst Du wahrscheinlich auch viel zu trockene Luft haben (Wird das in der Deiner Firma nicht behoben? Du kannst das mit einem handelsüblichen Thermo-/Hydrometer messen). Solche Klimatischen Umstände sind für Papiere Gift! <X


    Vor Jahren habe ich auch auf dieser Maschine gearbeitet. Trotzdem kann ich Dir über Einstellungen des Einlegers keine Ratschläge geben. Das müsste ich an der Maschine sehen. Ich kann Dir höchstens einige Tips geben um die Statik zu verbessern.
    - Kein Stapelwender verwenden - Bogen von Hand umschlagen, gut durchlüften und möglichst saubere und nicht zu hohe Stapel machen
    - Wie ExDrucker schon gesagt hat, Papierlauf machen (ohne Druck) und dabei am Einleger mit der Saug- und Blasluft spielen (mal mehr oder weniger). Maschine langsam laufen lassen
    - Den Anlegertisch und die Anlage mit Antistatikspray besprühen (aber nicht soviel dass er nass ist)
    - Neben den Stapel kannst Du einen Luftbefeuchter stellen. Den Dampf dabei so ausrichten, dass er zum Einleger dampft
    - Was auch noch helfen kann (wurde vor 20-30 Jahren oft gemacht) und noch aktuell ist -> befestige Weihnachtsschmuck (diese goldenen oder silbernen Girlanden) am Einleger (am Besten bei dem Gestänge wo der hintere Bogenanschlag neben den Trennsauger sitzt) so, dass sie beim Papierlauf auf dem obersten Bogen des Stapels und dem Papierschuppenstrom liegen bis knapp vor die Anlage.


    Ich wünsche Dir gutes Gelingen. Und sag Deinem Chef, er soll sich ums Klima im Drucksaal kümmern. Ansonsten wirst Du immer wieder mit solchen Problemen zu kämpfen haben :/


    Melde bitte auch, ob Du Erfolg gehabt hast.


    Gruss aus der Schweiz
    Marcel

  • Hallo
    mache mal bitte den Anlagetisch
    (überall da wo der Bogen in Kontakt mit der Maschine kommt)
    mit Wasser und Waschmittel sauber.
    Das wirkt der statischen Aufladung entgegen.
    Wenn der ganze Stapel schon statisch ist, hättest du das schon vor dem Druck der Schöndruckseite machen sollen.
    Auch die Auslage.


    Der Raum ist ja nicht so groß, (da ich glaube zu wissen wo die Maschine steht)
    mit einem halbwegs gescheiten Bauheizer aus dem Baumarkt bekommst du da locker die Temparatur noch mal 3-5 Grad höher.

  • Moin moin,


    das Problem ist in vielen Druckereien hinlänglich bekannt: In der kalten Jahreszeit kann man immer schlechter drucken, weil die rel. Luftfeuchte zu stark abnimmt. Folge sind statische Probleme, meist beim Widerdruck.
    Am Effektivsten: Luftbefeuchtungsanlage.
    Die alten Hasen hatten das aber früher nicht und trotzdem haben die perfekt gedruckt. Nur wie???


    Alte Lappen, Bettlaken, Handtücher.
    Alte Lappen tropfnass machen und rund um die Maschine aufhäufen. Ich hab das früher sogar mit alten/gebrauchten Putzlappen gemacht (ist heute nicht mehr erlaubt). Die Bettlaken oder Handtücher nass aufhängen egal wo, nur nicht auf der Heizung. Das bringt langfristig was. Wasser um die Maschine ausleeren ist nicht sinnvoll, da die Oberfläche zu klein ist in Verhältnis zu Lappen und zudem eine Gefahrenquelle darstellt.
    Wenn das jetzt sehr kurzfristig sein muss, dann den Papierstapel mit Metallstreifen mit der Maschine verbinden (Alufolie/Abstreifer). Somit wird ein Teil der statischen Energie an die Maschine abgeführt.


    Gruß

  • Ich danke euch allen vielmals für die praktischen Tipps !!! Heute druckte ich die erste Seite. Der Papierlauf der neuen Palette war einwandfrei. Morgen versuche ich dann eure Ratschläge so weit wie möglich in Tat umzusetzen.


    In unserer Halle gibt es eigentlich eine Luftbefeuchtungsanlage, diese war jedoch außer Betrieb wegen kaputten Schläuchen. Ich habe dem Chef nahegelegt die Probleme zu beheben. Nun wird die Hallenluft schön befeuchtet :) Ich freue mich, keine nassen Bettlacken aufhängen zu müssen :thumbup:


    Einen zusätzlichen Bauheizer habe ich auch aufgestellt. Die Raumtemperatur betrug heute Abend ca. 18 grad


    Ich berichte dann, wie die zweite Seite lief.

  • In unserer Halle gibt es eigentlich eine Luftbefeuchtungsanlage, diese war jedoch außer Betrieb wegen kaputten Schläuchen. Ich habe dem Chef nahegelegt die Probleme zu beheben. Nun wird die Hallenluft schön befeuchtet


    Oh, das geht aber fix bei deinem Chef! Glückwunsch!


    Ich habe sage und schreibe 8 Jahre an meinen Ex-Chef hingepredigt, daß wir einen Luftbefeuchter brauchen.
    Aber der war immer zu teuer und in seinen Augen purer Luxus.


    ...bis wir dann eine Druckerin bekommen haben.
    2 Wochen später wurde eine total überdimensionierte Anlage installiert.
    Sogar der Pausenraum und der Flur wurde besprüht, da im Paket mehr Düsen waren, als gebraucht wurden.

  • Also, gestern druckte ich die zweite Seite und was soll ich sagen... es lief einfach traumhaft :thumbup:
    So gut wie keine Stopper und keine Doppelbogen.


    Folgendes konnte ich in die Tat umsetzen:


    - Luftbefeuchtungsanlage wurde repariert
    - stellte zusätzlichen Bauheizer auf - erreichte Temperatur lag zwischen 18-19 grad
    - wusch den Anleger mit Wasser und Waschmittel
    - stapelte das Papier per Hand um, wobei ich den Rütteltisch mit Antistatikspay einsprühte
    - der Anleger und der fertige Stapel wurden ebenfals mit Antistatikspay eingesprüht
    - vor dem Druck justierte ich den Papierlauf neu


    Also noch mal vielen Dank für eure nützlichen Tipps :thumbup:

  • Ich freue mich für Dich, daß die Tipps geholfen haben. So bin ich immer vorgegangen: Wenn der Papierlauf nicht funktionierte, die Maschine hundertmal quasi von sagen wir mal 10.000 Druck auf Null krachend stehenblieb, so konnte was nicht stimmen.
    Stehenbleiben, in Ruhe und OHNE HEKTIK(!!!) ansehen was nicht stimmt, Papierlauf einstellen, vielleicht bisserl langsamer, eventuelle Probleme beheben, dann geht's.
    Gibt natürlich auch die Kollegen denen das egal ist, Hauptsache die Maschine rennt am Nagel obs hundertmal nen Kracher gibt, wurscht, die Auflage muß "schnell" runter, auch wenn der Hobel nachher hin ist, der Nächste wird's schon richten.
    Das würde ich nicht so ausführlich schreiben hätte ich es nicht oft genug erlebt.
    Aber die meisten Drucker sind eh okay! :thumbup::thumbup:

  • da sprichste mir aus der Seele @ExDrucker, das schlimme ist nicht nur das es Dir auf Dauer Lager und Buchsen zerhaut wenn die Karre stoppt, sondern (zumindest ist es an der Komori so),
    das man erst mal zur Auslage latscht, die Maschine neu startet und die 7-8 Bg. (die ja noch im Umlauf sind) rausholt.
    Macht bei Kleinstauflagen von 500 Drucken beim Wiederdruck besonders Spass, extra nur 50 Bg. Zuschuß gedruckt und dann 15 solche Stopper = 105 BG Ausschuß, kannste gleich nochmal anfangen.


    Wir hatten das mit der Luftbefeuchtung auch mit den nassen Lappen geregelt, oder mit nem kleinen Baumarkt-Kompressor und ne Wasserflasche davor gehalten und so das Wasser zersteubt, bringt auch Abhilfe.
    Metallstreifen in der Anlage sind auch gut, hatten die Leute von Komori damals schon werksseitig mitgeliefert.


    MfG. Holger