Guten Morgen;
Ich komme ja von der CD102-6+L+UV mit anspruchsvollsten Killer-Aufträgen. Wg. Personalmangels stehe ich momentan an einer SM102-4P mit 08/15 Aufträgen. Flyer usw. Meistens sogar 1/1 fbg.
Hatte letzte Woche Broschüren von unserer Online-Sparte (a la Lyeralarm) drin. Ich stehe alleine an der Maschine, habe weiß Gott Ahnung vom Drucken. Es wird stur nach ImageControl-Norm gedruckt. Ich habe mir am Anfang der Schicht die Druckreihenfolge der Aufträge zurechtgelegt...Format usw. Dann karre ich mir das Papier an die Maschine, packe die Stapel aus und dann beginne ich die CiP-Profile zu suchen, die natürlich niemals schon komplett vorliegen. Während des Druckens, Auflage so 500-1500, brauche ich damit ja nicht anzufangen. Bis der erste Abzug aus der Maschine kommt, ist schon mal ne Stunde vergangen. Ich stelle den Passer und messe mit ImageControl. Da wir uns bei diesen Aufträgen auf einen relativ hohen DeltaE geeinigt haben, läuft der Auftrag meistens schon nach einem Abzug an. Natürlich nicht beim ersten Auftrag nach dem Farbeinlaufen...da braucht die Maschine evtl. mehr Abzüge. Aber dann ist das eigentlich nur noch ein Prozedere wie beim Kopieren....Platten rein-Abzug-Passer-messen-durchdrucken-und von vorne. Wir haben bei diesen Aufträgen auch keinerlei Unterlagen...durch und fertig.
Jetzt bin ich echt jemand, der wirklich keinen Stillstand mag. Ich ziehe meinen Stiefel kontinuierlich durch, denn irgendein Bummeln rächt sich im Laufe der weiteren Schicht. Lieber arbeite ich mir da ein Zeitpolster voraus an. Ich habe 13 4/fbg. Formen geschafft, Auflage 1.000 Bg. Natürlich kam auch noch das wenden der Stapel dazu, bzw. 1 Form musste ich mit der Hand in die Maschine stapeln....passiert ja auch abundzu.
Ich möchte nur damit sagen, wie meine Vorschreiber auch, wenn WENN die Grundvoraussetzungen stimmen, also ich bin nur aufs Drucken fixiert...kein Thema. ABER du mußt die Platten holen, Papier holen, evtl. fehlende Profile besorgen, die AV machen....irgendwann Waschmittel/Farbe/Alkohol auffüllen. Da kommt man dann schon an seine Grenzen. Und wenn man dann noch reguläre Aufträge drin hat, wo man doch Unterlagen prüfen muß, Farbproofs hat....kurzum eine ganz andere Qualität gefordert wird...was ist dann?
Kinder! Laßt bitte diese ständigen Schwanzvergleiche. Durch Schnelligkeit hat sich noch NIEMALS ein guter Drucker definiert. In der Flyer-Online-Sparte ist das natürlich etwas anders. Wenn das richtig aufgezogen wird. Papier fast immer gleich- Farbigkeit gleich, keine Unterlagen...da kann dann die Kuh fliegen....da ist man dann eingespielt. Aber in der normalen Druckschiene hat man da schon zu kämpfen. Ob ich jetzt 11 Formen oder 13 Formen geschafft habe ist doch kackegal, wenn ich die dann mit einem komischen Bauchgefühl in die Weiterverarbeitung gebe.
Ich war letztens mit meinem Chef in so einer Flyerdruckerei. Mehrere 4-Farben, alle nur ein Format. Grammatur jeweils zwischen 100 u. 170 g/m². Da die echt nur Flyer drin hatten, war die Farbaufteilung der einzelnen Formen auch relativ gleich. Die hatte an jeder Maschine einen Drucker, ABER bei sechs 4-Farben auch 3 Helfer, die für die Logistik da waren. Papier stand bereit, Farbe ging nicht aus, Platten wurden entsprechend neben den Leitsand der jeweiligen Maschine gestellt. Auflagen waren fast immer 2.500 Bg.
DA steckt Potential drin, da kann man noch was rauskitzeln. Ich denke jedoch, das bei den wenigsten, die alleine an der Maschine stehen, das alles so konsequent umgesetzt ist. Da wurde die Maschine als Einzelarbeitsplatz definiert und dann wurde der Drucker im Stich gelassen.....ist doch meistens so.
Sorry...ist jetzt länger geworden...ich kann das alles nicht mehr hören.
Fazit: Wenn alles drumherum stimmt, gebe ich Gas, ansonsten nach meinem Gefühl als erfahrener guter Drucker. Alles ander rächt sich irgendwann brutal auf meinen Schultern.